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Wo ist der Unterschied zwischen der FN- und der altfranzösischen Reitweise? Da gibt es so einige. Vornehmlich werden immer die Skala der Ausbildung und die Hilfengebung genannt. Tatsächlich ist da aber mehr. Denn vor 50 Jahren war auch noch die Richtlinie der FN stark an Francois Robichon de la Guérinière angelehnt. Nach dem Krieg wurde diese aber der Kommerzialisierung und abnehmenden Kompetenz der Ausbilder angepasst, so dass heute gravierende Ausbildungsfehler in den Prüfungen kaum noch geahndet, spektakuläre Spanntritte aber oft mit guten Noten belohnt werden. Die nichtkommerzielle, an der Reitkunst orientierte altfranzösische Reitweise, wie sie bis Mitte der 60ger Jahre auch noch in Saumur gelehrt wurde, hat es da einfacher: Hier geht es darum, ein Pferd entsprechend seinem Ausbildungsstand so zu fördern, dass es durch das Reiten gesund erhalten wird. Am Ende des Tages werden gut gerittene Pferde - gleich wie sie ausgebildet wurden - aber immer durch Ausdruck und Elegance herausstechen und mit den Jahren bis ca. 15 Jahre immer besser werden und bis ca.25 Jahre oft noch voll nutzbar sein, während Ihre "vergewaltigten" Kollegen bereits mit durchschnittlich 9 Jahre verstarben. Das ist der eigentliche Unterschied: Nämlich das das FN-System pferdeschädliche Ausbildung häufig toleriert - sie zum Teil durch die Inhalte der Dressurlevel und deren Bewertung sogar provoziert. Das möchten wir verändern und fordern eine Rückbesinnung auf die H.D.V. 12 von 1937 . Denn wenn Losgelassenheit und Durchlässigkeit höher bewertet wird als sinnloser Mitteltrab und eine Piaffe unter den Schwerpunkt und nicht hinter ihn tritt, dann lohnt es sich auch wieder für Turnierreiter "richtig" reiten zu lernen. Heute ist das Wissen für das feine Reiten nicht nur ausreichen in Büchern verfügbar, sondern der Nutzen wissenschaftlich bewiesen (Siehe Buch/Internetseiten Empfehlungen Autoren: Studolka und Heuschmann) . In diesem Zug möchten wir auf folgendes Buch hinweisen:
Wo ist der Unterschied zwischen der Légèreté und dem Feinen Reiten? Da gibt es keinen. Légèreté beschreibt die altfranzösische Reitweise, die vornehmlich von Francois Robichon de La Guérinière und François Baucher geprägt wurde. In Deutschland wird Légèreté zunehmend mit Philippe Karl in Verbindung gebracht, während Feines Reiten zu seinem Landsmann Jean Claude Racinet (†25.4.2009) führt. Während P. Karl versucht seine Interpretation der Légèreté durch lizenzierte Reitlehrer zu standardisieren, hat JC Racinet nie einen Hehl daraus gemacht, das jeder seinen Weg zur Légèreté finden soll, und er seinen Weg nur als Anregung sieht. Dabei verbindet JC Racinet die Légèreté zusätzlich mit der Osteopathie und erreicht dabei, dass das blockadefreie Pferd auch erst wirklich fein zu reiten ist und die Flexion des Unterkiefers zu einem Schlüsselelement wird, während bei P. Karl nur die Lockerungsübungen der Vorderhand nach Baucher im Stand durchgeführt werden, nicht aber die Flexion des Unterkiefers in der Bewegung (was bei Massenausbildung sicher auch sinnvoll ist - bei diesem mächtigen Werkzeug).
