Reiten mit Antje Bandholz
nach den Lehren der Légèreté
Guérinière
I. Das Ablassen vom Einsatz der Hilfen
II. Die Trennung der Hilfen
III. Die Dosierung der Hilfen
IV. Die Optimierung der Hilfen
V. Die Nachgiebigkeit des Unterkiefers
VI. Bauchers Ausbildungskonzept
Guérinière

 

 

 François Robinchon de la Guérinière (* 1688; † 1751) erfand den noch heute gültigen korrekten Sitz des Reiters und gilt als Erfinder des Schulterhereins.

In seinem 1733 erschienen Buch "École de Cavalerie" beschrieb Guérinière als erster eine systematische Ausbildung für das Pferd, die vom Leichten zum Schweren führt, und noch heute als Grundlage für die klassische Reitkunst gilt. Guérinière lehnte jede Gewaltanwendung bei der Ausbildung des Pferdes ab und verlangte, dass jedes Pferd individuell ausgebildet werden müsse, so wie es seine Anlagen erfordern.
Nachdem Guérinière aufgrund finanzieller Probleme seine eigene Reitschule einstellen musste, war er von 1730 bis zu seinem Tod im Marstal von Ludwig dem XV. angestellt. Außerdem leitete er die Reitschule in den Tuilerien und durfte den Titel Écuyer du Roy (Reitmeister des Königs) führen.
Guérinière sah die Ausbildung des Pferdes als eine Vervollkommnung der Natur und wollte damit in einigen Bereichen, wie zum Beispiel dem Galopp, über die natürlichen Bewegungen der Pferde hinausgehen.
Leider reden die meisten nur über ihn, ohne ihn gelesen zu haben.  In seinem Buch "École de Cavalerie"  beschreibt er so ziehmlich alles, was mit Pferden zu tun hat. Zu den Themen Haltung, Fütterung, Zubehör gibt es heutzutage sicher Aktuellers zu kaufen. Der Teil jedoch, der sich mit der Reitweise auseinandersetzt, ist nach wie vor beispielhaft und gibt dem interessierten Reiter viele hilfreiche Anregungen, die wir Ihnen im Folgenden aufzeigen möchten. Etwaige Schreib-, oder Übersetzungsfehler bitten wir zu entschuldigen - Hauptsächlich sind wir eben Reiter, und keine Schriftsteller. 
Und nun viel Spaß beim Lesen!
Sein Leben im Überblick:
·        1666 Guérinère wurde am 8. Mai in Essay als Sohn eines Rechtsanwalts geboren.
·        1705 -1715 besucht er die Academie d'Équitation de la Rue des Canettes in Paris
·        1715 erhält er vom Grand Écuyer des Königs seinen Bestallungsbrief, der ihn zur Gründung einer  Reitakademie und zum Emfang von staatlichen Zuschüssen berechtigt. Er kauft zusammen mit seinem Geschäftspartner Colmenil ein Ballhaus, um eine Reitakademie zu gründen.
·        1717 Eröffnung und schneller Erfolg
·        1718 Heirat mit Marguerite Martine Robin de la Forest
·        1719 Kauf von Kutschen und Gespannen von der Reitakademie in der Rue des Égouts
·        1719 - 1724 ständig finanzielle Probleme 
·        1724 Francois Nicolas Desprez wird neuer Partner
·        1725 finanzielle Schwierigkeiten trotz wachsendem Erfolg der Akademie
·        1729 - 1730 Veröffentlichung des ersten Bandes der École de Cavalerie
·        1730 Ernennung zu Direktor der Manège des Tuileries
·        1731 Veröffentlichung des zweiten Bandes und erweiterte zweite Ausgabe
·        1733 - 1742 Einrichtung der Academie de La Guérinière in der Rue de Tournon 
·        1740 Titel "Écuyer ordinaire du Roy"; Veröffentlichung der "Élements de Cavalerie"
·        1743 Charles de Lorraine-Armagnac, Grand Ecuyer, gestaltet nach Plänen von Guériniere die Manège des Tuileries neu. Guérinère ist in der "Manège de Versailles" von Mai bis Oktober.
·        1751 stirbt er am 2. Juli 
 
Kernbotschaft (zweiter Teil) aus der École de Cavalerie
 
Von der Ausbildung der Pferde nach ihrem verschieden Gebrauch und Bestimmung
 
Erstes Kapitel  Warum es so wenig gute Reiter gibt, und von den
                      notwendigen Eigenschaften, es zu werden
 
Zweites Kapitel  Von den verschiednen Naturen der Pferde. Von der
                        Ursache ihrer Ungelehrigkeit und von den Lastern,
                        die hieraus entspringen
 
Drittes Kapitel  Von den Werkzeugen, die man zur Abrichtung der
                        Pferde benötigt
 
Viertes Kapitel  Von den Kunstwörtern
 
Fünftes Kapitel Von den verschiedenen Bewegungen der Schenkel
                        der Pferde, nach der Verschiedenheit ihrer Gänge
 
Erster Abschnitt
                        Natürliche Gänge: 
                        Der Schnitt
                        Der Trab
                        Der Galopp
  
Zweiter Abschnitt
                        Fehlerhafte Gänge: 
                        Der Paß
                        Der Antritt
                        Der Mittelgalopp
 
Dritter Abschnitt
 
                        Künstliche Gänge: 
                        Niedrige oder Schulen auf der Erde
                        Der spanische Schritt      
                        Der stolze Tritt
                        Die Galoppade
 
                        Die Handwechsel:
                                Die Volte
                                Die Passade
                                Die Piruette
                                Das Terre à Terre
 
                        Erhabene Schulen:
Pesade
Mezair
Coubrette
Croupade
Balotade
Capriole
Schritt und Sprung
 
Sechstes Kapitel       Von dem schönen Sitz des Reiters und was er
                               vorm Aufsteigen zu beachten hat
 
Siebtes Kapitel         Von der Zügelhand und ihren Wirkungen
 
Achtes Kapitel          Von den bei der Abrichtung der Pferde nötigen
                               Hilfen und Strafen
                               Von den Hilfen
                               Von den Strafen
 
Neuntes Kapitel        Von der Notwendigkeit des Trabes, um junge
                                Pferde beweglich zu machen und von dem
                               Nutzen des Schrittes
                       
Zehntes Kapitel        Von der Parade, halben Parade und dem
                               Rückwärtsrichten
                               Von der Parade
                               Von der halben Parade
                               Vom Rückwärtsrichten
Elftes Kapitel           Schulter einwärts
Zwölftes Kapitel       Kruppe an die Mauer
         
Dreizehntes Kapitel   Von dem Nutzen der Pilaren
Vierzehntes Kapitel   Vom spanischen Schritt
Fünfzehntes Kapitel  Von den Wechselungen und vom Dublieren
Sechzehntes Kapitel  Vom Galopp
         
Siebzehntes Kapitel   Von den Volten, halben Volten, Passaden,
                               Piruetten und Terre á terre
 
Erster Abschnitt       Von Volten
Zweiter Abschnitt     Von halben Volten
Dritter Abschnitt      Von Passaden
Vierter Abschnitt      Von der Piruette
Fünfter Abschnitt     Terre á terre
Achtzehntes Kapitel  Erhabene Schulen
Erster Abschnitt       Pesaden
Zweiter Abschnitt     Mezair
Dritter Abschnitt      Cubretten
Vierter Abschnitt      Von der Coupade und Balotade
Fünfter Abschnitt     Von Capriolen und Vom Schritt und Sprung und
                               dem munteren Galopp
  
Die Reitkunst
Zweiter Teil (Kernbotschaft)
Erstes Kapitel
Warum es so wenige gute Reiter gibt und von den notwendigen Eigenschaften, es zu werden
 
Alle Wissenschaften und Künste haben Grundsätze und Regeln, durch welche man Entdeckungen macht, die zu ihrer Vollkommenheit führen.
Nur die Reitkunst allein schein einer bloßen Übung zu bedürfen.
Indessen ist eine von richtigen Grundsätzen entblößte Praxis eine bloß mechanische Ausübung, deren ganzer Nutzen in einer gezwungen und ungewissen Ausübung besteht. Es ist ein falscher Glanz, der Halbkenner blendet, die öfters mehr durch die Zierlichkeit des Pferdes als durch die Geschicklichkeit eines Reiters überrascht werden. Daher kommt nun die geringe Anzahl gut ausgebildeter Pferde und die wenige Geschicklichkeit, die man gegenwärtig bei dem größten Teil derer wahrnimmt, die sich Reiter nennen.
Dieser Mangel an Grundsätzen hat die traurige Folge, dass Anfänger in der Reitkunst nicht im Stande sind, das Fehlerhafte von dem Vollkommenen zu unterscheiden. Sie haben kein anderes Hilfsmittel als die Nachahmung und unglücklicherweise ist es viel leichter, sich einer fehlerhaften Ausübung zuzuwenden als eine gute zu erlangen.
Einige wollen denen nachahmen, die aus einem Pferde alles mögliche schimmernde zu entwickeln sich bemühen und verfallen dadurch in den Fehler, ihre Hand und Schenkel in einer beständigen Bewegung zu haben, dies widerspricht aber dem schönen Anstand eines Reiters, es gibt ihm eine fehlerhafte Stellung zu Pferde, verursacht ihm eine unrichtige Anlehnung von dem Maul des Pferdes und macht ihn in der Hilfe der Schenkel ungewiss.
Andere streben nach jener Pünktlichkeit und Genauigkeit, die sie von denen ausgeübt sehen, welche die feine Kenntnis haben, unter einer großen Anzahl Pferde gerade solche auszuwählen, die von Natur aus mit einem vortrefflichen Maul, starken Hanken, mit Beweglichkeit und mit Schnellkraft versehen sind; Eigenschaften, welche man nur bei sehr wenigen Pferden findet. Die Nachahmer dieser so gesuchten Genauigkeit schwächen dadurch einem guten Pferd den Mut und nehmen ihn alle die Ausstrahlung, mit der es die Natur beschenkt hatte.
Noch andere endlich , die durch den anmaßenden „guten Geschmack“ des Publikums hingerissen werden, dessen Entscheidungen auch nicht immer Orakelsprüche sind, gegen welche die furchtsame Wahrheit sich nicht aufzulehnen wagt, haben nach einer lange anhaltenden Arbeit kein anderen Verdienst, als die schmeichelhafte und schimärische Genugtuung, sich geschickter als andere zu wähnen.
Unsere großen Meister in der Reitkunst (Die Gebrüder du Plessis und de la Vallée) , die in dem glücklichen Zeitalter der Reiterei so großes Aufsehen machten und deren Verlust man noch heutzutage bedauert, haben uns keine Regeln hinterlassen, die uns in den Kenntnissen unterrichten könnten, welche sie sich durch einen unermüdlichen Fleiß erworben hatten, der durch die glücklichen Anlagen unterstützt, durch den Eifer des ganzen Adels unterhalten und durch die Aussicht zu einer mit dem wahren Verdienst unzertrennlichen Belohnung angefeuert wurde.
So schwer es auch ist, den Grad von Vollkommenheit zu erreichen, wozu diese die Reitkunst erhoben haben, so ist jedoch die Ursache des Verfalls einer so edlen Übung nicht so sehr in unserer Nachlässigkeit, als in den wenigen uns übrig gebliebenen Vorbildern zu suchen.
Wir können also nur, da wir diese Vorteile beraubt sind, die Wahrheit in den Grundsätzen derer suchen, die uns die Frucht ihres Fleißes und ihrer Einsichten schriftlich hinterlassen haben.
Nach den einmütigen Urteil aller Kenner aber sind unter der ziemlich beträchtlichen Anzahl Schriftsteller nur zwei, deren Werke wahren Wert haben und diese sind: de la Broue und der Herzog von Newcastle.
De la Broue lebte unter der Regierung Heinrich des Vierten. Sein herausgegebenes Werk ist in Folio und enthält die Regeln seines Lehrers, des Johann Baptiste Pignatel, der als Lehrer der Reitkunst in der Reitschule in Neapel stand und dessen Reitbahn in einem so großen Ruf stand, dass man sie als die vornehmste in der ganzen Welt ansah. Alle, von dem französischen und deutschen Adel, die sich in der Reitkunst vervollkommnen wollten, waren genötigt, bei diesem berühmten Lehrer Unterricht zu nehmen.
Der Herzog von Newcastle sagte: de la Broue hätte seinen Unterricht zu einem so hohen Grad von Vollkommenheit gebracht, dass man in dieser Kunst höchst erfahren sein müsse, um ihn in Ausübung bringen zu können.
Obgleich dieses Lob etwas kritisch ist, so beweist es gleichwohl die Vortrefflichkeit des Schriftstellers.
Der Herzog von Newcastle war ein vornehmer englische Freiherr und Hofmeister Carls des Zweiten. Er hat der Reitkunst dadurch außerordentlich viel Ehre gezeigt, dass er sie sein ganzes Leben durch zu seiner Hauptbeschäftigung machte. Auch hielt man ihn für den geschicktesten Reiter seiner Zeit. Wir haben zwei vortreffliche Werke von ihm. Das eine erschien in französischer Sprache in Folio, es ist in Antwerpen gedruckt und mit Kupfern geziert. Da es aber nur fünfzig Exemplare, die er an verschiedene Prinzen und vornehme Herren verschenkte, abdrucken und die Kupferplatten darauf zerschlagen ließ, so ist dieses Werk so selten geworden, dass man es beinahe nicht mehr finden kann. Das zweite Werk, dass er verfasst hat, ist in Quarto und in englischer ‚Sprache erschienen und durch Herrn Soleyfel, Verfasser des Parfait Maréchal, in das Französische übersetzt worden.
Mehrere Schriftsteller, teils französische, italienische als deutsche, haben noch mehr über die Reitkunst geschrieben. Einige aber haben aus Furcht, etwas zu Überflüssiges zu sagen, die Materie so sehr abgekürzt, dass sie von dem, was sie abhandeln, durchaus keine deutlichen Begriffe geben. Andere entdecken in ihren langweiligen Abhandlungen unter einer ansehnlichen, falsch angebrachten Gelehrsamkeit, die reine Wahrheit, die doch immer der einzige Gegenstand des Lesers ist.
Aus diesem Grunde sind es also nur die beiden soeben angeführten Schriftsteller, die uns als Vorbilder dienen können. Ich habe demnach, in der Absicht ein wohlgeordnetes und auf richtige Grundsätzen beruhendes Werk zu liefern, dasjenige zusammengetragen, was in dem einen und anderen am lehrreichsten ist. Hierdurch wird nun zu gleicher Zeit eine Art von Vergleich zwischen diesen beiden vortrefflichen Männern entstehen, deren Andenken man nicht genug ehren kann.
Für den größten Teil der Leser sind ihre Werke inzwischen doch ein unnützer Schatz, entweder wegen der wenigen Ordnung, die darinnen herrscht, oder wegen der Menge von Wiederholungen, womit sie angefüllt sind. Ähnliche Vorwürfe werde ich, so gut als möglich, durch eine deutliche Entwicklung meiner Gedanken zu vermeiden suchen, die dann auch durch die, diesem Werk beigefügten Kupferstiche noch anschaulicher werden.
Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz achten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, dass dies eines der notwendigsten Stücke ist, zur Vollkommenheit zu gelangen.
Ohne diese Theorie ist die Ausübung immer ungewiss.
 
Ich gebe zu, dass die Übung in einer Kunst, woran der Körper so großen Anteil hat, von der Theorie unzertrennlich sein muss, denn sie lässt uns die Natur, die Anlage und die Kräfte des Pferdes entdecken und hierdurch entwickelt man sein Vermögen, seine Ausstrahlung, die gleichsam in einer Erstarrung seiner Glieder wie begraben lagen. Aber um in dieser Kunst zu einem gewissen Grad von Vollkommenheit zu kommen, muss man notwendig durch eine verständliche gesunde Theorie über die Schwierigkeiten, die mit der Ausübung verbunden sind, gehörig vorbereitet sein.
Die Theorie lehrt uns, nach richtigen Grundsätzen zu arbeiten und diese Grundsätze müssen dazu dienen sie durch Kunst zu vervollkommnen, statt der Natur entgegenzustehen.
Durch die Ausübung erhalten wir in der Anwendung der theoretischen Grundsätze eine Fertigkeit. Und um diese Fertigkeit zu erlangen, muss man die Pferde lieben, stark, behände und beherzt sein und viel Geduld haben. Diese sind die vornehmsten Eigenschaften, welche zu einem guten Reiter erfordert werden.
Es gibt wenige Menschen, die keine Liebe zu Pferden haben. Diese Neigung ist sicherlich darin begründet, das dieses Tier uns so manigfache Hilfe leistet. Und der Mensch , der nicht so empfindet erfährt Erlebnisse, die ihn umstimmen, oder er beraubt sich der Hilfe, die er von dem Pferde zu ziehen hoffte.
Wenn ich sage, dass ein Reiter stark und herzhaft sein müsse, so verlange ich nicht, dass dieses jene gewaltsame Stärke und Tollkühnheit sein soll, womit einige Reiter sich brüsten und wodurch sie so viele Gefahren ausstehen, die ein Pferd zur Verzweiflung bringen und es in einer beständigen Furcht erhalten. Ich verstehe hierdurch eine mit Gewandtheit verbundene Stärke, die ein Pferd für die Hilfe und Strafe des Reiters in Gehorsam und Furcht erhält, wo Ungezwungenheit, Gleichgewicht und ein schöner Anstand, welches das Eigentum eines schönen Reiters sein müssen, und die den Weg zur Kunst bahnen, beibehalten wird.
Die Schwierigkeit, diese Eigenschaften zu erlangen und die beträchtliche Zeit, welche erfordert wird, um in dieser Kunst zu einer Vollkommenheit zu gelangen, ist die Ursache, warum viele, die sich als Wissende sehen, denken, dass die Reitbahn zu nichts tauge, dass sie die Pferde verderbe und zu Grunde richte, dass sie zu nichts diene, als sie Springen und Tanzen zu lehren, welches sie folglich zum gewöhnlichen Gebrauch unnütz mache.
Dieses irrige Vorurteil verursacht, dass eine Menge von Leuten eine so edle und nützliche Kunst vernachlässigen, die doch nur den einzigen Endzweck hat, die Pferde beweglich, folgsam und gehorsam zu machen und die auf die Hanken zu setzt, ohne welches ein Pferd – seien es Soldaten-, Jagd- oder Schulpferde- in seinen Bewegungen weder angenehm noch für den Reiter bequem sein kann. Das Urteil derer, die eine solche Rede führen, ist also ohne Grund und es würde unnötig sein, Meinungen zu bestreiten, sie sich hinlänglich selbst widerlegen.
 
