Reiten mit Antje Bandholz
nach den Lehren der Légèreté
Guérinière
I. Das Ablassen vom Einsatz der Hilfen
II. Die Trennung der Hilfen
III. Die Dosierung der Hilfen
IV. Die Optimierung der Hilfen
V. Die Nachgiebigkeit des Unterkiefers
VI. Bauchers Ausbildungskonzept
Bauchers und Guérinières Grundregeln des "Leichten Reitens"

Bevor wir zu den Grundregeln des feinen und leichten Reitens kommen, sei vorweggenommen, dass es auch im Vorfelde vieles gibt, was Sie unternehmen können, damit es Ihrem Pferd besser geht und es Sie unbeschadet tragen kann. Denn bedenken Sie, dass Sie Ihr Pferd nur ca. 1/24 des Tages reiten. Daher hat das sonstige Umfeld des Pferdes elementaren Einfluss auf sein Wohlbefinden.  Dabei stehen drei Themen im Fordergrund:

  1.          Die Haltung: Ein Pferd ist dafür ausgelegt sich auf der Suche nach Nahrung ca. 18-20 Stunden am Tag zu bewegen. Sowohl der gesamte Kreislauf-, als auch der Verdauungs- und Bewegungs-Apparat benötigen diese permanente Bewegung, damit sie funktionieren können. Wenn Sie ein Pferd den Großteil des Tages in eine Box stellen, wird es also nahezu zwangsläufig krank, ohne dass Sie auch nur aufgestiegen sind. Wenn Sie Ihrem Pferd also etwas Gutes tun wollen, halten Sie es so, dass es sich stets ausreichend in der Gruppe bewegen kann (eine Paddock-Box ist da besser, als nichts, reicht da aber nicht wirklich...).
  2.           Der Umgang: Pferde sind Herdentiere mit starkem Fluchtinstinkt. Wenn Sie also ständig die Regeln ändern und Dinge durchgehen lassen, werden Sie für Ihr Pferd unberechenbar und provozieren damit Stress, der es auf Dauer krank und /oder aggressiv machen kann.   Pferde wollen, dass Sie Ihm ein guter Herden-Chef sind. Also behandeln Sie es fair, berechenbar und bestimmt.
  3.     Die Ausrüstung: Auch wenn noch nicht 100% fest steht, womit und wie ein Pferd (das ja kein Schlüsselbein hat)  den Reiter trägt, so steht doch außer Frage, dass dem Rücken, seinen Bändern und Muskeln eine elementare Funktion dabei zukommt. Ein Großteil der Reiter schädigt leider in Unwissenheit seine Pferde hier oft schon durch falsches Satteln und falsche Sättel (:" in dem kann ich gut sitzen.." oder " den gab es günstig bei ebay", aber auch " ..das ist ein Maßsattel, den ich mir vor Jahren habe anfertigen lassen..") Bitte trauen Sie Ihren eigenen Augen!: Ein Sattel gehört nicht auf die Schulter und nicht auf die Lende, wenn Ihr Popo einen großen Sattel braucht, dann sollten Sie nicht versuchen, diesen auf ein kleines Pferd oder einen zu kurzen Rücken zu legen! Und es bildet sich auch keine Sattellage beim Pferd aus! Wenn Sie vom Hals bis zur Lende irgendwo einen Knochen sehen, stimmt da was nicht! Und wenn z.B. am Widerrist seitlich Dellen sind, dann sind die nicht natürlichen Ursprungs. Jede Schädigung in diesem Bereich kann ausreichen, es Ihrem Pferd unmöglich zu machen, Sie schadlos zu tragen. Bitte eignen Sie sich hierzu ausreichend Wissen an. Tipps hierzu finden Sie im Bereich Buchempfehlungen . 

 

    Wenn Sie die obigen Grundsätze befolgen, macht es auch Sinn, sich mit der Kommunikation und Ausbildung Ihres Pferdes zu beschäftigen. Da sich ja fast alle europäischen Reitlehren auf die eine oder andere Weise auf de la Guérinière beziehen, finden Sie in den auf der linken Seite aufgeführten Kapiteln vorangestellt zunächst unsere Übersetzung seines Buches in "Neudeutsch" mit einer gebräuchlichen Schrift, damit Sie sich auch mal einen Eindruck bekommen können, was er wirklich geschrieben hat.