Ist also Légèreté immer leicht? Nein, die Leichtheit ist das Ziel, das konsequent angestrebt wird. Wenn Sie ein Pferd jedoch von vornherein "leicht" ausbilden, wird das Bild für Zuschauer auch zumeist "leicht" sein. Die Idee ist im Grunde, dem Pferd zu ermöglichen auf feine, leichte Hilfen zu reagieren und nicht mit "Kanonen auf Spatzen zu schießen". Stellen Sie sich doch einmal vor Sie wären auf einem Rockkonzert: Können Sie sich dort "leise" unterhalten? Nein - Sie müssen schreien. Und so ist es auch mit den feinen Hilfen. Zunächst müssen Sie die Umstände dafür schaffen, dass das Pferd die "leisen/leichten" Hilfen auch versteht. Sprich Sie müssen zum Beispiel aufhören mit Ihrem Körper auf dem Pferd herumzuwackeln, oder sich durch das Klammern der Beine und das Ziehen am Zügel auf dem Pferd zu halten. Erst wenn Sie in der Lage sind, differenzierte Hilfen zu geben, kann das Pferd diese auch verstehen. Test: Wenn Sie in der Lage sind, auf einem schnell galoppierenden Pferd im kleinen Kreis ohne Zügel und ohne Knieschluss zu sitzen, sitzen sie so ausbalanciert, dass feine Hilfen erst möglich werden. Und geben sie die Hilfen hintereinander (so wie in einem Satz). Ziehen Sie nicht gleichzeitig am Zügel und geben dem Pferd die Sporen (Bremse, Gas - wer ist stärker?). Wenn Sie nun also grundsätzlich in der Lage sind, feine Hilfen getrennt zu geben, dosieren Sie diese so, das die gewünschte Reaktion eintritt. Sie fangen mit einem leisen/leichten Impuls an und belohnen das Pferd sofort, wenn es wie gewünscht reagiert, indem Sie es loben und die Hilfen aussetzen. Erst wenn Sie etwas verändern möchten (z.B. Takt, Tempo, Biegung etc.) wird wieder eine Hilfe gegeben. Sollte das Pferd nicht reagieren, steigern Sie den Impuls solange, bis die gewünschte Reaktion einsetzt - und hören dann sofort damit auf und loben das Pferd! So beginnt es zu verstehen, was Sie wollen. Nun fahren Sie langsam sie Impulsstärke soweit zurück, dass sie ggf. das Pferd quasi durch Denken (denn unbewusst bewegen Sie sich ganz leicht entsprechend des Gedachten) lenken können. Und jetzt wissen Sie auch, warum eine Lern-Einheit für Reiter und Pferd bei Anfängern in der Regel 30 Min. nicht übersteigt. Denn wer kann sich heutzutage schon so lange auf eine Sache konzentrieren?! Leicht bedeutet also: so leicht, wie es das Pferd gerade versteht und immer mit dem Ziel, die Hilfen beim Verstehen zu minimieren. Wie stark hängt dann von Ihnen ab.
Warum sieht man beim leichten Reiten manchmal so grobe Hilfen? Die sind doch nicht leicht! Stimmt auffallend! Wenn Sie so etwas sehen, handelt es sich zumeist um ein Korrekturpferd, das mit Tonnen auf dem Zügel liegt und/oder durch permanentes Bolzen taub für den Schenkel geworden ist. Hier ist dann der Widerstand des Reiters immer ein klein wenig höher, als der des Pferdes. Und wie zuvor ausgeführt, werden die Hilfen feiner, sobald das Pferd reagiert. In der Regel sollten nach der 2.ten Stunde deutlich feinere Hilfen möglich sein - manchmal versteht das Pferd das schon nach wenigen Minuten. Dann werden Sie den Unterschied zu vorher deutlich sehen können. In Ausnahmefällen sehen Sie auch mal jemanden mit Kraft den Zügel nach oben ziehen, oder mit Schwung den Schenkel in den Bauch pieksen. Dann handelt es sich zumeist um sehr schwere Korrekturpferde, die sich im Maul mit aller Macht sperren oder den der Schenkelgehorsam sehr deutlich abverlangt werden muss, das sich quasi eine Art reaktionäre Hornhaut gebildet hat, durch die die ersten Schenkelhilfen erstmal durchkommen müssen. Diese Mittel sollten aber den Profis überlassen bleiben und auch bei denen sollte nach spätestens der 2. Stunde eine deutlich Besserung eintreten. Otto Normalverbraucher kann auch in längerer Zeit mit dem oben beschriebenen Weg die Leichtheit problemlos erreichen. Und wenn ein Pferd so verkorkst ist, das drastische Mittel notwendig sind, ist zuerst einmal der Reiter zu bekehren.
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