Zweites Kapitel
Von den verschiedenen Naturen der Pferde, von der Ursache ihrer Ungelehrigkeit und den Lastern, die hieraus entspringen.
Die Kenntnis über die Natur eines Pferdes ist eines der ersten Kapitel der Reitkunst, worüber jeder Reiter bescheid wissen sollte. Diese Kenntnis erlangt man durch Zeit und Erfahrung. Sie lehrt uns die guten und schlechten Eigenschaften eines Pferdes zu verstehen.
Wenn der Körperbau des Pferdes gut ist, er sich mit Geschmeidigkeit und Stärke vereinigt und man dabei bei so einem Pferde Mut, Gelehrigkeit und Folgsamkeit findet, so lassen sich bei diesen guten Eigenschaften die wahren Grundsätze der Reitkunst leicht umsetzen. Ist aber die Natur widerspenstig und ist man nicht im Stande, die Ursache, woraus diese Widersetzlichkeit entsteht, zu entdecken, so läuft man Gefahr, Mittel anzuwenden, die eher dazu dienen, neue Probleme hervorzubringen, als diejenigen zu verbessern, die man zu kennen glaubt.
Der Mangel an Folgsamkeit bei Pferden hat für gewöhnlich zwei Ursachen: Entweder es sind äußerliche oder innerliche Fehler.
Unter äußerlichen Fehlern versteht man Schwäche der Glieder, sie befinde sich im Rücken, an den Hanken, in den Knien, an den Schenkeln oder an dem Gesicht. Da ich alle diese Fehler in dem ersten Teil weitläufig untersucht habe, so werde ich sie hier nicht wiederholen.
Die innerlichen Fehler, welche eigentlich den Charakter eines Pferdes bilden, sind die Furchtsamkeit, Schlaffheit, Faulheit, Ungeduld, der Zorn, die Bosheit, welchen man noch üble Angewohnheiten hinzufügen kann.
Furchtsame Pferde sind diejenigen, welche in einer beständigen Furcht vor den Hilfen und Strafen sind. Diese natürliche Furchtsamkeit bringt nichts als einen ungewissen, unterbrochenen, weichlichen und langsamen Gehorsam hervor und wenn man diese Art Pferde zu viel schlägt, so werden sie ganz scheu.
Die Schlaffheit ist ein Fehler, welcher ein Pferd zaghaft und mutlos macht. Mann nennt diese Art Pferde gewöhnlich Schindmähren. Diese Schlaffheit macht ein Pferd gänzlich verächtlich und unfähig zu einem dreisten und frischen Gehorsam.
Die Faulheit ist ein Fehler der melancholischen, schläfrigen und, um mich des Ausdrucks zu bedienen, dummen Pferde. Mann findet aber doch einige unter ihnen, deren Stärke in einer Steifigkeit ihrer Glieder wie erstarrt liegt und die, durch zu rechter Zeit angebrachte Züchtigungen aufgeweckt, rechtschaffene Pferde werden können.
Die Ungeduld wird durch zu viel natürliche Empfindsamkeit des Pferdes hervorgerufen; sie macht es voller Hitze, kühn, eifrig und unruhig. Es ist schwer, diese Art Pferde einen geregelten und gelassenen Gang zu geben, weil ihre zu große Unruhe sie in einer beständigen Bewegung und den Reiter in einem unbequemen Sitz erhält.
Zornige Pferde sind diejenigen, welche sich den geringsten Strafen widersetzen und rachgierig sind. Diese Pferde müssen mit mehr Behutsamkeit behandelt werden als die übrigen, sind sie indessen bei diesem Fehler mutig, dreist und versteht man sie gehörig zu behandeln, so zieht man mehr Vorteile von ihnen als von den Boshaften und Zaghaften.
Die Bosheit bringt einen anderen angeborenen Fehler zuwege. Pferde, die diesen Fehler an sich haben, halten ihre Kräfte aus bloßer Bösartigkeit zurück und tun alles mit Widerwillen. Es gibt einigen die sich geben, als ob sie gehorsam wären, sie tun es aber nur, um den Strafen zu entgehen und sobald sie wieder ein wenig Kraft und Atem gesammelt haben, so wehren sie sich wieder aufs neue.
Die bösen Angewohnheiten, die einige Pferde annehmen, entstehen nicht immer aus inneren Fehlern, öfters ist es die Schuld derer, die sie anfänglich schlecht geritten haben und sind böse Angewohnheiten einmal eingewurzelt, so sind sie weit schwerer zu verbessern als eine natürliche böse Anlage.
Die verschiedenen soeben beschriebenen Laster sind die Quelle von fünf wesentlichen Fehlern, die von gefährlichen Folgen sind, nämlich: ein Pferd ist scheu oder falsch, reagiert verhalten auf die Hilfen oder verweigert den Sporengehorsam, oder es widersetzt sich aus Schwäche oder Steifigkeit.
Ein scheues Pferd fürchtet sich beinahe vor jeden Gegenstand und will sich im nicht nähern. Diese Furcht, welche oft aus einer natürlichen Zaghaftigkeit entspringt, kann auch durch einen Fehler des Auges verursacht werden, wodurch dem Pferd die Gegenstände anders erscheinen, als sie sind. Oft auch ist das Pferd zu viel geschlagen worden und aus Furcht vor Schlägen verliert es Mut und Standhaftigkeit. Es gibt andere Pferde, denen, wenn sie zu lange im Stall gestanden haben und das erste Mal wieder herauskommen, alles Furcht verursacht und sie in Schrecken setzt. Diese Angst aber, wenn sie von keiner anderen Ursache kommt, dauert nicht lange an, wenn man das Pferd nur nicht schlägt und es mit Geduld an seine Ängste heranführt.
Ein falsches Pferd, das durch Schläge zu dem Grade an Bosheit gebracht worden ist, dass es beißt, schlägt und die Menschen hasst, haben meist die Natur der zornigen und rachgierigen Pferden, die zur unrechten Zeit geschlagen worden sind. Denn die Unwissenheit und üble Laune mancher Reiter macht mehr falsche Pferde als die Natur.
Ein Pferd das verhalten auf die Hilfen des Reiters reagiert hält seine Kräfte aus bloßer Bosheit zurücke, es will keiner Hilfe gehorchen, weder zum Vorwärts - noch Rückwärtsgehen oder zum Wenden. Einige Pferde sind durch zu viele Schläge und zu großen Zwang verhalten geworden, andere durch zu viele Nachlässigkeit des Reiters, der sich vor ihnen gefürchtet hat. Kitzlige Pferde, die ihre Kräfte zurückhalten, sind zu diesem letzten Fehler geneigt.
Ein Pferd das keinen gehorsam auf den Sporen zeigt, ist dasjenige, welches sich gegen die Sporen wehrt, sich dagegen widersetzt und anstatt der Hilfe zu gehorchen und vorwärts zu gehen, auf einer Stelle stehen bleibt, hinten ausschlägt, zurückgeht oder in die Höhe steigt. Widersetzt sich ein Pferd aus Zaghaftigkeit, so ist es ein Zeichen einer Schindmähre und wenn es noch so große und rasende Sprünge macht, so geschieht dieses mehr aus Bosheit als aus Kräften.
Öfters widersetzen sich auch Pferde dem Wenden mehr aus Unwissenheit und Mangel an Geschmeidigkeit, als aus Bosheit (cheval entier). Es gibt Pferde, die sich dem Wenden auf einer Hand widersetzen, obgleich sie anfänglich auf derselben biegsam und gehorsam schienen, weil man sie zu früh hat zwingen wollen und von einer Schule zu geschwind zu der anderen übergegangen ist. Ein Zufall, der an dem Gesicht oder an einem anderen Teil des Leibes entsteht, kann bei einem Pferd denselbigen Fehler erzeugen und es sogar verhalten machen. Die Widersetzlichkeit eines Pferdes, das aus Dummheit oder aus Steifigkeit nicht wenden will, unterscheidet sich von der Verhaltenen Steifigkeit dadurch, dass im letzteren Fall das Pferd aus Bosheit sich nicht wenden will, obgleich es kann. Im ersteren aber wendet es nicht, weil es entweder aus Steifigkeit nicht kann oder noch zu dumm ist.
Entstehen die soeben geschriebenen Fehler aus Mangel an Herzhaftigkeit und aus Schwäche des Pferdes, so lässt sich dies schwer durch die Kunst ersetzen, da alsdann die Natur des Pferdes mangelhaft ist und dasselbe von Grund aus nichts taugt.
Der Ursprung des größten Teils der Widersetzlichkeit bei Pferden liegt nicht immer in ihrer Natur. Man verlangt öfters Dinge von ihnen, die sie noch nicht zu leisten fähig sind, man strengt sie zu sehr an und will sie zu geschickt machen. Dieser große Zwang mach ihnen die Arbeit verhasst, er ermüdet und verdirbt ihnen die Sehnen und Nerven, deren Federkräfte doch die Biegsamkeit bewirken, und oft sind sie zu Grunde gerichtet, wenn man gerade glaubt, sie wohl zugeritten zu haben. Sie gehorchen alsdann, weil ihnen die Kräfte zum Widersetzen fehlen, aber auf eine ausdruckslose Art.
Noch aus einer weiteren Ursache entsteht dieser Fehler. Man reitet Pferde zu jung an. Die Arbeit, die man von ihnen verlangt, übersteigt das Maß ihrer Kräfte und da sie sich noch nicht hinlänglich entwickelt haben, um dem Zwang zu widerstehen, den sie erleiden müssen, bevor sie abgerichtet sind, so schädigt man Ihnen den Rücken, schwächt ihnen die Hanken und verdirbt sie auf immer. Das wahre Alter, ein Pferd abzurichten, ist zufolge des Klimas, unter welchem es geboren ist, sechs, sieben bis acht Jahre.
Die Widersetzlichkeit und Ungelehrigkeit, welche vorzüglich jungen Pferden so natürlich sind, entspringen auch ferner aus dem Gefühl der Freiheit, mit welcher sie in den Gestüten herumzulaufen und ihren Müttern zu folgen gewohnt waren.
Ungern unterwerfen sie sich am Anfange der Ausbildung dem Menschen, der sich die Kontrolle, die er über sie zu haben vorgibt, zu Nutzen macht und sie zu weit ausdehnt. Zumal es kein Tier gibt, dass sich der ersten, zur unrechten Zeit empfangenen Strafe lebhafter erinnert als das Pferd.
Man hatte eigene Personen, deren Aufgabe es war, Fohlen und Jungpferde in ihrem wilden Zustand, wenn sie von der Weide kamen, zu schulen.(Cavalcadours de Bardelle) Es wurden dazu solche Menschen ausgewählt, die sich durch besondere Geduld, Geschicklichkeit, Dreistigkeit und Fleiß auszeichneten. Sie gewöhnten die junge Pferde daran zu ertragen, dass man sich ihnen im Stall nähert, dass sie sich die vier Füße anheben ließen, dass man sie mit der Hand berührte, dass sie den Zaum, Sattel, Schwanzriemen und die Longe ertrugen und sie machten sie sicher und gelassen beim Aufsteigen. Niemals aber wendeten die hierbei Strenge und Gewalt an. Durch diese Geduld machten sie ein junges Pferd vertraut und freundschaftlich mit den Menschen, erhielten ihm seine Kräfte und seinen Mut , machten es fromm und dem ersten Unterricht gehorsam. Würde man diesem Vorbild nachahmen, so würde man weniger lahme, verdorbene, widerspenstige und falsch Pferde sehen.
 