<============= Die Übersetzung finden Sie links oben! !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    

    Dabei haben wir an dieser Stelle nur den Teil abgebildet, der sich mit dem Reiten an sich beschäftigt. Darüberhinaus sagt er in seinem Buch auch viel über Haltung, Zubehör und Pferdebeurteilung, was sicher noch heute Gültigkeit besitzt. Eine vollständige passable Übersetzung gibt es auch von Olms oder (wieder auf das Reitenbezogen) in der Interpretation von Bent Branderup (siehe Buchempfehlungen), allerding im altdeutschen Schrifttyp und in Altdeutsch.  Zusammen mit den Kommentaren  von Ilka Flegel  aus den Dressurstudien - Ausgabe "Klassisch contra Classique" (Seiten 89-inkl 93) aus dem Jahr 2007 zum Thema "Fehlübersetzungen in deutschen Übersetzungen der Ecole de cavalerie" - sollten Sie einen möglichst unverfälschten Eindruck seiner Aussagen bekommen. Mit dem Wissen können Sie dann viele (Falsch-)Aussagen zu de la Guérinière selbst beurteilen und Ihre eigenen Schlüsse ziehen. Anmerkungen hierzu finden Sie auch in "Irrwege der modernen Dressur" auf den Seiten 64 und 65. Aber bedenken Sie bitte, dass allein schon das Lesen eine Art Interpretation beinhaltet, da beim Verarbeiten des Gelesenen Ihre Erfahrungen, Ihr Vorwissen und Erwartungen vom Gehirn genutzt werden. Das soll heißen, dass noch lange nicht sicher ist, ob das, was Sie glauben verstanden zu haben, auch vom Autor so gemeint war. Und den Übersetzern geht es nicht anders! Allein schon Wörter wie Légèreté können so ohne weiteres gar nicht ins Deutsche übersetzt werden, da ihnen im Deutschen das entsprechende Pendant fehlt. Denn im Französischen bedeutet z.B. Légèreté  nicht nur Leichtigkeit, sondern beinhaltet auch die entsprechende Geisteshaltung. 

Danach kommen Sie zu den 5 Grundregel des Feinen Reitens (der Begriff Légèreté‎ ist heutzutage schon so "vergriffen", aber das ist gemeint).

Selten wurde ein reiterliches Genie so fehlinterpretiert wie Baucher. Besonders in Deutschland wurde seine Reitlehre als Zirkusreiterei und Schnelldressur betitelt. Dies liegt insbesondere daran, dass der Mann einen "großen Fehler" begang. Er hat sich reiterlich entwickelt!
Und so kommt es, dass man in Deutschland heute nur die Bücher der Anfänge seiner Reitweise (Versionen 1-9) kennt, die man auch als seine erste Phase bezeichnet.   In dieser entwickelte er noch seine Ausbildungsmethode, probierte Dinge aus und war mehr damit beschäftigt, sich in seinen Büchern darüber zu beklagen, dass alle ihn verkennen würden, als seine Reitlehre nachvollziehbar zu beschreiben. Und so kam es, wie es kommen musste: Baucher wurde fehlinterpretiert, abgeurteilt und verstoßen - und die Folgeversionen seiner Bücher (Version 10-13) wurden nicht mehr ins Deutsche übersetzt.
Dadurch entgingen den Deutschen leider all die wertvollen Gedanken, die Baucher dann in den Folgejahren formulierte, und die erst Nuno Oliveira wieder publik gemacht hat. Baucher geht es in erster Linie um die Herstellung der Balance beim Reiten. Hierbei legt er Schwerpunkte auf die Aufrichtung des Widerristes und die Nachgiebigkeit des Unterkiefers. Aber hierzu später mehr in "Baucher und die Osteopathie". Nun ist endlich die 13. Version von Christian Kristen von Stetten übersetzt worden und auf dem Markt. Klicken Sie auf das Cover, um das Werk zu bestellen:

 

 

 

 

 

Zunächst wollen wir uns seiner Lehre des Feinen Reitens widmen, und die hat kaum ein anderer so gut formuliert, wie der Mann, der diese dargelegt, interpretiert und ausgebaut hat: Jean Claude Racinet. 

Die Grundregeln, die Sie in den folgenden Kapiteln (und wieder Augen Links oben an <== den Rand) sehen werden, werden in der "zweiten Phase" von Baucher beschrieben und in Auszügen wiedergegeben. Im Schwerpunkt basieren sie auf der hauseigenen Übersetzung von Jean Claude Racinets in englischer Sprache erschienenem Buch "Another Horsemanship". 
An dieser Stelle möchten wir uns herzlichst bei Herrn Racinet und seinem amerikanischen Verleger, Herrn Bezugloff, für die Freigabe bedanken. 