Drittes Kapitel
Von der Ausrüstung, deren man sich beim Zureiten der Pferde bedient 
Die hauptsächliche Ausrüstung, derer man sich bei der Ausbildung der Pferde bedient, sind außer dem Zaum und dem Sattel, die lederne Peitsche, die Gerte, die Sporen, die Blendklappen, die Schweifscheide, die Longe, der Stoßzügel, des Stachel, die Pilarenhalfter, der Kapzaum, die Trense und das Trensengebiss mit Bäumen.
Die lederne Peitsche (Chambrière) ist insgesamt fünf bis sechs Schuhe lang. Der lederne Schlag ist an einem ungefähr vier Schuh langem und ausreichend dicken Stock befestigt . Man bedient sich dieses Werkzeuges zum Aufmuntern und Vortrieben des Pferdes, wenn es nachlässig wird oder zurück bleibt, und um dasjenige zu züchtigen, welches vorwärts zu gehen sich weigert. Noch einen großen Nutzen hat die Peitsche bei einem Pferd, dass man zwischen den Pilaren arbeitet. Jedoch muss man sie zur rechten Zeit nutzen. Wenn die Peitsche mit einem Knoten versehen ist, sollte man sie von einer guten Reitbahnen verbannen. Es kann sein das der Schlag mit einer so hergerichteten Peitsche Verletzungen an Bauch und Hinterhand zur Folge haben kann. Ab und an ist man indessen doch genötigt, die Hilfe einer sollchen Peitsche zu nehmen, um ein Pferd, das eine unempfindliche Haut hat, empfindlich zu machen und ihm Furcht vor der Strafe beizubringen.
Die Gerte ist eine Birkenrute, und wird von dem Reiter in der rechten Hand gehalten. Sie darf nicht länger als ungefähr viertehalb Schuhe lang sein, weil, wenn sie länger wäre, würde ihre Mitte an der Schultern des Pferdes anschlagen und nicht ihre Spitze, so wie es vorgesehen ist. Sie gibt dem Reiter, welcher sich ihrer zu bedienen weiß, vielen Anstand, auch stellt sie die Art und Weise vor, wie der Reiter den Degen zu Pferde halten muss.
Der Sporn ist ein aus drei Armen zusammengesetztes Stück Eisen, wovon zwei die Ferse umgeben. Der dritte hinten am Absatz zu einem verlängerten Hals in Richtung Pferdeleib weist. .Am Ende des Halses befindet sich ein sternähnliches sogenanntes Rädchen, das fünf bis sechs Spitzen haben muss, um das Pferd damit zu stechen. Die Spitzen des Rädchens dürfen aber nicht rund und abgestumpft sein, damit sei keine Narben an dem bauch verursachen; doch eben so wenig dürfen sie auch zu spitz sein, weil dieses ein Pferd von sehr empfindlicher Haut allzu sehr aufbringen würde. Der Spornhals muss eine gewisse läng aufweisen, denn sonst würde das Pferd die ‚Wirkung des Rädchens nicht so stark fühlen und der Reiter wäre genötigt, eine zu große Bewegung mit dem Schenkel zu machen, um den Bauch des Pferdes zu erreichen.
Die Longe ist ein langes, eine kleinen Finger dickes Seil, an dessen Ende eine Schnalle an ein Leder befestigt ist, womit es in den mittleren Ring des Kapzaumes eingeschnallt wird. Dieses Werkzeug ist vortrefflich, um junge Pferde durch Hilfe der ledernen Peitsche das Traben in einem Zirkel zu lehren. Auch ist es nützlich bei Pferden, die sich verhalten oder die keinen gehorsam gegenüber dem Sporn zeigen. Dieses werde ich an einer anderen Stelle noch vertiefen.
Der Stoßzügel ist ein lederner Riemen, der mit dem einen Ende an den Sattelgurt und mit dem anderen an das Nasenband des Kopfstückes befestigt wird. Es läuft dann zwischen den beiden Vorderbeinen längs der Brust hinauf. Einige Reiter behaupten, dass man durch den Gebrauch dieses Werkzeuges das in die Hand stoßen und Kopfschlagen eines Pferdes verhüten könnte. Es ist aber ein großer Irrtum, denn anstatt den Fehler zu verbessern, bestärkt man die Pferde darin und man sollte diese Erfindung von guten Reitbahnen verbannen.
Der Stachel besteht aus einem hölzernen sieben bis acht Zoll langen Stiel, an dessen Ende sich einen Spitze befindet. Das eine Ende des Stachels hält man in der rechten flachen hand und drückt, um das Pferd zum Ausschlagen zu bringen, mit der Spitze auf dessen Kreuz. Ich billige dieses Werkzeug nicht, zum einen ist die Haltung des Reiters sehr unschön und zum anderen kann ein zu stumpfer Stachel keine Wirkung zeigen und ein zu spitzer Stachel verletzt die Kruppe stark und hinterlässt hässliche Narben. Ich ziehe die Erfindung des Herrn de la Brone vor, welches eine Art von hohen Spornhals ist, mit einem Rädchen, den man an das Ende einer ungefähr zwei Schule langen Rute befestigt, so, dass man sich seiner mit einer abwärts gehaltenen Rute bedient kann. Der Reiter kann dann seinem Pferde mit mehr Zierlichkeit und Leichtigkeit helfen und läuft nicht Gefahr die Kruppe blutig zu hinterlassen.
Die Blendklappen bestehen aus einem Stück Leder, das an das Kopfstück angebracht wurde um ein nach hinten schauen des Pferdes zu verhindern. Mann benutzt sie bei einem Pferde, das nicht zulässt wenn der Reiter aufsitzen will, wenn es versucht nach ihm zu beißen oder mit den Vorderfüßen zu schlagen.
Die Schweifscheide ist ein ledernes, einen starken Schuh langes Werkzeug, dessen man sich zum Einwickeln des Schweifes eines Springers bedient. Sie schließt sich mittels mehrerer kleiner Haken, durch welche man einen Riemen zieht und wird am unteren Ende des Schwanzriemens durch kleine Schnallen befestigt. Von dem unteren Teil gehen zwei ledernen Riemen längs der Flanken, die an den Sattelstrupfen befestigt werden und den Schweif in seiner Lage halten. Durch die Schweifscheide wirkt ein Pferd breiter von der Kruppe, sie gibt ihm im springen mehr Ausdruck und verhindert auch, dass der Schweif den Reiter in die Augen kommt.
Die Pilaren sind zwei in die Reitbahn stehende, fünf Fuß von einander entfernte und sechs Fuß außerhalb der Erde stehende runde hölzerne Pfeiler. In jeden Pilaren macht man Löcher in gewisser Entfernung voneinander, um Pferde unterschiedlicher Größe darin arbeiten zu können. Die Pilaren haben den Nutzen, dass man durch ihren Gebrauch einem Pferd Furcht vor der Peitsche beibringt, dass man es anfeuert, dass man es piaffieren und sein Vorderteil zu heben lehrt. Auch bedient man sich gemeiniglich der Pilaren auf Reitschulen, um die zum Springen bestimmten Pferde hinein zu tun.
Die Pilarenhalfter ( Cavecocn de Cuir) ist eine Art Kopfstück, das aus dickem, breiten Leder gefertigt und um den Kopf des Pferdes festgeschnallt wird. An den beiden Seiten des Halfters, nahe der Nase, sind zwei Seile angebracht, um es in den Pilaren fest zu binden. Das Genickstück muss gepolstert sein, damit sich ein Pferd dort nicht verwundet, so wie auch der Teil des Nasenriemes gepolstert sein muss, damit es nicht zu Verletzungen kommt
Der Kapzaum besteht aus einem bogenförmigen Stück Eisen, das mit drei Ringen versehen ist und mit einem Ledergestell inklusive Ganaschenriemen versehen ist. Man unterscheidet zwischen einem hohlem Eisen das eine U-Form aufweist, dessen kannten auf dem Nasenrücken aufliegen und eine Zahnung zeigen und einem flachen Eisen, dass sich der Form des Nasenrückens angleicht. Die flachen sind die besten, denn die scharfen, welche in der Mitte hohl und an den Seiten gezähnt sind, verwunden das Pferd, wenn man sie nicht anders mit Leder überzieht. Der Kapzaum muss einen Finger breit über dem Auge der Stange liegen, damit es weder der Wirkung des Mundstückes noch der Kinnkette hinderlich ist.
De la Broue und nach ihm der Herzog von Newcastle eigenen dem Kapzaum so große Vorzüge zu, dass ich mich verbunden halte, dasjenige hier anzuführen, was der eine und der andere hiervon gesagt hat:
De la Boue sagt :
„ Der Kapzaum sei erfunden, um das Pferd zu verhalten, in die Höhe zu richten, leicht zu machen, das Wenden und Parieren zu lehren, ihm den Kopf und die Kruppe stäte zu stellen, ohne das Maul und das Kinn des Pferdes zu verletzen, so wie auch die Schultern , die Vorderschenkel und Füße zu erleichtern und denjenigen Fehlern abzuhelfen, welche abgerichtete Pferde begehen, wenn sie auf der Reitbahn in Unordnung kommen, weil der innere Teil des Mauls, wo die vornehmste Anlehnung des Mundstückes ist, viel empfindlicher ist, als der Ort der Nase, wo der Kapzaum aufliegt, und indem man den Kapzaum wieder wegnimmt, das Pferd aufmerksamer auf die Wirkung der Stange und folglich leichter werde.
Die Meinung des Herzogs von Newcastle ist :
„ Der Kapzaum dient zum Verhalten, in die Höhe richten und Leichtwerden des Pferdes, es wenden und parieren lehren, den Hals biegsam machen, ihm Anlehnung zu verschaffen, den Kopf und die Kruppe stäte zu stellen, das Maul, die Laden und den Ort, wo die Kinnkette liegt, gesund und unverdorben zu erhalten, die Schultern und Schenkel biegsam und beweglich zu machen. Ein Pferd wird hernach, wenn man ihm den Kapzaum abtut, besser gehen und auf alle Bewegungen der Hand Aufmerksamkeit bezeigen. Man muss indessen nicht alles mit dem Kapzaum berichten wollen, sondern die Zügelhand muss vor dem Kapzaum arbeiten, denn dieses ist bloß eine Hilfe für den Zaum.
Der inwendige an den Sattelkopf befestigte Kapzaumzügel gibt dem Pferd einen schönen Bug und verschafft ihm eine sichere und vollständige Anlehnung in die Hand, er macht es stäte auf den Hanken, vorzüglich einem Pferd, welches sich in die Hand legt oder die Nase wegstreckt, weil er es verhindert, sich auf das Mundstück zu legen.
Wenn der Kapzaum durch aus gleichförmig auf die Hälfte der Nase drückt, so hat man mehr Vorteil, dem Pferd eine stärkere Biegung zu geben und es wenden zu lassen, welches zugleich auf die Schultern wirkt.
Ein ohne Kapzaum abgerichtetes Pferd wird niemals die angenehmste Anlehnung haben, die gute Pferde haben müssen und die gleichförmig, stäte und leicht sind..
Die Bäume der Stange sind in ihrer Wirkung viel langsamer und so niedrig, dass nicht Raum genug übrig bleibt, um sie so wie des Kapzaum anziehen zu können. Nur mit großer Mühe kann die Stange die Spitze der Nase herbeiziehen.
Der Kapzaum und die Stange sind in ihren Wirkungen, wegen der Verschiedenheit, die zwischen dem Maul und der Nase sich befindet, sehr unterschiedlich. Wenn man den Kapzaum mit aufwärts gedrehten Nägeln in die Höhe zieht, so stellt dieses den Kopf des Pferdes höher. Zieht man die Stange mit aufwärts gedrehten Nägeln an, so bringt dieses die Nase des Pferdes herunter, und das umso mehr, wenn man die Hand tief hält.
Arbeitet man mit der Stange allein, so kann man sich leicht selbst betrügen, wenn man anders nicht sehr erfahren in den unterschiedlichen Wirkungen der verschiedenen Bewegungen der Zügelhand ist. Man müsste sich also selbst täuschen wollen, wenn man einen so kurzen und sicheren Weg nicht ergriffe, wie der des Kapzaums ist, wenn dessen innerer Zügel an dem Sattelknopf gebunden und von dem Zaum unterstützt wird.
Nach dem Urteil, welches diese beiden großen Meister über die Vorteil und Wirkungen des Kapzaumes fällen. Würde es vermessen sein, einer so achtungswerten Entscheidung nicht zu folgen. Die einzige Anmerkung, die ich hierzu machen möchte ist:
dass ich den Kapzaum in den Händen eines Reiters, der damit umzugehen vermag ganz vortrefflich finde. Zugleich aber glaube ich , dass es gefährlich ist, ihn Schülern zu geben die damit nicht umzugehen wissen. Die Erfahrung zeigt, dass es schnell passieren kann eine unstete und Harte Hand zu bekommen, welches durch die höhere Kraft, die man anwendet, um den Kapzaum wirksam zu machen, hervorgerufen wird.
Die Trense ist ein Gebiss mit einem Hauptgestell ohne Nasenband. Dieses Gebiss ist dünn vom Eisen und hat in der Mitte, zuweilen auch an mehreren Orten ein Gelenk. Die Trense ist nichts anderes als eine Nachahmung der ersten Stangen, deren man sich zum Reiten der Pferde bediente und die aus einem einfachen Mundstück ohne Bäume und Kinnkette bestanden.
Man hat zweierlei Arten von Trensen: die eine Art, deren Mundstück sehr dünn ist, wird mit der Kandare zugleich dem Pferd angelegt und wird zu Verfeinerung eingesetzt.(Unterlegtrense).
Die andere Art Trense ist diejenige, deren man sich zum Zureitern junger Pferde bedient. Das Gebiss daran ist dicker und an seinen beiden Enden sind kleine runde eiserne Stangen angebracht, welche verhindern, dass sich die Trense bei dem Anziehen eines der beiden Zügel nicht auf der einen oder anderen Seite des Mauls durchziehen ( Schul- oder Schenkeltrense).
Der Herzog von Newcastle drückt sich über die Wirkungen der Trense folgendermaßen aus :
„ Die Trense liegt nur auf den Lefzen und kaum auf den Laden auf, das Kinn wird vollkommen geschont. Sie ist gut, um solche Pferde aufzurichten, die sich auf die Hand legen, die tief gehen und sich widersetzen. Man kann ein Pferd zwingen, wenn man die beiden Trensenzügel einer nach dem anderen stark und mehrmals hintereinander anzieht, gleichsam als wollte man ihm das Maul sägen. Die Trense ist auch gut zum Zureiten eines jungen Pferdes, es das Wenden im Schritt und Trab und das Stillhalten zu lehren. Der Zwang des Zaumes kann es veranlassen, sich zu widersetzen, da die Trense das Pferd geschickt macht, dem Zaum besser zu gehorchen. Man muss die Nägel abwärts halten, die Hände und die Arme vorwärts führen. Die Trense ist nicht gut für diejenigen Pferde, welche keine Anlehnung haben oder mit dem Kopf schlagen, denn so wie durch ihren Gebrauch Pferde, die zuviel Anlehnung haben und auf die Faust drängen, verbessert werden können, so verdirbt man durch sie solche, die zu wenig Anlehnung haben.
Das Trensengebiss mit Bäumen (Filet) ist eine Art Mundstück, das mit einem Hauptgestell ohne Nasenband, mit einer Kinnkette und mit Bäumen ohne Schaumkettr versehen ist. Man bedient sich dieses Mundstückes bei Kutschpferden und anderen Pferden, wenn sie gestriegelt oder in das Wasser geführt werden.
Die Engländer, die auf das, was Pferdegeräte betrifft, aufmerksamer als jede andere Nation sind, haben ein Trensengebiss von einer ganz besonderen Einrichtung erfunden. Es dient vermittelst zwei Paar Zügel zu gleicher Zeit als Trense und als Stange. Ein Paar Zügel sind untern an den Bäumen wie an gewöhnlichen Stangen befestigt, das andere Paar aber ist an die Sehelöcher des Mundstückes befestigt. Bedient man sich nun der letzteren Zügel, so wirkt die Kinnkette nicht mehr, sondern das Mundstück bringt nur die Wirkung einer Trense hervor.
 
Von den Kunstwörtern
Nichts trägt mehr zur Kenntnis einer Kunst oder Wissenschaft bei als wenn man die ihr eigenen Kunstwörter versteht. Die Reitkunst hat ihre ganz besonderen und deswegen habe ich gesucht, eine deutliche und genaue Erklärung davon zu geben.
Die Reitschule, Reitbahn (Manége) bedeutet den Ort, wo man die Pferde übt. Man hat bedeckte und offene oder unbedeckte Reitbahnen. Eine schöne bedeckte Reitbahn muss 35 bis 36 Schuhe breit und dreimal ihre Breite lang sein. Eine unbedeckte Reitbahn kann breiter und länger sein, je nachdem der Boden ist, den man hierzu zu verwenden hat. Sie wird mit einem Geländer umgeben.*)
 Stellung (Air) bedeutet den schönen Anstand oder die gehörige Haltung des Kopfes und Halses, die das Pferd in seinen verschiedenen Gängen beibehalten muss. *)
*) Auch dieses Wort hat bei den Franzosen eine doppelte Bedeutung. Es begreift zugleich darunter die ganz eigentümliche Kadenz jeder Bewegung, die das Pferd in jedem, es sei natürlichem oder künstlichem, Gang macht.
Hufschlag, Fußtritt (piste) bedeutet den Weg, den ein Pferd im Gange mit seinen vier Füßen beschreibt. Ein Pferd geht auf einem oder auf zwei Hufschlägen, auf eine Hufschlag geht es, wenn es auf einer geraden Linie fortgeht und die Hinterfüße auf derselbigen Linie den Vorderfüßen im Gehen folgen: es geht auf zwei Hufschlägen, wenn es zur Seite geht, die Hinterfüße beschreiben alsdann eine andere Linie als die Vorderfüße und dies ist es, was man dem Schenkel weichen nennt (Fuir les talons).
Hilfen (aides) sind die Mittel, deren sich der Reiter bedient, um sein Pferd in gang zu bringen und ihm zu helfen. Diese Mittel bestehen in verschiedenen Bewegungen der Hand und der Schenkel.
Feine Hilfen. Man sagt von einem Reiter, dass er feine Hilfen geben, wenn seine Bewegungen wenig sichtbar sind und w3nnes bei der Erhaltung des gehörigen Gleichgewichtes seinem Pferde mit Geschicklichkeit, Ungezwungenheit und mit Zierlichkeit hilft. Man nennt dies auch verborgene Hilfen. (aides secrettes). Man sagt ferner von einem Pferde, dass es feiner Hilfen bedürfe, wenn es schnell und mit Leichtigkeit der geringsten Bewegung der Hand und der Schenkel des Reiters gehorcht.
Die Hand nachgeben (rendre la main) ist die Bewegung, die man durch das Tieferstellen der Zügelhand macht, entweder um dem Pferd das Gefühl zu mindern oder ganz zu benehmen. Man muss bemerken, dass durch die Zügelhand immer die linke Hand des Reiters verstanden wird, denn ob man gleich zuweilen der rechten Hand sich bedient, um den rechten Zügel anzuziehen, so ist doch dies alsdann nur eine Hilfe für die linke Hans, die immer die Zügelhand bleibt.
Die Hand feste halten (s’attacher à la main) bedeutet einen Reiter, der eine harte Hand hat und sie fester hält als er soll. Es ist dieses der größte Fehler, den man nur zu Pferde haben kann, denn durch diese Härte der Hand wird das Maul eines Pferdes verdorben, es wird zum Steigen gewöhnt und in Gefahr gesetzt, überzuschlagen, ein sehr trauriger Zufall, der zuweilen den Tod des Reiters zur Folge hat , wie es sich schon mehrmals zugetragen hat.
In die Hand drücken, ziehen (tirer à la main). Dieser Fehler hat auf das Pferd Beziehung, wenn dessen Maul gegen des Reiters Hand hart wird und entweder aus Dummheit oder aus Ungehorsam die Nase in die Höhe streckt und in die Hand drückt.
Sich in die Hand legen (peser à la main) ist wenn sich das Pferd mit dem kopf auf das Mundstück lehnt und in der Zügelhand so schwer wird, dass man gleichsam den Kopf des Pferdes zu tragen genötigt ist.
In die Hand stoßen, mit dem Kopf schlagen ist der Fehler derjenigen Pferde, die ihren Kopf nicht stete halten und keine gehörige Anlehnung haben und die, um dem Zwang des Mundstückes zu vermeiden, den Zaum schütteln und mit dem Kopf schlagen ( battre à la main).
Noch eine sehr unangenehme Bewegung, die gewisse Pferde machen, ist die, wenn sie das Maul aufsperren und in einem fort den unteren Kinnbacken von der linken zur rechten und von der rechten zur linken schieben. Dies ist der Fehler der schwachen Mäuler( faire les forces).
Anlehnung (appui) nennt man das Gefühl, welches die Wirkung der Stange in der Hand des Reiters hervorbringt und anderen Teils die durch die Hand des Reiters auf des Pferdes Laden zuwege gebrachte Wirkung. Es gibt Pferde, die zu wenig, andere die zu viel und noch andere, die volle Anlehnung haben (apppui à pleine main). Die, welche keine oder zu wenig Anlehnung haben, sind solche Pferde, die das Mundstück fürchten und dessen Druck auf den Laden nicht leiden können. Diejenigen Pferde, welche zu viel Anlehnung haben, sind solche, die sich in die Hand legen. Wenn ein Pferd aber , ohne sich in die Hand zu legen oder mit dem Kopf zu schlagen, eine stete, leichte und mäßige Anlehnung hat, so sagt man: es hat volle Anlehnung oder das beste Maul. Diese drei schönen Eigenschaften, die das gute Maul eines Pferdes bezeichnen, sind mit jenen der Hand des Reiters übereinstimmend, die ebenfalls leicht, sanft und stete sein muss.
Parade ist die Art, ein Pferd am Ende seiner Reprise still zu halten. Paradieren bedeutet demnach still halten.
Reprise bedeutet eine wiederholte Lektion, die man einem Pferde gibt. In der Zwischenzeit, von einer Reprise zur anderen, lässt man es verschnaufen.
Eine halbe Parade geben (marquer un demi-arrêt) heißt, wenn man die Zügelhände nahe an sich hält, um die Vorhand eines Pferdes zu verhalten, dass sich auf das Mundstück legt  oder wenn man es herbeibringen oder zusammennehmen will.
Herbeibringen (ramener) bedeutet, einem Pferd ,da in die Hand drückt und die Nase hoch hält, Kopf und Hals tiefer zu stellen.
Ein Pferd zusammen nehmen (rassembler) oder beisammenhalten , heißt, es in seinem Gang oder in seiner Schule kürzer beisammen zu halten, um es auf die Hanken zu setzen. Dies wird bewirkt, wenn man mit der Hand die Vorhand des Pferdes leise vorhält und mit den Waden vertreibt, damit es die Hanken unter sich bringe und vorbereitet werde, sich in die Hand und Schenkel zu richten.
In die Hand und zwischen die Schenkel gerichtet sein (être dans la main et dans les talons) bemerkt die Eigenschaft eines vollkommen abgerichteten Pferdes, das der Hand, den Schenkeln und den Sporen, es sein vorwärts oder rückwärts auf einer Stelle oder zur Seite gegen einen oder den anderen Schenkel frei und gehorsam folgt oder den Kopf aus der Stellung zu bringen. Fände man heutigen Tags ein Pferd dieser Art, so könnte man ihm, ohne zu übertreiben, den Namen Phönix geben.
Zusammenreiten, vereinigen (renfermer) heißt, ein Pferd, das schon so weit ist, daß man es in die Hand und zwischen die Schenkel zu richten anfangen kann, stark beisammen zu halten.
Gut abgerichtet (bien mis) ist gleichbedeutend mit gut zugeritten oder gut in die Hand und Schenkel gerichtet.
Ausfallen (se traverser) sagt man, wenn die Hinterhand eines Pferdes von der Linie, die sie beschreiben soll, abweicht, es geschehe dies beim Schenkelweichen oder wenn es geradeaus geht.
Zurück kriechen (s’entabler, s’aculer) sagt man con einem Pferd, das, wenn es zur Seite suf zwei Fußtritten geht, anstatt vorwärts zu gehen, zurück kriecht und mit der Hinterhand vor die Vorhand kommt.
Hahnentritt, Zuckfuß (haper) bedeutet den Gang der Pferde, die den trockenen Spat haben und die anstatt die Kniekehle gehörig zu biegen den Schenkel schnell und zuckweise biegen.
Den stolzen Tritt gehen, piaffieren (piaffer) bemerkt einen auf der Stelle bleibenden spanischen Schritt, worin das Pferd den Arm wohl biegt und die Schenkel mit Zierlichkeit hebt, ohne auszufallen , vorwärts oder rückwärts zu treten und wobei es in dem Gehorsam in der Hand und den Schenkel des Reiters bleibt.
Trappeln (trepigner) ist der Fehler der schlecht piaffiernden Pferde, die, anstatt den Schenkel hoch zu halten, ihn übereilt und nahe an der Erde bewegen. Zu hitzige Pferde sind zu diesem Fehler geneigt.
Wenden, dublieren (doubler). Man dubliert weit und eng. Man dubliert weit, wenn man das Pferd, ohne zu wechseln, durch die Mitte der Reitbahn wendet und sie in zwei gleiche Teile teilt. Enge dubliert nennt man, wenn man in den vier Ecken der Reitbahn das Pferd in einem engen Viereck wendet.


 
Die Hanken untersetzen, senken, Falkade (falquer) wird von der Bewegung gesagt, wenn das Pferd bei der Parade im Galopp die Hanken niedrig und gebogen haltend, kurz, geschwind und energetisch unter den Leib setzt.
 
Die halbe Volte schließen (fermer une demi-volte) wird von dem Ende einer Wechselung oder halben Volte verstanden, wo das Pferd auf zwei Hufschlägen gehend mit der Vorhand und Kruppe zur gleichen Zeit an die Mauer schließen muss, um auf der anderen Hand weiter zu gehen.
Von Hand zu Hand tummeln (travailler de la main à la main ) bedeutet , ein Pferd mit der Hans allein und wenig Hilfe der Schenkel auf einem Hufschlag nach allen Seiten zu wenden, welches zu Kriegsschulen nützlich ist.
Helfen, Hilfen geben (secourir) heißt, ein Pferd. Das stehen bleiben will und in seinem Gang nachlässt, mit den Knien oder Waden antreiben.
Schränken (chevaler) sagt man, wenn das Pferd im Schenkelweiche, wo es auf zwei Hufschlägen geht, die äußeren Schenkel über die inwendigen setzt.
Inwendig und auswendig (dedans et dehors) ist eine Redensart, der man sich zuweilen statt rechts und links bedient, um die Hilfen auszudrücken, die der Reiter mit den Zaumzügeln , mit den Schenkeln und Sporen geben muss, so wie auch die Bewegungen der Schenkel des Pferdes nach der Hand, worauf es geht, zu bemerken.
Um dies besser zu verstehen, muss man wissen, dass die alten Bereiter ihre Pferde beinahe immer auf Zirkeln arbeiteten. Der Mittelpunkt, um welchen sie wendeten, bestimmte die Hand , worauf sie ritten ,so dass wenn man ein Pferd im Zirkel rechts wendete, so wurden der Zaumzügel, der Schenkel und die Sporen des Reiters und die Schenkel des Pferdes, die nach dem Mittelpunkt zu standen, der inwendige Zügel, der Inwendige Schenkel, der inwendige Sporn genannt, welchen das nämliche ist, als ob man der rechte Zügel, der rechte Schenkel usw. sagte.
Der äußere Zügel, der äußere Schenkel sind alsdann der linke Zügel, der linke Schenkel. Desgleichen, wenn man ein Pferd auf einem Zirkel links reitet, so wird der nach dem Mittelpunkt stehende linke Zügel und linker Schenkel der inwendige Schenkel genannt und folglich ist nunmehr der äußere Zügel und der äußere Schenkel der rechte Zügel usw. .
Es ist demnach begreiflich, dass man, da heutzutage die Reitbahnen entweder mit einer Mauer oder mit einem Geländer umgrenzt und viereckig sind, durch den äußere Zügel und äußeren Schenkel die nach der Mauer zu stehenden versteht. Ist die Mauer dem Reiter zur linken Seite, so wird dies auf der rechten Hand reitend genannt und der äußere Zügel und Schenkel stehen alsdann nach der Mauer und sind der linke Zügel und linke Schenkel.
Steht die Mauer dem Reiter zur rechten Seite, so sagt man: auf der linken Hand reiten. Der äußere Zügel und Schenkel sind alsdann der recht Zügel und rechte Schenkel und folglich der linke Zügel und linke Schenkel die inwendigen.
Ich bin genötigt gewesen, eine etwas weitläufige Erklärung dieser Kunstwörter zu geben, weil sie von vielen verwechselt werden. Will man aber verständlicher sprechen, so sagt man rechts oder links. Es ist viel einfacher, um sowohl die Schenkel des Reiters als auch jene des Pferdes und auch die Zaumzügel bestimmt anzugeben.
Was die Kunstwörter der Schulen betrifft, so wird man in dem sechsten Kapitel, wo von den künstlichen Gängen gehandelt wird, die Erklärung und Beschreibung finden.
 
Fünftes Kapitel
Von den Unterschiedlichen Bewegungen der Schenkel der Pferde, nach der Verschiedenheit ihrer Gänge
Der größte Teil der Reiter hat nur verworrene Begriffe von den Bewegungen der Schenkel des Pferdes in seinen verschiedenen Gängen, indes ist es ohne diese einem Reiter so wesentliche Kenntnis unmöglich, Schnellkräfte anzutreiben, deren künstlichen Zusammenhang er nicht kennt.
Die Pferde haben zweierlei Art Gänge, nämlich natürliche und künstliche Gänge.
In den natürlichen Gängen muss man die vollkommenen, als der Schritt, Trab und Galopp, von den fehlerhaften Gängen, als den Pass, den halben Pass und den Mittelgalopp unterscheiden.
Die natürlichen und vollkommenen Gänge sind bloß das Werk der Natur, ohne durch die Kunst verbessert zu sein.
Die natürlichen und fehlerhaften Gänge entstehen aus Schwäche oder Verdorbenheit.
Künstliche Gänge sind solche, die ein geschickter Bereiter den Pferden, die er zureitet, zu lehren versteht, um sie in den verschiedenen Schulen, wozu sie Vermögen und Geschicke haben, abzurichten und die auf gut eingerichteten Reitschulen ausgeübt werden müssen.
 
 
Erster Abschnitt
Von den natürlichen Gängen
Der Schritt
Unter allen Gängen des Pferdes ist der Schritt der niedrigste, langsamste und gemächlichste Gang (Tab.I.Fig.1.) Bei der Bewegung, die das Pferd im Schritte macht, hebt es die zwei einander entgegen gesetzten ins Kreuz Stehenden Schenkel, den einen vorne und den anderen hinten. Wenn z.B. der rechte Vorderschenkel in der Höhe ist und vorschreitet, so hebt sich unmittelbar darauf der linke hinters und folgt derselben Bewegung des vorderen. Auf gleiche Weise bewegen sich die beiden anderen Schenkel, dergestalt, dass in dem Schritt vier Bewegungen stattfinden. Die erste macht der vordere rechte Schenkel, worauf der linke hintere folgt und die zweite Bewegung macht. Die dritte macht der linke vordere Schenkel, worauf der rechte hintere folgt und so geht es wechselweise.
 
Der Trab
Bei der Bewegung des Trabs hebt das Pferd zu gleicher Zeit die beiden einander entgegen gesetzten, ins Kreuz stehendes Schenkel (Tab.I.Fig.2), nämlich den vorderen rechten mit dem hintern linken und darauf den linken vorderen mit dem rechten hinteren Schenkel. Der Trab unterscheidet sich vom Schritt durch eine heftigere, geschwindere und erhabenere Bewegung. Daher ist er auch viel härter als der Schritt, welcher langsam und näher an der Erde geht. Ferner ist noch der Unterschied, dass, obgleich das Pferd die Schenkel wie im Trab ins Kreuz bewegt, so erden doch bei dem Schritt die Schenkel in vier Zeitpunkten niedergelegt und bei dem Trab nur in zwei Zeitpunkten, weil bei dem letzteren Gang die zwei einander entgegenstehenden Schenkel zugleich aufgehoben und auch zugleich zur Erde gesetzt werden, wie ich schon eben erklärt habe.
 
Der Galopp
Der Galopp ist diejenige Bewegung, die das Pferd im Laufen macht. Er ist eine Art vorwärts gehender Sprung, denn die Vorderschenkel sind noch nicht auf die Erde gesetzt, als die hinteren sich schon heben, dergestalt, dass es einen unmerklichen Augenblick gibt, in dem vier Schenkel in der Luft sind. In dem Galopp gibt es zwei Hauptbewegungen : die eine auf der rechten hand, welches rechts galoppieren heißt, die andere auf der linken Hand, welches man links galoppieren nennt. Bei jeder dieser verschiedenen Bewegungen muss der inwendige vordere Schenkel vorgesetzt werden und zu galoppieren anfangen; der hintere Schenkel von derselben Seite folgt und wird gleichfalls vorgesetzt, welches in der folgenden Ordnung geschieht (Tab II. Fig.1). Wenn das Pferd rechts galoppiert   und die beiden Vorderschenkel gehoben sind, so greift der rechte Schenkel dem linken vor und wird auf der Erde dem linken vorgesetzt. Der rechte hintere Schenkel treibt den vorderen fort und folgt dessen Bewegung, auf der Erde wird er dem linken vorgesetzt. (Tab. IV, Fig. 1). In dem Galopp links fängt der linke Vorderschenkel zu galoppieren an, der linke Hinterschenkel folgt und wird dem rechten Hinterschenkel vorgesetzt. Die Setzung der Schenkel geschieht in folgender Ordnung:
 
Wenn das Pferd rechts galoppiert, so setzt es, nachdem es die Kräfte seiner Hanken vereinigt hat, um die Teile der Vorhand fortzutreiben, den linken Hinterfuß zuerst auf die Erde, der rechte Hinterfuß wird zum zweiten auf die Erde und dem linken Hinterfuß vorgesetzt, in demselben Augeblick setzt sich der linke Vorderfuß gleichfalls zur Erde, so dass bei dem Aufsetzen dieser beiden ins Kreuz stehenden und wie bei dem Trab einander entgegen gesetzten Schenkel gewöhnlich nur ein Zeitpunkt dem Gesicht und Gehör merklich wird. Endlich macht der rechte Vorderschenkel, der auf der Linie, die der rechte Hinterschenkel vorgesetzt wird, den dritten und letzten Zeitpunkt. Diese Bewegungen werden bei jedem Zeitpunkt des Galopps wiederholt und fahren wechselweise fort.
Auf der linken Hand ist die Setzung der Schenkel ganz anders, denn hier macht der rechte Hinterfuß den ersten Zeitpunkt, der linke Hinter- und rechte Vorderfuß heben sich darauf und werden zugleich ins Kreuz, wie beim Trab, zur Erde gesetzt und machen en zweiten Zeitpunkt. Zuletzt macht der linke Vorderschenkel, der dem rechten Vorderschenkel vorsteht und auf der Linie des linken Hinterschenkels fortgeht, den dritten und letzten Zeitpunkt.
Hat aber ein Pferd Schnellkraft und Gelenkigkeit und ist die Bewegung seiner Hanken kurz, geschwind und lebhaft, so macht es im Galopp vier Zeitpunkte nach folgender Ordnung:
Galoppiert das Pferd rechts, so setzt sich der linke Hinterfuß zuerst zur Erde, der rechte Hinterschenkel macht den zweiten Zeitpunkt und unmittelbar darauf macht der linke Vorderschenkel den dritten Zeitpunkt und zuletzt macht der linke Vorderschenkel , der unter allen am weitesten vorgreift, den vierten und letzten Zeitpunkt. Diese geht alsdann 1,2,3 und 4 und bildet die wahre Kadenz des Schönen Galopps, der mit den Hanken geschwind und mit der Vorderhand kurz sein muss, wie ich in der Folge erklären werde.
Wenn ein Pferd im Galopp sie soeben erklärte nötige Ordnung um Niedersetzen seiner Füße nicht beobachtet, so galoppiert es entweder ganz oder nur mit einem Schenkel falsch.
Ein Pferd galoppiert falsch oder auf dem unrechten Schenkel, wenn es, anstatt mit dem inwendigen Schenkel den Galopp anzufangen und selbigen gehörig vorzubringen, diesen mit dem äußeren Schenkel tut.(Tab.II.Fig.2), nämlich, wenn das Pferd im Galopp auf der rechten Hand die beiden linken Schenkel vorsetzt, so galoppiert es falsch oder auf dem unrechten Schenkel und ebenso galoppiert es auf der linken Hand falsch, wenn es die rechten anstatt der linken Schenkel vorsetzt.
Diese unrichtige Bewegung der Schenkel in diesem Gang ist aus dem Grunde als fehlerhaft anzusehen, weil die beiden nach dem Mittelpunkt des Platzes, um welchen man galoppiert, gerichtete Schenkel notwendig vorgebracht werden müssen, damit die Schwere des Pferdes und des Reiters unterstützt werde, denn sonst läuft das Pferd Gefahr, in der Wende zu fallen, welches sich zuweilen ereignet und gefährlich ist. Dieselbige Gefahr hat man zu befürchten, wenn das Pferd nur mit einem Schenkel falsch galoppiert.
Ein Pferd kann auf zweierlei Art mit einem Schenkel falsch galoppieren. Bald ist dieses mit dem Vorder-, bald mit dem Hinterschenkel. Ungleich häufiger aber geschieht es mit dem hinteren als mit dem vorderen Schenkel.
Das Pferd ist vorne falsch, wenn es im Galopp auf der Hand, wo es geht, die Hinterschenkel in der gehörigen Ordnung setzt, anstatt des inneren Vorderschenkels aber den äußeren Vorderschenkel vorsetzt und den Galopp damit anfängt. (Tab.II,Fig.1) Z.B., wenn das Pferd auf der rechten Hand galoppiert und den linken Vorderschenkel statt des rechten vorbringt, so ist es vorne falsch u. dgl., wenn es auf der linken Hand galoppiert und statt des linken Vorderschenkel den rechten vorsetzt, so ist es auch wieder vorne falsch (Tab.V.Fig.1.).
Gleiche Beschaffenheit hat es bei den Hinterschenkeln, denn setzt das Pferd den äußeren Hinterschenkel statt dem inneren vor, so ist es hinten falsch. Um dieses noch besser zu begreifen, bemerkt man, dass, wenn das Pferd auf der rechten Hand galoppiert und die Vorderschenkel so setzt, als ob es sie auf der linken Hand setzen muss. So ist es vorne falsch und sind die Hinterschenkel in derselben Stellung auf der rechten Hand, in der sie auf der linken Hand sein müssen, so ist es hinten falsch. Ebenso ist es nun auch auf der linken Hand.
Ich muss hier anmerken, dass man immer, besonders in Frankreich, bei Jagd- und Kampagnepferden, unter dem richtigen Galopp den Galopp auf dem rechten Schenkel versteht. Doch gibt es einige Reiter, die ihre Pferde wechseln lassen, um den linken Schenkel auszuruhen, da dieser, indem er die ganze Last trägt, am meisten leidet, wo hingegen der rechte Schenkel, der den Galopp anfängt, mehrerer Freiheit hat und nicht so sehr ermüdet wird.
 