Hierbei kann es sich aber nur um Anregungen handeln. Tiefere Erklärungen und den "O-Ton" von Herrn Racinet finden sie in seinem Buch "Feines Reiten in der französischen Tradition der Légèreté", das durch das Buch "Osteopathie beim Pferd" von Dominique Giniaux hervorragend abgerundet wird. Beide Bücher möchten wir Ihnen wärmstens empfehlen.

Osteopathie beim Pferd  Feines Reiten in der französischen Tradition der Légèreté



Neuere Erscheiningen zu Baucher und seinem System aus heutiger Sicht finden Sie auch im letzten Buch von J.C. Racinet:

"Auf dem falschen Fuß: Kritische Betrachtungen zur modernen Dressur"

Dieses Buch bringt Klarheit in das Chaos von Lehrmeinungen und Halbwahrheiten, die die moderne Dressurreiterei durchziehen und die weder als einzelne noch als das System, das sie in ihrer Gesamtheit bilden, jemals hinterfragt werden. Was bedeutet es wirklich, ein Pferd „an die Hand“ heranzutreiben? Ist Versammlung tatsächlich gleichbedeutend mit dem Untertreten der Hinterbeine unter den Schwerpunkt? Jean-Claude Racinet unterzieht diese und andere Fragen unter anatomischen und biomechanischen Gesichtspunkten einer kritischen Analyse: So wird unter anderem das Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln analysiert und rechnerisch nachgewiesen, inwieweit sich der Schwerpunkt beim versammelten Pferd tatsächlich auf die Hinterhand verlagert. Dabei wird vieles als Irrtum entlarvt, was bisher als unumstößliche Wahrheit galt. Dieses Buch gibt Denkanstöße und liefert einen wichtigen Beitrag in der Diskussion um den richtigen Weg der dressurmäßigen Ausbildung.

oder im neuesten Werk von Dr.Robert Studolka:

Das Phänomen Francois Baucher

In einer Zeit, in der auch erfolgreiche Reiter nicht immer dem klassischen Ausbildungsweg folgen, erscheint es angebracht, auch einmal umstrittene Ausbildungsmethoden der „alten Meister“ näher zu beleuchten und zu erörtern, welche ihrer Trainingschritte aus heutiger Sicht interessante Ansätze für die Reitlehre bieten könnten. Durch eine wissenschaftliche Aufarbeitung müsste darüberhinaus geklärt werden, ob für die Anwendung dieser Methoden am Pferd biomechanische Ansatzpunkte bestehen. Im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen sollte darüberhinaus stets die Frage stehen, welchen Wert diese Arbeitsweisen aus Sicht des Tierschutzes haben.
Der Tierarzt und Reiter Dr. Robert Stodulka geht mit dem vorliegenden Buch über François Baucher und seine Ausbildungsmethoden einen wichtigen Schritt in diese Richtung. Daher sei dieses Buch jedem empfohlen, der sich mit der Theorie und Praxis der Ausbildung von Pferden befasst.

Und natürlich wollen wir das Werk nicht vergessen, durch das der Baucherismus in Deutschland wieder in die konstruktive Diskussion kam:

 

"François Baucher: Enfant terrible oder Genie? Neu und umfassend erklärt von Jean Claude Racinet"


Es ist das Verdienst Jean-Claude Racinets, die zum Nachdenken anregenden Erkenntnisse Bauchers, basierend auf eigener, langjähriger Erfahrung als Reitlehrer und Pferdeausbilder der französischen Schule, erstmals in Theorie und Praxis für den heutigen ambitionierten Reiter anschaulich, aber auch kritisch von allen Seiten beleuchtet und aufgearbeitet zu haben. Der 1929 geborene und von 1983 bis zu seinem Tode 2009 in den USA lebende frühere französische Offizier und Profi-Reiter Jean Claude Racinet hat bereits mehrere Fachbücher und zahlreiche Fachartikel für Freunde und Kenner der klassischen Reitkunst geschrieben (unter anderem in L'Information Hippique und in Dressage & Competition.) Er kehrte im Verlaufe seiner reiterlichen Laufbahn der heute praktizierten Art des Reitens in Anlehnung den Rücken. Auf der Suche nach einem anderen Weg stieß er auf Bauchers Lehren von der "Nachgiebigkeit des Unterkiefers" und vom "Vorrang des Gleichgewichts vor der Bewegung".
 

 

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Viel Spaß beim Lesen!

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