Zweiter Abschnitt
 
Von den fehlerhaften Gängen
Der Pass (l’Amble.)
Der Pass ist ein minder erhabener, aber bei weitem gestreckterer Gang als der Schritt. Das Pferd macht in demselben nur zwei Bewegungen, auf jeder Seite eine, dergestalt, dass die beiden Schenkel, der vordere und hintere derselben Seite, sich zu gleicher Zeit heben, miteinander vorwärts schreiten und in demselben Zeitpunkt , da sie wieder zusammen zur Erde gesetzt werden, folgen die beiden Schenkel der anderen Seite und machen die nämliche Bewegung, welches sodann wechselweise fortgesetzt wird.
Wenn ein Pferd einen guten Pass gehen soll, so muss es mit niedrigen und gebogenen Hanken gehen und die Hinterfüße um einen starken Schuh über die vorderen Fußtritte setzen, denn darin liegt der Grund, warum ein Passgänger eine so große Strecke Wegs zurücklegen kann. Diejenigen, die mit hohen und steifen Hanken gehen, kommen nicht so weit vorwärts und ermüden den Reiter vielmehr; Passgänger taugen nur auf einem weichen und ebenen Boden, denn in dem Kot und auf höckerigem Boden können sie diesen Gang nicht lange aushalten. Deshalb sieht man auch Pferde dieser Art häufiger in England als in Frankreich, weil daselbst der Boden viel weicher und ebener ist. Im Ganzen genommen kann ein Pferd, das einen Pass geht, nicht lange ausdauern und es ist bei dem größten Teil derer, die einen Pass gehen, ein Zeichen von Schwäche. Selbst junge Füllen nehmen diesen Gang in der Weide an, bis sie Kräfte genug zum Trab und Galopp haben.
Es gibt viele rechtschaffene Pferde, die nach vielen geleisteten Diensten in Pass zu fallen anfangen, weil ihre Kräfte stumpf werden und sie daher in anderen Gängen, die ihnen vorher gewöhnlich und natürlich waren, nicht mehr aushalten können.
Der halbe Pass, Antritt (Traquenard)
Der halbe Pass ist ein unterbrochener Gang und hat etwas Ähnliches mit dem Pass. Pferde mit schwachem Rücken und die man auf die Schultern reitet oder abgenutzte vordere Schenkel zu bekommen anfangen, nehmen gewöhnlich diesen Gang an. Lastpferde z.B., welche, nachdem sie einige Jahre mit einer Last getrabt haben, genötigt siind, geschwinde zu gehen, nehmen zuletzt, weil sie nicht hinlängliche Kräfte haben, den Trab auszuhalten, diesen geschwinden und übereilten Gang an, der das Ansehen von einem unterbrochenen Pass hat und der, eigentlich zu reden, das ist, was man einen halben Pass nennt.
  
Der Mittelgalopp (l’Aubin)
Der Mittelgalopp ist derjenige Gang, in welchem das Pferd mit den Vorderschenkeln galoppiert und mit der Hinterhand trabt oder einen Pass geht (Tab.VI.Fig.2). Dieser sehr hässliche Gang ist Pferden mit schwachen Hanken, verdorbener Hinterhand und die nach anhaltendem Laufen außerordentlich ermüdet sind, eigen. Der größte Teil der Postpferde geht einen Mittelgalopp, anstatt frei weg zu galoppieren. Junge Pferde, die noch nicht Kräfte genug in den Hanken haben und die man zu früh zum Galopp zwingen will, nehmen ebenso diesen Gang an, als auch Jagdpferde, wenn sie abgenutzte Hinterschenkel haben.
 
 
Dritter Abschnitt
 
Von den künstlichen Gängen
Die künstlichen Bewegungen sind aus den natürlichen gezogen und erhalten verschiedene Namen, nach dem abgemessenen Gang und der Stellung, die man Pferden gibt, welche in der Schule, wozu sie geschickt sind, abgerichtet werden.
Nach den gewöhnlichen Gebrauch gibt es zweierlei Arten von Schulen: Kriegsschulen (le manège de guerre) und Schulen für die Reitbahn (manège de carriére ou d’école.)
Unter Kriegsschulen versteht man die Übung eines frommen und auf beiden Händen gewandten und gehorsamen Pferdes, welches schnell davon geht, leicht auf den Hanken pariert und wendet, welches an den Schuss, an Trommeln und Fahnen gewöhnt ist und das vor nichts Furcht zeigt.
Unter Schulen für die Reitbahn muss man alle die künstlichen Gänge versten, die von solchen erfunden worden sind, welche sich in dieser Kunst vorzüglich hervorgetan haben und die auf wohl eingerichteten Reitschulen in Übung sind oder doch sein sollten.
Unter diesen verschiedenen künstlichen Schulen gibt es niedrige und erhabene.
Niedrige sind solche, die nahe der Erde gemacht werden.
Erhabene Schulen sind diejenigen, welche von den Pferden über der Erde gemacht werden.
 
Niedrige oder Schulen auf der Erde
Zu den niedrigen Schulen gehören: der spanische Schritt, der stolze, tritt, die Galoppade, die Wechselung von einer Hand zur anderen, die Volte, die halbe Volte, die Passade, die Piruette und Terre à Terre.
Ich muss bemerken, dass die meisten dieser Kunstwörter aus dem Italienischen abstammen, weil die Italiener die ersten Erfinder der Regeln und Grundsätze dieser Kunst sind.
 
Der spanische Schritt ( Passade)
Der spanische Schritt, welchen man ehedem Passege nannte, von dem italienischen Wort Spasseegio, welches Spaziergang bedeutet, ist ein abgemessener, taktmäßiger Schritt oder Trab. Das Pferd muss in diesem Gang seine beiden, wie bei dem Trab im Kreuz stehenden und einander entgegen gesetzten Schenkel, längere Zeit in der Luft halten, jedoch muss es viel taktmäßiger und erhabener als in dem gewöhnlichen Trab gehen, so, dass es bei jedem Schritt, den es tut, nicht mehr als einen Schuh hervorrückt, nämlich, dass der in der Luft befindliche Schenkel ungefähr um einen Schuh dem auf der Erde stehenden vorgreift.
 
Der stolze Tritt (Piaffer) 
Wenn das Pferd auf einer Stelle, ohne vor- noch rückwärts zu gehen oder sich mit der Kruppe schief zu stellen, den spanischen Schritt geht und dabei die Arme hoch hält und mit Zierlichkeit biegt, so nennt man diesen Gang den stolzen Tritt. Dieser sehr edle Gang wurde bei den Karussels und feierlichen Aufzügen zu Pferde sehr hoch geachtet. Auch wird es in Spanien sehr geschätzt. Die Pferde dieses Landes und die neaoplitanischen haben hierzu viel Anlage.
 
Die Galoppade ( Galopade)
Die Galoppade oder der Bahngalopp ist ein vereinigter wohl zusammengenommer Galopp, in welchen die Bewegung der Vorhand abgekürzt und die der Hinterhand geschwind ist. Das heißt, ein Galopp, in welchem die Hinterhand nicht geschleppt wird und der durch die Gleichförmigkeit der Sprünge des Pferdes jene schöne abgemessene Bewegung hervorbringt, die den Zuschauer eben so sehr einnimmt wie sie dem Reiter Vergnügen gewährt.
 
Die Wechselung der Hand (Changement de main)
In dem vorhergehenden Kapitel habe ich schon gesagt, dass man unter Handwechselung nicht allein die veränderte Bewegung verstehen muss, die das Pferd macht, wenn es mit den Füßen wechselt, sondern dass man dem Sprachgebrauch zufolge durch diesen Ausdruck zugleich den Weg versteht, welchen das Pferd beschreibt, wenn es von einer Mauer zur anderen durch die Reitbahn, es sei von der rechten zur linken oder von der linken zur rechten Hand, geht. In diesem letzteren Verstande hat man zwei ‚Stücke zu beobachten, welche in der Gegenwechselung und in der Wechselung durch Umkehrung der Schulter bestehen.
 
Man macht eine Gegenwechselung (contre-changemant), wenn man ein Pferd bis in die Mitte der Reitbahn führt, so als ob man ganz wechseln wollte und wenn man ihm daselbst den Kopf auf die andere Hand gestellt hat, so führt man es wieder auf die soeben verlassene Linie der Mauer zurück und reitet auf derselben Hand, worauf man vor der Wechselung war, weiter. Bei der Wechselung durch Umkehrung der Schultern (changement de main reversée) führt man das Pferd auf derselben Linie wie bei einer gewöhnlichen Gegenwechselung bis in die Mitte der Reitbahn. Wenn man aber an der Mauer wieder ankommt, von der man soeben abgegangen ist, so kehrt man, anstatt eine Gegenwechselung zu machen, die Schultern des Pferdes um und geht auf die andere Hand. Wenn man also in der Gegenwechselung von der rechten zur linken Hand wechselt, so bleibt man auf derselbigen oder auf der rechten Hand. In der Wechselung durch Umkehrung der Schulter aber kommt man durch die bewirkte Umkehrung der Schultern des Pferdes, wenn man an der Mauer anlangt, auf die linke Hand.
 
Die Wechselungen, Gegenwechselungen, durch Umkehrung der Schultern, werden, je nachdem das Pferd der Hand und den Schenkeln mehr oder weniger gehorsam ist, auf einem oder auch auf zwei Fußtritten gemacht.
 
Die Volte (Volte)
Das Wort Volte ist ein italienischer Ausdruck und bedeutet zirkelrunden oder zirkelförmigen Fußtritt. Ich muss hierbei bemerken, dass man in Italien durch Volte den Zirkel versteht, den ein Pferd beschreibt, das nur auf einem Fußtritt geht und dass dasjenige, was wir Volte nennen, von ihnen Radoppio genannt wird. In Frankreich hingegen bedeutet das Wort Volte den seitwärtsgehenden Gang eines Pferdes auf zwei Hufschlägen, in welchen es zwei parallele Zirkel oder ein Viereck bildet, dessen Ecken abgerundet sind.
 
Die halbe Volte ist die hälfte einer Volte oder eine Art Halbzirkel auf zwei Fußtritten. Man macht die halben Volten entweder in der Volte selbst oder an den beiden Enden einer geraden Linie.
Ferner hat man umgekehrte Volten (Voltes renversées) und halbe umgekehrte Volten (demi vopltes renversées).
 
Unter umgekehrten Volten versteht man den Weg, den ein auf zwei Fußtritten gehendes Pferd beschreibt, dessen Kopf und Schultern nach dem Mittelpunkt der Bahn gerichtet sind. Die Vorderfüße beschreiben alsdann die dem Mittelpunkt der Bahn am nächsten liegende und die Hinterfüße die demselben entferntest Linie. Dieses ist der gewöhnlichen Volte entgegengesetzt, wo die Kruppe nach dem Mittelpunkt der Bahn steht. Die halbe umgekehrte Volte wird, wie die Wechselung, durch die Umkehrung der Schulter gemacht, ausgenommen, dass das Pferd in der halben Volte auf zwei Fußtritten gehen muss.
 
Die Passade (Passade)
Passaden machen heißt, ein Pferd auf einer gleichlangen Linie reiten und an den beiden Enden von der rechten zur linken und von der linken zur rechten zu wechseln, indem man immer auf derselben Linie hin und her geht.
Man macht Passaden im kurzen wie auch im flüchtigen Galopp.
Passaden im kurzen Galopp sind diejenigen, wo man das Pferd sowohl auf der geraden Linie der Passade als auch auf den halben Volten der beiden Enden der Linie wohl beisammen in einem kurzen abgemessenen Galopp erhält.
In den flüchtigen Passaden führt man das Pferd in einem kurzen Galopp bis in die Mitte der geraden Linie. Von da lässt man es im gestreckten Galopp gehen, bis zu dem Ort, wo man das Pferd wieder zusammennimmt, um die halbe Volte anzufangen.
 
Die Piruette (Pirouette)
Die Piruette ist eine Art Volte, welche auf einer Stelle und von Pferdeslänge gemacht wird. (Tab.VIII.Fig.2) Die Kruppe bleibt in dem Mittelpunkt und der inwendige Hinterschenkel dient wie ein Zapfen, um welchen sich sowohl die beiden Vorder- als auch die äußeren Hinterschenkel drehen.
 
Terre à Terre
Der Herzog von Newcastle hat die Schule Terre á terre sehr gut, als einen Galopp in zwei Zeitpunkten auf zwei Fußtritten, beschrieben. In diesem Gang hebt das Pferd die beiden Vorderschenkel auf einmal und setzt sie zu gleicher Zeit nieder. Die Hinterschenkel folgen den vorderen, wodurch ein kurzer, geschwinder, lebhafter und niedriger Gang entsteht, der , wie eine Reihe aufeinander folgernder, kleiner, sehr niedrig an der Erde gehender Sprünge anzusehen ist, die immer vorwärts und zur Seite gehen. Obgleich die Schule Terre à Terre mit Recht in die Zahl der niedrigen gerechnet wird, so liegt gleichwohl diese Schule allen erhabenen zu Grunde, weil durchgängig alle Sprünge in zwei Zeitpunkten, wie Terre á Terre, gemacht werden.
Erhabene oder Schulen über der Erde.
 
Alle Sprünge, welche höher von der Erde als Terre à Terre gemacht werden, nennt man erhabene Schulen. Man zählt ihrer sieben : Die Pasade, Mezair, die Courbette, die Croupade, die Balorade, die Capriole, der Schritt und der Sprung (le pas et le saut).
 
Pesade 
Die Pesade ist ein Schule, in welcher das Pferd auf einer Stelle bleibend, ohne vorwärts zu kommen, die Vorhand hoch hebt und den Hinterfüßen, ohne sie zu bewegen, fest auf der Erde stehen bleibt, so dass es nicht, wie in allen anderen Schulen, mit den Hanken einen Zeitpunkt macht. Man bedient sich dieser Schule, ein Pferd vorzubereiten, dass es mit mehr Freiheit springe und die Vorhand wohl hebe.
 
Mezair
Mezair ist ein Wort, das so viel wie Halbschule bedeutet. Es ist ein Sprung, der, ob er gleich unter die erhabenen Schulen gerechnet wird, doch nur etwas mehr als Terre à terre, aber weniger erhaben und mehr vorwärts gehend als eine Courbette ist. Man nennt ihn Halbschule, Mezair, weil er zwischen beiden ist und aus dem Grunde nennen ihn auch einige Bereiter halbe Coubrette, welches ziemlich genau die Bewegung ausdrückt, die ein Pferd in dieser Schule macht.
 
Courbette.  
Die Courbette ist ein Sprung, in welchem das Pferd die Vorhand höher und taktmäßiger hebt und länger damit in der Luft bleibt als im Mezair, und wo die Hanken den Vorderschenkel in dem Augenblick, da sie wieder zur Erde niederfallen, in niedrigen, kurzen und geschwinden Sätzen folgen.
 
Croupade
Die Croupade ist sowohl mit der Vor- als auch Hinterhand ein viel höherer Sprung als die Courbette (TAB.XI.Fig2) in welchem das Pferd, währenddem es in der Luft ist, die Hinterfüße und Schenkel unter den Bauch zieht und solche in einer mit den Vorderfüßen gleichen Höhe hält.
 
Balotade
Die Balotade ist ein Sprung, in welchem das Pferd, wenn es mit den vier Füßen in der Luft und in gleicher Höhe ist, anstatt wie bei der Couprade die Hinterfüße unter den Bauch zu zeihen, die hinteren Hufeisen zeigt, als ob es ausschlagen wollte, ohne jedoch aber wirklich auszuschlagen , wie bei der Capriole.
 
Capriole
Die Capriole ist unter allen Sprüngen der höchste und vollkommenste (Tab.XII.Fig.1) . Wenn das Pferd in der Luft und mit der Vorder- und Hinterhand in gleicher Höhe ist, so schlägt es mit solcher Gewalt aus, las wollte es sich gleichsam von selbst teilen, dergestalt, dass die Hinterschenkel wie ein Pfeil wegfahren (s’éparer, nouer l’éguillette). Man muss wohl bemerken, dass diese drei letzteren Schulen, als Coupade, Balotade und Capriole, sich in dem Stück voneinander unterscheiden, dass das Pferd bei der Coupade, wenn es in der Höhe ist, die Hintereisen nicht zeigt, sondern unter den Bauch zieht. Bei der Balotade zeigt das Pferd die Hintereisen und ist zum Ausschlagen bereit, ohne es jedoch zu vollbringen. Bei der Capriole aber schlägt es so stark aus, als es nur kann.
 
Der Schritt und der Sprung (le pas et le saut)
Diese Schule wird in drei Zeitpunkten gemacht. Den ersten davon macht ein kurzer Galopp oder Terre à terre, den zweiten eine Courbette und den dritten eine Capriole und so wechselweise. Pferde, die sich nicht stark genug fühlen, wiederholt Capriolen zu machen , und selbst die stärksten Springer, wenn sie anfangen, abgenutzt zu werden, nehmen die Schule von selbst an, um sich zu helfen und den Zielpunkt zum Sprung besser wahrzunehmen.
  
Sechstes Kapitel
Von dem schönen Sitz des Reiters und von demjenigen, was man vor dem Aufsitzen zu beobachten hat.
Der schöne anstand zu Pferde ist für einen Reiter eine so große Zierde und zu gleicher Zeit ein so großes Mittel zur Kunst zu gelangen, dass alle diejenigen, die Reiter werden wollen, vor allen Dingen die nötige Zeit anwenden müssen, diese Eigenschaft zu erlangen.
 
Ich verstehe unter einem schönen Anstand einen ungezwungenen Sitz, des mit einer geraden und freien Stellung verbunden sein muss, man mag sich auf dem Pferd im nötigen Falle fester oder aber zur gehörigen Zeit nachlassen. Bei allen Bewegungen des Pferdes muss man so viel wie möglich in jenem richtigen Gleichgewicht bleiben, welches von dem wohl beobachteten Gegengewicht des Leiben abhängt , und die Bewegungen des Reiters müssen so leicht eingerichtet werden, dass sie mehr seine Stellung verschönern als seinem Pferde zu helfen scheinen. Da dieser schöne Teil vernachlässigt und die Unachtsamkeit nebst einem gewissen weichen Anstand an die Stelle des Fleißes gekommen ist, den man vor diesem anwendete, um diesen schönen Sitz, der die Augen der Zuschauer entzückt und die Geschicklichkeit eines schönen Pferdes unendlich hebt, zu erlange und zu erhalten, so ist es nicht zu verwundern, dass die Reiterei so sehr viel von ihrem alten Ganz verloren hat.
  
Ehe man zu Pferde steigt, muss man mit einem Blick dessen ganze Equipage untersuchen. Diese Aufmerksamkeit, die das Geschäft eines Augenblickes ausmacht, ist schlechterdings notwendig, um die gefährlichen Folgen zu verhüten, die denen zustoßen können, die diese geringe Sorgfalt vernachlässigen. Vorerst muss man sehen, ob der Kehlriemen nicht zu fest zugeschnallt ist, welches das Atemholen des Pferdes erschweren würde; ob der Nasenriemen nicht zu locker ist, denn dieser muss im Gegenteil etwas fester zugezogen sein, sowohl der Nettigkeit wegen als auch bei machen Pferden das Aufsperren des Mauls zu verhindern und bei anderen dem Fehler, den sie haben, in die Stiefel zu beißen, zuvorzukommen. Darauf muss man sehen, ob das Mundstück nicht zu hoch liegt, welches die Lefzen runzeln, oder zu tief, wodurch es auf den haken liegen würde; ob der Sattel nicht zu weit vorne liegt, denn außerdem, das ,am dadurch Gefahr läuft, das Pferd auf den Widerrist zu ermüden, so hindert man es an der freie Bewegung der Schultern; ob die Longe nicht zu locker sind, wodurch sich der Sattel herumdrehen könnte, oder ob sie nicht zu fest angezogen sind, woraus öfters traurige Zufälle entstehen. Es gibt z.B. Pferde, die, wenn man sie Longen will, aus Bosheit den Bauch durch Zurückhalten des Atems dergestalt aufblasen, dass man kaum mit den Longen an die Sattelstrippen kommen kann. Andere gibt es, die, wenn man sie gleich auf das Longen reitet, die gefährlich Gewohnheit haben, Versuche zu machen, im Springen die Longe zu zerreißen oder zuweilen selbst überschlagen. Zur Verbesserung dieser Fehler muss man sie einige Zeit vor dem Reiten geLonget haben und sie an der Hand einige Schritte traben lassen. Auch muss man sehen, ob der Brustriemen über dem Gelenk der Schultern liegt, denn läge er zu tief, so würde er die Bewegung hindern. Zuletzt sieht man, ob der Schwanzriemen eine gehörige Länge hat, ob er nicht zu locker ist, wodurch der Sattel vorne hinaus rutschen würde oder ob er nicht zu kurz ist, welches das Pferd unter dem Schweif verwunden, Sprünge und ein dem Reiter sehr unbequemes hinten ausschlagen verursachen würde.
Nach dieser kurzen Untersuchung muss man sich der linken Schulter des Pferdes nähern, nicht allein um im Stande zu sein, leicht aufsitzen zu können, sondern auch, um zu verhüten, dass man von dem Pferd geschlagen werde, entweder mit den Vorderschenkeln, wenn man gegen den Hals stünde, oder mit den Hinterschenkeln, wenn man gegen den Bauch stünde. Hierauf ergreift man mit der rechten Hand das Ende der Zügel und sieht, ob diese nicht verkehrt oder verdreht sind, in welchem Fall sie mittels Herumdrehens des Zügelringes wieder auf ihre flache Seite gelegt werden müssten. Die Spießrute hält man mit gesenkter Spitze in der linken Hand und nimmt sodann mit derselbigen Hand die Zügel etwas lang, damit man keine Unfälle veranlasse, nebst einer Handvoll Mähnenhaare zunächst dem Widerrist und drückt diese drei Stücke wohl zusammen; hierauf ergreift man mit der rechten Hand das untere Ende des Steigbügelriemens nahe am Steigbügel, dreht den Steigbügelriemen auf die flache Seite des Leders, setzt alsdann den linken Fuß in den Steigbügel, ergreift mit der rechten Hand den hinteren Sattelpauschen, schwingt sich mit dem rechten bis zur Spitze des Fußes ausgestreckten Schenkel über den Sattel und setzt sich endlich mit gerade gerichtetem Leibe hinein.
 
Diese ganze Reihe von Handlungen, deren Beschreibung länger als die Ausführung ist, muss mit viel gutem Anstand, mit Fertigkeit und Leichtigkeit gemacht werden, damit man nicht in den Fall mancher Reiter komme, die eine groß tuende Miene bei solchen Sachen annehmen, die, wenn man sie einmal zu machen weiß, sehr leicht und sehr einfach, jedoch aber nötig sind.
 
Wenn man in dem Sattel sitzt, so nimmt man die Spießrute mit der in die Höhe gerichteten Spitze in die rechte Hand. Mit derselbigen Hand ergreift man das Ende der Zügel, um sie gleich zu halten, worauf man sie in der linken Hand zurecht legt und sie durch den kleinen Finger derselbigen Hand teilt. Die Enden der Finger werden in der hohlen Hand eingeschlossen und der Daumen auf die Zügel ausgestreckt, um sich selbst zu versichern und das Durchrutschen aus der Hand zu verhindern.
 
Die Zügelhand regiert die Vorhand. Sie muss über dem Hals des Pferdes, weder ein- noch auswärts und in der Höhe des Ellbogens gestellt sein. Damit der Sattelknopf die Wirkung des Zügels nicht hindere, so muss sie zwei Finger über und mehr vor demselben stehen. Sie muss aus eben diesem Grunde vor dem Leibe abgesondert und entfernt sein, mit etwas aufwärts gegen den Bauch zugewendeten Nägeln und ein wenig gekrümmten Faustgelenken. In dem folgenden Kapitel werde ich von den Wirkungen der Zügelhand reden, die eine besondere Erklärung verdient.
 
Die rechte Hand muss in gleicher Höhe und nahe bei der linken gestellt werden, wenn man ein Pferd mit gleichen Zügeln führt; bedient man sich aber des rechten Zügels, um ein Pferd mit der rechten Hand zu biegen, so muss sie tiefer als die linke Hand und näher nach der Sattelpausche zu stehen.
 
Gleich darauf, nachdem man die Zügelhand gestellt hat, muss man sich genau in die Mitte des Sattels setzen, mit hervorgebrachtem unteren Teil des Leibes und Gesäßes, damit man nicht bei die hinteren Sattelpauschen zu sitzen komme Die Lendenwirbelbeine muss man gebogen und stäte halten, um des Bewegung des Pferdes zu widerstehen.
 
Der Herzog von Newcastle sagt: dass ein Reiter zwei bewegliche Teile und einen unbeweglichen haben müsse. Die ersten sind: der obere Teil des Leibes bis zum Gürtel, und die Schenkel von den Knien bis zu den Füßen; der andere ist der Teil von dem Gürtel bis zu den Knien. Zufolge dieses Grundsatzes bestehen die oberen beweglichen teile aus dem Kopf, den Schultern und den Armen. Der Kopf muss gerade und frei über den Schultern stehen, indem man zwischen den Ohren des Pferdes durchsieht, die Schultern müssen gleichfalls sehr frei und etwas nach hinten gezogen sein, denn wenn der Kopf und die Schultern vorfielen, so würde der Hintern aus dem Sattel kommen, welches neben dem hässlichen Anstand ein Pferd auf die Schultern zu gehen veranlassen und Ihm, bei der geringsten Bewegung, zum hinten Ausschlagen Gelegenheit geben würde. Die Arme müssen bei dem Ellenbogen gebogen und ungezwungen an den Leib gelegt werden und natürlich auf die Hüften herunter sinken.
 
Was die Schenkel, als die unteren beweglichen Teile, anbelangt, so dienen solche den Leib und die Hinterhand des Pferdes zu führen und in Gehorsam zu erhalten. Ihre wahre Stellung ist, dass sie von dem Knie bis nach unten gerade und ungezwungen gehalten werden und sie nahe am Pferde liegen, ohne es jedoch zu berühren, und die Dickbeine nebst den Knien herum und nach innen gewendet werden, damit der flache Teil des Schenkels, längs den Satteltaschen, gleichsam wie angeleimt sei. Ob die Schenkel gleich ungezwungen sein sollen, so müssen sie jedoch ruhig gehalten werden, denn wären sie unruhig, so würden sie unaufhörlich den Bauch berühren, wodurch das Pferd in einer beständigen Unordnung erhalten würde. Würden sie zu weit ausgestreckt, so wären man nicht im Stande, dam Pferd zu rechten Zeit zu helfen oder es zu strafen, dass heißt: in demselben Zeitpunkt, wo es den Fehler begeht. Würden sie zu weit vorwärts gehalten, so könnte man sich ihrer nicht für den Bauch bedienen, dessen Hilfe doch die Schenkel sind, würden sie im Gegenteil zu weit zurückgehalten, so würde man mit den Hilfen in die Flanken kommen, ein Teil, der zu kitzlig und zu empfindlich ist, um Sporen daselbst anzubringen, und zuletzt hielte man die Schenkel zu kurz, so würde man bei dem starken Treten auf die Steigbügel aus dem Sattel kommen.
  
Die Ferse muss einwenig niedriger als die Spitze des Fußes stehen, jedoch nicht zu viel, weil dies sonst den Schenkel steif erhalten würde. Sie muss ein wenig mehr nach innen als nach außen gewendet sein, damit man leicht und ungezwungen sie Sporen an denjenigen Teil des Bauches führen kann, welcher vier Finger breit hinter dem Sattelgurt ist. Die Spitze des Fußes muss zufolge der Breite des Rostes des Steifbügels nur einen oder zwei Zoll aus demselben herausstehen. Wenn sie zu viel auswärts steht, so kommt der Absatz zu nahe an den Bauch des Pferdes und der Sporn wird unaufhörlich dasselbe kitzeln. Steht sie im Gegenteil zu viel einwärts, so kommt der Absatz zu viel auswärts und der Schenkel würde gelähmt werden. Eigentlich zu reden, so sind es nicht die Schenkel, welche man zu Pferde herumdrehen muss, sondern der obere Teil des Dickbeines, nämlich die Hüfte. Die Schenkel stehen alsdann nicht zu viel herum, sondern sie sowohl als der Fuß sind gerade so viel gewendet, als sie es sein müssen.
 
Es ist inzwischen nicht genug, dass man genau weiß, wie man sich nach den soeben gegebenen Regeln zu Pferde setzen soll, dass schwerste ist, sich in dieser Stellung bei der Bewegung des Pferdes zu erhalten. Deswegen pflegen geschickte Lehrer ihre Anfänger viel traben zu lassen, damit sie tief in den Sattel kommen und einen festen Sitz erhalten. Nichts übertrifft den Trab, um einen Reiter einen festen Sitz zu verschaffen. Nach dieser Übung findet man es in den übrigen minder harten Gängen leicht. Die Methode, fünf bis sechs Monate ohne Steigbügel zu traben, ist ebenfalls vortrefflich, denn dadurch müssen notwendigerweise die Schenkel nahe am Pferde herunterfallen und ein Reiter erhält Sitz und Gleichgewicht. Zu gewöhnliche nur fällt man in den Fehler, dass man
Anfängern Springer zu reiten gibt, ehe sie noch durch den Trab jenes Gleichgewicht erlangt haben, dass, um sich wohl zu Pferde zu halten, die Stärke der Knie weit übertrifft. Diejenigen, die aus Ehrgeiz getrieben, zu früh Springer reiten, nehmen die böse Gewohnheit an, sich mit den Absätzen zu halten, und kommen sie von der Reitschule weg, so finden sie sich, bei aller ihrer anmaßlichen Fertigkeit, auf jungen Pferden doch sehr verlegen. Nur stufenweise erlangt man jene Festigkeit, die von dem Gleichgewicht kommen muss und nicht von den eisernen Kniekehlen, die man den Halsbrechern der Pferdehändler überlassen muss. Bei gewissen Gelegenheiten muss man sich zwar des Schlusses der Knie selbst stark bedienen, besonders bei jenen unordentlichen Sprüngen und Stößen, die so hart und so schnell sind (contre temps), dass man es nicht verhindern kann, seinen Sitz zu verlieren. Nach solcher Unordnung aber muss man sich gleich wieder gehörig in den Sattel setzten und nachgeben, weil das Pferd sonst aufs Neue sich zu wehren wieder anfangen würde.
 
Auf einer wohlgeordneten Reitschule sollte man einen Reiter gleich nach dem Trab zwischen den Pilaren auf einem Pferd reiten lassen, dass den stolzen Tritt geht. Da dieses sehr leicht ist, so würde es dadurch lernen, sich mit einem Schönen Anstand auf dem Pferde zu halten. Nach dem stolzen Tritt müsste es ein Pferd haben, das halbe Curbetten, und darauf eines, das vollkommenen Curbetten macht, ein anderes, das Balotaden oder Crupaden und zuletzt eines, das Capriolen machte. Der Reiter würde alsdann nach und nach und ohne das er es gewahr würde, mit der Zeit die wahre Art stäte und gerade zu sitzen, ohne steif oder gezwungen zu sein, annehmen, er würde ohne Schlaffheit und Nachlässigkeit frei und leicht werden, hauptsächlich aber würde es nie abhängend sitzen, welches unter allen Fehlern der größte ist, denn empfindliche Pferde gehen gut oder schlecht, je nachdem das Gegengewicht des Leibes regelmäßig oder nicht regelmäßig beobachtet wird.
 


 
Siebentes Kapitel
Von der Zügelhand und ihren Wirkungen
 
Die Bewegungen des Zügelhand haben den Zweck, dem Pferd den Willen des Reiters zu erkennen zu geben und die Wirkung, welche der Zaum in dem Maul des Pferdes hervorbringt, ist die Folge von den verschiedenen Bewegungen der Hand. Da ich schon in dem ersten Teil dieses Werkes die Erklärung der Teile, aus denen der Zaum zusammengesetzt wird, nebst der Art, ihn nach der Verschiedenheit der Mäuler anzuordnen, gegeben habe, so werde ich hier nicht weiter davon reden.
 
Herr de la Broue, und nach ihm der Herzog von Newcastle, sagen: zu einer guten Hand wird erfordert, dass sie leicht, weich und ruhig sei. Diese Vollkommenheit hängt aber nicht allein von der Verrichtung der Hand, sondern auch von dem Sitz des Reiters ab. Denn ist der Körper wankend oder in Unordnung, so kommt die Hand aus der Stellung, in der sie sein muss und der Reiter ist mit nichts als mit seiner Haltung beschäftigt. Nebst dem müssen auch die Schenkel mit der Hand übereinstimmen, weil sonst die Wirkung der Hand niemals genau sein würde. Man nennt dieses in der Kunstsprache: mit der Hand und Schenkel übereinstimmen (accorder la main et les talons), welches die Vollkommenheit von allen Hilfen ist.
 
Die Hand muss allzeit zuerst wirken und die Schenkel müssen diese Bewegung begleiten, denn es ist sein Hauptgrundsatz, dass in allen sowohl natürlichen als künstlichen Gängen, der Kopf und die Schultern des Pferdes zuerst gehen müssen. Da nun das Pferd viel Hauptgänge hat, als vorwärts, rückwärts, zur Rechten und zur Linke gehen, so muss die Zügelhand such viererlei Wirkungen hervorbringen, als: nachgeben, anhalten, rechts wenden und links wenden.
 
Die erste Wirkung, mit der Hand nachzugeben, um das Pferd vorwärts gehen zu lassen, ist eine Bewegung, die durch Absenken der Hand und eine etwas abwärtsgehende Drehung der Nägel bewirkt wird. Die zweite Wirkung, das anheben der Hand, erfolgt, indem man sie dem Körper nähert und mit etwas aufwärts gedrehten Nägeln nach oben führt. Diese letzte Hilfe dient dazu, ein Pferd anzuhalten oder eine halbe Parade zu geben, oder es auch rückwärts gehen zu lassen. Man darf hierbei nicht zu sehr auf die Steigbügel treten, sondern man muss, indem man das Tempo der Hand bemerkt, die Schultern etwas zurückbringen, damit das Pferd pariert oder die Hanken zurücksetzt. Die dritte Wirkung der Hand ist die Wendung rechts. Man führt die Hand nach derselben Seite und hält die Nägel etwas aufwärts, damit der äußere, als der linke Zügel, welcher die Wirkung verrichten muss, geschwinder wirken könne. Die vierte Wirkung, oder die Wendung links, geschieht durch die Führung der Hand nach dieser Seite und indem man die Nägel etwas abwärts dreht, um den äußeren Zügel, der auf dieser Hand der rechte ist, wirken zu lassen.
 
Nach dem soeben angeführten ist es leicht zu bemerken, dass ein der Hand gehorsames Pferd dasjenige ist, welches ihr in allen ihren Bewegungen folgt und dass auf die Wirkung der Hand jene des Zügels, die das Mundstück in Bewegung setzten, gegründet ist.
 
Es gibt dreierlei Arten, die Zügel zu halten. In beiden Händen geteilt, oder gleichlang in der linken Hand, oder einen kürzer als den andern, je nachdem man das Pferd auf einer Hand arbeitet.
 
Mit geteilten Zügeln reiten, heißt, den rechten Zügel in die rechte Hand und den linken Zügel in die linke hand zu nehmen. Der geteilte Zügel bedient man sich bei Pferden, die der Zügelhand alleine zu folgen noch nicht gewohnt sind. Auch macht man Gebrauch davon bei solchen Pferden, die sich widersetzen oder auf einer Hand zu wenden sich weigern. Wenn man sich der geteilten Zügelhand mit Nutzen bedienen will, so muss man bei dem Rechtswenden, wenn man den rechten Zügel anzieht, die linke Hand tiefer stellen. Ebenso muss man, wenn der linke Zügel angezogen wird, um links zu wenden, die rechte Hand sinken lassen. Das Pferd würde sonst nicht wissen, welchem Zügel es folgen sollte, wenn man nicht den Zügel tief hielte, der der Hand, wohin man es wenden will, entgegengesetzt ist.
 
Mit gleichen Zügeln, in der linken Hand, führt man sowohl Campagne- als auch Jagd- oder Soldatenpferde, wenn sie den Wendungen der Hand folgen. Arbeitet man aber ein Pferd auf einer Reitbahn, um es abzurichten und es zu lehren, so muss der inwendige Zügel in der Zügelhand etwas kürzer sein, um ihm den Kopf nach der Hand zu stellen, worauf es geht. Ein Pferd, das nicht gebogen ist, hat keinen Anstand auf einer Reitbahn. Jedoch darf der inwendige Zügel nicht so sehr verkürzt werden, weil dieses eine falsche Anlehnung geben würde und weil man in der Zügelhand immer die Wirkung der beiden Zügel empfinden muss. Das schwerste ist, ein Pferd rechts zu biegen. Diese Schwierigkeit kommt nicht allein daher, weil der größte Teil der Pferde von Natur aus auf dieser Hand steifer als auf der linken Hand ist, sondern sie entsteht auch noch aus der Lage der Zügel in der linken Hand, denn da solche durch den kleinen Finger geteilt werden müssen, so trifft sich’s, dass der linke Zügel, der unter dem kleinen Finger liegt, mehr wirkt als der rechte Zügel, der darüber hergeht, dergestalt, dass, wenn man ein Pferd auf der rechten Hand arbeitet, die Verkürzung des rechten Zügels, um es zu biegen, nicht hinreichend ist und man oft genötigt wird, sich des rechten Zügels durch Anziehen desselben mit dem kleinen Finger der rechten Hand zu bedienen, welcher alsdann die Verrichtung des kleinen Fingers der linken Hand hat, wenn man zur linken arbeitet. Es gibt sehr wenige, die sich des rechten Zügels gut zu bedienen verstehen; größtenteils halten sie die linke Hand tiefer, wenn sie ihn anziehen und alsdann ziehen die nur das Ende der Nase herbei, weil der äußere Zügel die Wirkung nicht unterstützt. Man muss demnach, wenn man den rechten Zügel anzieht, um ein Pferd rechts zu biegen, das Gefühl des äußeren Zügels in der linken Hand behalten, damit die Biegung von dem Widerrist herkomme und nicht von dem Ende der Nase, welches eine hässliche Stellung ist.
 
Nicht eben so ist es auf der linken Hand. Die Lage des inwendigen Zügels , der unter dem kleinen Finger hervorgeht, verbunden mit der natürlichen Anlage, die beinahe alle Pferde haben, sich leichter links zu biegen, erleichtert die Biegung eines Pferde auf dieser Hand gar sehr. Ich muss hierbei anmerken, dass bei einem wohl zugerittenen Pferde der innere Zügel nur sehr wenig verkürzt werden und man sich nur selten der rechten Hand, um es rechts zu biegen, bedienen darf, weil es sich alsdann durch die Übereinstimmung der Hand und der Schenkel biegen muss. Ehe aber ein Pferd zu diesem Grade von Vollkommenheit gelangt ist, muss man sich notwendigerweise der Zügel auf die soeben angeführte Art bedienen.
 
Die Höhe der Hand bestimmt gewöhnlich die des Pferdekopfes: Deswegen muss man sie bei Pferden, die sich tief tragen, höher als in der gewöhnlichen Lage halten, um sie in die Höhe zu richten. Tiefer und näher muss sie bei denen gehalten werden, welche die Nase wegstrecken, um, sie herbeizubringen und den Kopf tiefer zu stellen.
 
Wenn man die Hand vorwärts führt, so lässt die Kinnkette durch diese Bewegung nach und vermindert folglich die Wirkung des Mundstückes. Man bedient sich dieser Hilfe, um ein Pferd, dass sich zurückhält, vorwärts zu treiben. Hält man im Gegenteil die Hand nahe an den Leib, so wirkt die Kinnkette stärker und das Mundstück liegt fester auf den Laden. Dieses ist bei solchen Pferden gut, welche die Nase hoch halten und auf die Hand drücken.
 
Ich habe oben gesagt, dass eine gute Hand drei Eigenschaften erhalte: dass sie leicht, weich und ruhig sei.
 
Eine leichte Hand ist diejenige, welche die Anlehnung des Mundstückes auf den Laden nicht fühlt.
 
Weich ist die Hand, wenn sie die Wirkung des Mundstückes ein wenig fühlt, ohne das Pferd zu fest zu halten.
 
Eine stäte Hand ist diejenige, die das Pferd in einer vollen Anlehnung hält.
 
Es ist eine große Kunst, diese drei verschiednen Bewegungen der Hand nach der Natur des Mauls jeden Pferdes zu vereinigen zu wissen, ohne es zu viel anzuhalten und ohne auch die wahre Anlehnung des Mauls auf einmal ganz zu verlieren und zu viel nachzugeben, nämlich, wenn man mit der Hand nachgegeben hat, welches die Verrichtung der leichten Hand ist, so muss man gelinde wieder anhalten, um nach und nach die Anlehnung des Mundstückes in der Hand wieder zu suchen und zu fühlen, welches man eine weiche Hand haben nennt. Man verhält darauf mehr und mehr, indem man das Pferd in einer stärkeren Anlehnung erhält, welches von der stäten Hand herkommt, lässt alsdann gelinde wieder nach und verringert das Gefühl des Mundstücks in der Hand, ehe man zu der leichten Hand übergeht, denn die weiche Hand muss allezeit der Wirkung der stäten Hand vorhergehen und ihr folgen. Niemals darf man auf einmal nachgeben oder festhalten, das Maul des Pferdes würde dadurch verdorben und man würde es veranlassen, mit dem Kopfe zu schlagen.
Es gibt zweierlei Arten mit der Hand nachzugeben.
 
Die erstere als die gewöhnlichste und gebräuchlichste geschieht durch das Niedrigerstellen der Zügelhand, wie ich schon gesagt habe. Die zweite Art ist: man ergreift über der linken Hand die Zügel mit der rechten Hand und indem man die Zügel in der linken Hand etwas loslässt, lässt man des Gefühl des Mundstückes in die rechte Hand übergehen; zuletzt, da man die Zügel , die in der linken Hand waren, ganz fahren lässt, lässt man die rechte Hand auf den Hals des Pferdes sinken und das Pferd befindet sich alsdann ganz frei und los. Diese letztere Art mit der Hand nachzugeben, wird das Sinken der Hand genannt (descente de main.) Man macht sie auch wohl, indem man das Ende der Zügel mit der rechten Hand ergreift und die Hand in der Höhe des Kopfes des Reiters, den Arm aber gerade vorwärts und frei hält. Man muss aber des Maules des Pferdes und seines Gehorsams wohl versichert sein, wenn man es unternehmen will, auf diese letztere Art zu führen. Wenn das Pferd auf den Schultern geht, so muss man sich wohl in Acht nehmen, dass man nicht nachgebe oder die Hand sinken lasse. Der wahre Zeitpunkt zu diese Bewegung ist, nachdem man dien halbe Parade gegeben hat und dass man fühlt, dass das Pferd die Hanken biegt, wo man den Zaum gelinde nachgibt oder aber die Hand sinken lässt.
 
Dieser Zeitpunkt, der sehr genau getroffen werden muss, der aber auch schwer zu gehöriger Zeit zu treffen ist, ist eine der feinsten und nützlichsten Hilfen in der Reitkunst, denn da das Pferd in dem Zeitpunkt, wo man ihn ganz nachgibt, die Hanken biegt, so muss es notwendig leicht in der Hand bleiben, da es nichts hat, worauf es seinen Kopf lehnt.
 
Man hat noch eine andere Art, die Zügel zu gebrauchen, die aber nicht sehr gewöhnlich ist. Die Zügel werden nämlich an den Sehelöchern der Stange befestigt, wo alsdann die Kinnkette nicht wirkt. Diese Art sich der Zügel zu bedienen, nennt man: mit falschen Zügeln arbeiten. Man bedient sich ihrer noch zuweilen bei jungen Pferden, um sie im Anfange, wenn man ihnen eine Stange gibt, an die Anlehnung des Mundstückes zu gewöhnen.
 
Der Herzog von Newcastle hat eine gelehrte Abhandlung über den Gebrauch der Zaumzügel geschrieben, indem er dem Anschein nach einige Wahrscheinlichkeit für sich hat, die aber, nach meiner Erfahrung, in der Ausübung sich zernichtet. Er sagt:“ von welcher Seite auch die Zügel angezogen werden, so geht immer das Mundstück nach der dem (angezogenen) Baum entgegen gesetzten Seite, und wenn der Baum nach innen geht, so geht das Mundstück nach außen, dergestalt,“ fährt es fort, „dass, wenn beide Zügel geteilt werden und man zieht den rechten Zügel an, so geht das Mundstück nach außen und nötigt das Pferd, außerhalb der Volte zu stehen, auch drückt man die Kinnkette auf sie äußere Seite.“
 
Die Ausübung wirft diesen Satz um, denn diese beweist uns, dass das Pferd bestimmt wird, der Bewegung der Hand nach der Seite zu folgen, wo man den Zügel anzieht. Zeiht man z.B. den rechten Zügel an, so ist das Pferd genötigt, dieser Bewegung nachzugeben und den Kopf nach dieser Seite zu bringen. Ich gebe zu, dass wenn man bloß den Zügel anzieht, ohne zu gleicher Zeit die Hand, wie erfordert weid, nach sich zuzuführen die Anlehnung stärker auf der entgegen gesetzten Seite ist. Dies aber wird doch das Pferd nicht abhalten, der Hans zu folgen und den Kopf nach dieser Seite zu bringen, weil es dem stärkeren Eindruck zu folgen genötigt ist, welcher nicht allein von der Anlehnung, die auf der äußeren Seite geschieht, kommt, sondern von den Zügel, der das ganze Mundstück wirkend macht, dasselbe anzieht und folglich auch den Kopf auf die Seite, wohin man gehen will. Bedient man sich außerdem seiner Hand zur rechten Zeit und verkürzt den inneren Zügel etwas. So drückt dann das Mundstück auf den Teil, worauf man einwirken will.
 
Hierbei ist ferner zu bemerken, dass, wenn man dem äußeren Zügel gebraucht, indem man die Hand nach innen führt, dadurch die äußere Schenkel nach der innern Seite gelenkt und das Überschreiten des äußeren Schenkels über den innern bewirkt wird. Braucht man den inneren Zügel und führt die Hand nach der äußeren Seite, so erweitert diese Bewegung die inwendige Schulter, nämlich sie macht, dass der inwendige Schenkel über den äußeren schränkt. Aus diesen verschiedenen Wirkungen des äußeren und inneren Zügels sieht man,
dass die Führung der Hand die Triebfeder ist, welche die Teile des Vorhand des Pferden in Gang bringt und dass jeder Reiter, der den Gebrauch des Zaumzügel nicht kennt, ohne Regeln und Grundsätze arbeitet.
 
 
Achtes Kapitel
 
Von den bei der Abrichtung der Pferde nötigen Hilfen und Strafen
 
Von den fünf Sinnen, womit alle Tiere von der Natur ebenso gut wie der Mensch begabt sind, gibt es drei, auf welche man bei der Abrichtung eines Pferdes arbeiten muss und diese drei sind: das Gesicht, das Gehör und das Gefühl.
 
Man richtet ein Pferd auf den Sinn des Gesichtes ab, wenn man es lehrt, sich Gegenständen zu nähern, die ihm Misstrauen erregen können, denn es gibt kein Tier, das so empfindlich für Eindrücke von noch nie gesehenen Gegenständen ist, wie das Pferd.
 
Man richtet es auf den Sinn des Gehörs ab, wenn man es an das Geräusch der Waffen, der Trommeln und anderer kriegerischen Lärmen gewöhnt, wenn man es auf den Zungenschlag, das Zwitschern der Rute, aufmerksam und gehorsam macht, zuweilen auf den sanften Ton der Stimme, die ein Reitern zu Liebkosungen anwendet oder auf einen raueren Ton, dessen er sich statt der Drohungen bedient.
 
Der Sinn des Gefühls ist indessen der nötigste, denn durch diesen lehrt man ein Pferd den geringsten Bewegung der Hand und Schenkel gehorchen, indem man dem Maul und den Seiten die mangelnde Empfindlichkeit gibt oder dies guten Eigenschaften diesen Teilen erhält, wenn sie solche schon haben. Zu diesem Endzweck wendet man Hilfen und Strafen an. Die Hilfen wendet man an, um den Fehlern zuvorzukommen, die ein Pferd begehen kann; die Strafen aber, um es in dem Zeitpunkt zu züchtigen, da es den Fehler begeht. Da nun die Pferde nur aus Furcht vor der Strafe gehorchen, so sind die Hilfen nichts anderes, als eine Warnung, die man dem Pferde gibt, dass es gestraft werde, wenn es auf sie nicht folgt.
 
 
Von den Hilfen
Die Hilfen gestehen in den verschiedenen Bewegungen der Zügelhand, in dem Zungenschlag, in dem Zwitschern und Berühren der Rute, in dem Druck der Dickbeine, der Knie und der Waden, in dem leisen Zwicken der Sporen und zuletzt in der Art, auf die Steigbügel zu treten.
 
Da ich in den vorhergehendem Kapitel die verschiedenen Bewegungen der Hand und ihre Wirkungen schon erklärt habe, so gehe ich zu den anderen Hilfen über:
 
Der Zungenschlag ist ein Ton, der durch Krümmung des Endes der Zunge nach dem Gaumen zu, und indem man sie darauf plötzlich zurückzieht und den Mund dabei etwas öffnet, hervorgebracht wird. Diese Hilfe dient zum Aufmuntern eines Pferdes, um es während des Reitens munter zu erhalten und es auf die Hilfen oder auf die Strafen, die herauf folgen, wenn es nicht darauf achtet, aufmerksam zu machen. Jedoch muss man sich diese Hilfen selten bedienen, denn es ist nicht widriger als einen Reiter beständig mit der Zunge schnalzen zu hören und es macht auch alsdann keinen Eindruck mehr auf das Gehör, als den Sinn , worauf es wirken soll. Auch darf man nicht zu stark schnalzen. Dieser Ton muss gleichsam nur von dem Pferd gehört werden. Bei dieser Gelegenheit muss ich auch kurz bemerken, dass man niemals mit der Zunge schnalzen muss, wenn man zu Fuß ist und jemand vorbei reitet. Diese ist eine Unhöflichkeit, die den Reiter beleidigt. Bei einer einzigen Gelegenheit nur ist es erlaubt und das ist alsdann, wenn man ein Pferd reiten lässt, um es zu verkaufen.
 
Ob die Rute gleich mehr zur Verschönerung des Anstandes als zur Notdurft des Reiter gereicht, so bedient man sich ihrer gleichwohl doch zuweilen mit Nutzen, Man hält sie hoch in der rechten hand, um eine freie Art zu erlangen, den Degen zu halten. Die Rute dient zugleich als Hilfe und als Strafe. Sie ist Hilfe, wenn man sie mit hohen und freiem Arm mit der Hand zwitschern macht, um ein Pferd aufzumuntern, wenn man es mit der Spitze der Rute leicht an der äußeren Schulter berührt, um es aufzurichten, wenn man die Rute unter der Hand hält, nämlich kreuzweise unter dem rechten Arm, die Spitze über der Kruppe, um im Stande zu sein, diesen Teil aufzumuntern und in Lebhaftigkeit zu setzen und zuletzt, wenn ein Mann zu fuß das Pferd vorne an der Brust damit trifft, um die Vorhand zu erheben oder auf den Knien, damit es die Arme biege.
Für die Soldatenpferde ist die Rute in Rücksicht des Degens, der anstatt der Rute in der rechten Hans gehalten werden muss, weswegen man selbige dann auch die Degenhand nennt, nicht schicklich, denn solche müssen von einer Hand zur anderen und vorwärts den Schenkeln gehorchen. Auf einer Reitbahn muss man immer die Rute auf derjenigen Seite, welche der Hand, worauf man das Pferd gehen lässt, entgegengesetzt ist, halten, weil man sie nur zum Anfeuern der äußeren Teile gebrauchen muss.
 
Durch die Schenkel des Reiters können fünf Hilfen gegeben werden, das heißt: fünferlei Bewegungen gemacht werden. Die mit den Dickbeinen, mit den Knien, mit den Waden, durch gelindes Zwicken mit dem Sporn und durch das Bügeltreten.
 
Die Hilfe mit den Dickbeinen und Knien geschieht durch das Zusammendrücken der beiden Dickbeine oder Knie. Man wenden sie an, um ein Pferd vorzutreiben oder wenn man nur das äußere Knie oder Dickbein andrückt, um es nach dem innern Schenkel zu treiben, oder wenn man das Innere andrückt, um das Pferd gerade zu erhalten, wenn es zu sehr nach innen drängt. Ich muss bemerken, dass sowohl empfindliche Pferde als solche, welche ihre Kräfte aus Bosheit zurückhalten, durch einen herzhaften Kniedruck sich eher zum Gehorsam entschließen, als durch den Sporn. Gewöhnlich halten sie sich durch den Sporn noch einige Zeit zurück, ehe sie fortgehen.
Die Hilfen mit den Waden, die durch gelinden Annähern derselben an den Bauch geschieht, dient dem Pferde, welches auf die Hilfen der Knie nicht geachtet hat, zur Nachsicht, dass die Sporen nicht weit sind, wenn es für ihren Druck nicht empfindlich ist. Diese Hilfe ist noch eine der anständigsten und nützlichsten, deren sich ein Reiter zum Zusammennehmen und Vortreiben eines ausgebildeten und folglich empfindlichen Pferdes bedienen kann, wenn es in seiner Schule träge wird.
 
Die Hilfe des gelinden Spornstiches geschieht durch gelindes Annähern derselben an den Bauch, ohne anzudrücken oder bis auf die haut durchzudringen. Dies ist eine noch stärkere Warnung als jene der Dickbeine, der Knie oder der Waden. Wenn aber das Pferd aller dieser Hilfen nicht achtet, so drückt man ihm die Sporen lebhaft in den Bauch, um es für seine Ungelehrigkeit zu strafen.
 
Die Hilfe des Steifbügeltrittes endlich ist unter allen Hilfen die gelindeste. Die Schenkel dienen alsdann zum Gegengewicht, um die Hanken wieder zu richten und das Pferd gerade zwischen beiden Schenkeln zu erhalten. Diese Hilfe setzt bei einem Pferd viel Gehorsam und Empfindlichkeit voraus, weil es durch den stärkern Tritt auf den einen oder anderen Steigbügel hervorbringt, bestimmt wird, demselben zu gehorchen. Man tritt auf den äußeren Steigbügel, um ein Pferd nach der innern Seite zu treiben oder es seitwärts gehen zu lassen. Auf den inneren tritt man, um ein Pferd gerade zu erhalten, dass zu sehr nach innen drängt oder aber man tritt gleich stark auf beide Steigbügel, um dem Pferd merklich zu machen, dass es seinen Gang beschleunige, wenn es sich zu viel zurückhält.
 
Man muss nicht glauben, dass diese große Empfindlichkeit des Mauls und der Seiten sich lange bei Pferden, die ganz der Reitschule übergeben sind, erhalten könne.
 
Durch die verschiednen Hände, die sie führen, verlieren sie jene Feinheit und Genauigkeit, die das ganze Verdienst eines wohl abgerichteten Pferdes ausmachen und das Gefühl einer so zarten Berührung stumpft sich mit der Zeit ab. Sind sie indessen nach richtigen Grundsätzen abgerichtet und ein Reiter nimmt sie wieder zusammen, so wird es bald dasjenige, was eine falsche Ausübung ihnen genommen hatte, wieder aufleben lassen.
 
  
Von den Strafen
Da die Hilfen, wie ich soeben gesagt habe, nichts anderes als eine Warnung sein, die man dem Pferd gibt, dass es gestraft wird, wenn es nicht darauf folgt, so sind folglich die Strafen nichts anderes, als die Züchtigungen, welche gleich auf den Ungehorsam folgen müssen. Die Stärke der Strafen aber muss der Natur des Pferdes angemessen sein, denn öfters sind mäßige, aber wohl beurteilte und zu gehöriger Zeit gegebene Strafen hinlänglich, ein Pferd gehorsam zu machen. Außerdem hat man den Vorteil, das Pferd auf diese Art bei Lust und Mut zu erhalten, seinen Gängen mehr glänzenden Anstand zu geben und in einer guten schule lange auszudauern.
 
Gemeiniglich wendet man dreierlei Arten von Strafen an: die Peitsche, die Rute und die Sporen.
 
Die Peitsche ist die erste Strafe, deren man sich bedient, um jungen Pferden Furcht zu erregen, wenn man sie an der Longe traben lässt, welches der erste Unterricht ist, den man ihnen gibt, wie ich in der Folge erklären werde. Man bedient sich ferner der Peitsche, um das Pferd zwischen den Pilaren zu lehren, so wie auch faule Pferde, die sich zurückhalten und einschlafen, vorzutreiben. Schlechterdings notwendig ist sie bei stätigen, spornstätigen und solchen Pferden, die für Sporn unempfindlich sind, denn man muss wohl bemerken, dass wohl angebrachte und zu rechter Zeit gegebene Peitschenhiebe das eigene haben, dass sie viel mehr Eindruck machen und ein boshaftes Pferd viel besser vorwärts jagen, als wenn man es mit dem Sporn sticht oder kitzelt.
 
Mit der Rute straft man auf zweierlei Art. Die erste Strafe ist, wenn man ein Pferd hinter dem Stiefel stark auf den Bauch und die Arschbacken schlägt, um es vorwärts zu treiben. Die zweite ist, wenn man einem Pferd, das aus Bosheit anhaltend ausschlägt, einen starken Schlag auf die Schultern gibt. Diese Züchtigung verbessert diese Untugend mehr las die Sporen, denen es nur dann gehorchen wird, wenn es sie fürchtet und kennt.
 
Die Strafe der Sporen ist ein herrliches Mittel, um ein Pferd für Hilfen empfindlich und fein zu machen. Indessen aber wird ein kluger und geschickter Reiter mit diese Strafe sparsam sein. Man muss sie im nötigen Fall kräftig gebrauchen, jedoch selten, denn nichts bringt ein Pferd mehr in Verzweiflung und macht es verächtlicher, als zu häufige und unzeitig angebrachte Spornstöße. Die Spornstöße müssen in den Bauch, ungefähr vier Finger breit hinter den Longen, gegeben werden, denn drückt man die Sporen zu sehr nach hinten ein, nämlich in die Flanken, so würde das Pferd, weil dieser Teil zu empfindlich und zu kitzlig ist, statt vorwärts zu gehen, stehen bleiben und hinten ausschlagen. Drückt man sie hingegen in die Longe ein (ein Fehler, dem diejenigen ausgesetzt sind, welche zu kurz und mit auswärts gedrehten Schenkeln reiten), so würde die Strafe unnütz und ohne Wirkung sein.
 
Wenn man die Sporen gut geben will, so muss man sanft mit den Waden herannahen und sie darauf in den Bauch drücken. Diejenigen, die ihre Schenkel auseinandersperren und auf einmal die Sporen eindrücken als ob sie einen Faustschlag geben wollten, überraschen und erschrecken ein Pferd und es folgt nicht so willig darauf, als wenn es vorher durch das unmerkliche Herannahen der Waden davor gewarnt wurde. Andere kitzeln durch ihre schlappen Schenkel unaufhörlich mit ihren Sporen an dem Bauch, wodurch sich die Pferde des Schweifwedeln im Gehen angewöhnen, eine für alle Arten von Pferden äußerst unangenehme Sache, am meisten aber noch für ein abgerichtetes Pferd.
 
Bei stäten und spornstätigen Pferden darf man sie Sporen nicht so spitz haben, denn anstatt diese Fehler zu verbessern, würde man sie noch durch andere vermehren. Es gibt einige, die, wenn man sie zu stark spornt, aus Wut pissen; andere werden sich gegen die Mauer; wieder andere bleiben plötzlich stehen und legen sich zur Erde. Wenn man Pferde, die diese Laster haben, an die Sporen gewöhnen will, so muss man sie nur nach der Peitsche und währenddem sie frisch von der Hand galoppieren, anwenden.
 
Bei einigen Pferden wird die Hilfe des gelinden Spornstiches auch zur Strafe: bei solchen nämlich, die sehr fein für die Hilfen und selbst so empfindlich sind, dass man gänzlich nachgeben muss und sich nicht steif auf ihnen halten darf, weil sie sonst Sätze und Sprünge machen würden. Der gelinde Spornstoß also bringt bei dieser Art von Pferden dieselbige, ja selbst eine größere Wirkung hervor, als herzhafte Spornstöße bei denen, die nur eine gewöhnliche Empfindlichkeit haben, nicht verursachen würden.
 
Man muss die Natur eines Pferdes gut kennen, wenn man von den Strafen einen guten Gebrauch machen will. Sie müssen der Größe des begangenen Fehlers und der Art, wie es sie annimmt, angemessen werden, um damit fortzufahren sie zu verstärken oder zu verringern oder nach seiner Anlage und Stärke ganz aufzuhören. Die Fehler, welche ein Pferd begeht, muss man nicht alle für Laster halten, denn größtenteils entstehen sie aus Unwissenheit und öfters aus Schwäche.
 
Hilfen und Strafen müssen mit viel Fertigkeit und Geschwindigkeit gegeben werden und ohne dass man große Bewegungen dabei mache. In dem Zeitpunkt, da der Fehler begangen wird, müssen auch die Strafen angewendet werden, denn sonst würden sie mehr schädlich als nützlich sein. Vorzüglich aber darf man nie ein Pferd aus Laune oder Zorn strafen, sondern jederzeit mit kaltem Blute. Mit einem Wort: man kann sagen, dass die Behutsamkeit in der Anwendung der Hilfen und Strafen eines der schönsten Stücke des Reiters ist.
 
 
 
Neuntes Kapitel
Von der Notwendigkeit des Trabes, um junge Pferde gelenkig zu machen und von dem Nutzen des Schrittes
 
Der Herr de la Broue konnte keine richtigere Beschreibung von einem wohl abgerichteten Pferde machen, als wenn er sagte, dass es das sein, welches biegsam und gehorsam sei und Genauigkeit in seinen Gängen beobachte. Ein Pferd, dessen Körper nicht vollkommen frei und biegsam ist, kann dem Willen des Menschen nicht mit Leichtigkeit und Anstand gehorchen. Die Biegsamkeit bringt notwendig die Gelehrigkeit hervor, denn es kostet alsdann das Pferd leine Mühe, dasjenige zu tun, was man von ihm verlangt. Die also sind die drei wesentlichen Eigenschaften, die das ausmachen, was man ein wohl zugerittenes Pferd nennt.
 
Die erste Eigenschaft erhält man nur durch den Trab. Diese ist die einstimmige Meinung aller geschickten sowohl alten als neuen Bereiter. Und wenngleich einige dieser letzteren den Trab ohne einigen Grund haben verwerfen wollen und durch einen verkürzten Schritt diese erste Biegsamkeit und Freiheit zu erhalten glaubten, so haben sie sich doch betrogen, denn man kann diese einem Pferde nicht geben, als nur , wenn man alle Teile seiner Maschine in eine starke Bewegung setzt. Durch jene Künstelei aber schläfert man die Natur ein und der Gehorsam wird weichlich, matt und langsam, Eigenschaften, die von dem wahren Glänzenden , welches die Zierde eines wohl abgerichteten Pferdes ausmacht, weit entfernt sind.
 
Durch den Trab, welcher der natürlichen Gang ist, macht man ein Pferd leicht in der Hand, ohne ihm das Maul zu verderben und entbindet seine Glieder, ohne sie zu verderben, denn in diesem Gang, welcher der erhabenste unter allen natürlichen Gängen ist, wird der Körper des Pferdes auf zwei Schenkeln im Gleichgewicht gehalten, auf dem einen vorderen und dem anderen hinteren. Dies verschafft den beiden anderen, welche in der Luft sind, die Leichtigkeit, sich zu heben, zu erhalten, vorwärts zu greifen und folglich den ersten Grad der Biegsamkeit in allen Teilen des Körpers.
 
Der Trab ist also, ohne Widerrede, der Grund von allen Schulen, wenn man ein Pferd gewandt und gehorsam machen will. So vortrefflich indessen eine Sache nach ihren Grundsätzen sein kann, so darf man jedoch keinen Missbrauch davon machen, indem man ein Pferd Jahre lang traben wollte, wie man es ehedem in Italien machte und wie es noch gegenwärtig in einigen Ländern geschieht, wo die Reiterei sonst in großem Rufe stand. Die Ursache davon liegt auf der Hand: denn die Vollkommenheit des Traben entspringt aus der Stärke der Glieder und diese Stärke und natürliche Kraft, die man notwendig bei einem Pferd erhalten muss, geht verloren und erlöscht durch die Entkräftung und Ermüdung , welche die Folge von einer zu gewaltsamen und zu lange anhaltenden Abrichtung sind. Eben diese Fehler werden auch von denjenigen begangen, die junge Pferde auf höckerigem Boden und gepflügten Äckern traben lassen. Dies ist die Quelle, woraus die Gallen, Die Curbe, der Spat und andere Krankheiten der Kniekehlen kommen. Zufälle, die bei sehr rechtschaffenen Pferden entstehen, wenn ihnen die Nerven und Sehnen durch die Unvernunft derer geschwächt werden, die einen Ruhm darin suchen, ein Pferd in kurzer Zeit zu bändigen oder vielmehr es zu Grunde zu richten als zu zähmen.
 
Die an den Kapzaum auf der Nase des Pferdes befestigte Longe und die Peitsche sind die ersten und die einzigen Werkzeuge, deren man sich auf einem ebenen Boden bei jungen Pferden, die noch nicht geritten worden sind, oder bei solchen, die schon geritten sind, die aber aus Unwissenheit, Bosheit oder Steifigkeit fehlen, bedienen muss, um sie traben zu lehren.
 
Wenn man ein junges Pferd an der Longe traben lässt, so muss man ihm anfänglich keinen Zaum, sondern eine Trense anlegen, denn auch das gelindeste Mundstück würde ihm, bei den falschen Bewegungen und Sprüngen die junge Pferde gemeiniglich zu machen pflegen, ehe sie noch den ersten Gehorsam erlangt haben, den man von ihnen verlangt, das Maul beleidigen.
 
Ich setze also ein Pferd voraus, das in dem Alter ist, dass es geritten werden kann und das man hinlänglich vertraut und gelehrig gemacht hat, die Annäherung des Menschen, des Sattels und der Zäumung zu leiden. Alsdann muss man ihm einen Kapzaum antun, denselben aber hoch genug legen, dass er dem Pferde im Traben das Atemholen nicht benehme. Der Nasenriemen des Kapzaumes wird gehörig fest geschnallt, damit er nicht auf der Nase hin und her wackele. Der Kapzaum muss außerdem mit Leder überzogen sein, um die Haut auf der Nase, die bei jungen Pferden sehr zart ist, zu erhalten.
 
Zwei Personen zu Fuß müssen diesen Unterricht begleiten: der eine hält die Longe und der andere die peitsche. Derjenige, der die Longe hält, muss in dem Mittelpunkt des Kreises stehen, in welchem er das Pferd traben lässt und derjenige, der die Peitsche führt, folgt dem Pferd von hinten und treibt es mit diesem Instrument durch leichte Schläge auf die Kruppe, noch Häufigere aber auf die Erde, vorwärts. Anfänglich muss man mit dieser Strafe sehr sparsam sein, damit man ein Pferd, das hieran noch nicht gewöhnt ist, nicht abschrecke. Hat das Pferd drei- bis viermal auf einer Hand herumgelaufen und gehorcht, so lässt man es still halten und schmeichelt ihm. Dieses wird bewerkstelligt, wenn man nach und nach die Longe verkürzt, bis es in dem Mittelpunkt angelangt ist und alsdann muss derjenige, der die Peitsche hält, selbige hinter sich verbergen, damit sie das Pferd nicht sieht, und seine Schmeicheleien mit demjenigen, der die Longe hält, vereinigen.  
  
Nachdem man es hat verschnauben lassen, lässt man es auf der anderen Hand traben und beobachtet dabei das nämliche. Da es sich aber oft ereignet, dass ein Pferd entweder aus zu großer Munterkeit oder aus Furcht vor der Peitsche anstatt zu traben galoppiert, welches nichts taugt, so muss man durch leichtes Rütteln des Kapzaumes auf der Nase mit der Longe es zu unterbrechen suchen und zu gleicher Zeit die Peitsche, um ihm die Furcht zu nehmen, weghalten. Wenn es aber in Gegenteil von sich selbst stehen bleibt und sich zu traben weigert, so muss man es mit der Peitsche auf der Kruppe und an den Arschbacken so lange treffen, bis es vorwärts geht, ohne es jedoch zu viel zu schlagen, denn starke und oft wiederholte Schläge bringen ein Pferd zur Verzweiflung, machen es lasterhaft, zum Feind des Menschen und der Reitbahn und berauben es jener Zierlichkeit, die niemals wieder kommt, wenn sie einmal verloren ist. Aus demselbigen Grunde darf man es auch nicht zu lange traben lassen, denn dies ermüdet ein Pferd und macht es verdrießlich. Vielmehr muss man es mit derselben Munterkeit, mit der es aus dem Stalle kam wieder in denselben zurückschicken.
 
Wenn ein Pferd anfängt, auf jeder Hand frei weg zu traben und wenn man es gelehrt hat, in die Mitte zu kommen und aufzuhören, so muss man es alsdann das Wechseln lehren. Zu dem Ende tritt derjenige, welcher die Longe hält, zwei bis drei Schritte, in der Zeit, dass das Pferd auf einer Hand trabt, zurück und zieht den Kopf des Pferdes an sich. Zu gleicher Zeit muss derjenige, welcher die Peitsche führt, nach der äußeren Schuler des Pferdes gehen, um es zum Wenden auf die andere Hand zu bewegen. Er zeigt ihm die Peitsche oder trifft es auch wohl, wenn es sich weigert, zu gehorchen, und darauf lässt er es in der Mitte aufhören, still halten , schmeichelt ihm und schickt es fort.
 
Damit aber der Trab an der Longe um so vorteilhafter sei, so muss man sich angelegen sein lassen, den Kopf des Pferdes mit der Longe nach innen zu zeihen und ihm zu gleicher Zeit mit der Peitsche die Kruppe hinaus zu treiben und sie einen größeren Zirkel machen zu lassen, als derjenige ist, den die Schultern beschreiben, welches dem der die Longe hält ,die Leichtigkeit verschafft, die äußere Schulter des Pferdes nach innen und an sich zu ziehen, deren zirkelförmige Bewegung , welche sie in dieser Stellung zu machen genötigt ist, ein Pferd biegsam macht.
 
Hat man das Pferd zum Gehorsam diese ersten Unterrichtes gebracht, welches in wenigen Tagen geschehen wird, wenn man sich dabei nach der soeben beschriebenen Art benimmt, so muss es alsdann bestiegen werden, wobei man aber alle die nötige Vorsicht anwendet, um es bei dem Aufsitzen gelassen zu machen. Wenn der Reiter im Sattel ist, so sucht es dem Pferde die ersten Anfangsgründe der Kenntnis der Hand und der Schenkel beizubringen, welches auf folgende Art bewerkstelligt wird:
Er hält die Trensenzügel geteilt in beiden Händen und wenn es sein Pferd in Gang setzen will, so stellt er beide Hände tiefer und nähert leise beide Waden dem Bauch des Pferdes, ohne aber Sporn zu haben, welche er im Anfange noch entbehren muss. Wenn das Pferd diesen ersten Hilfen nicht folgt, wie dieses unfehlbar geschehen wird, da es sie noch nicht kennt, so muss man ihm mit der Peitsche, der es schon zu weichen gewohnt ist, Furcht machen, dergestalt, dass sie zur Strafe dient, wenn das Pferd vor den Schenkeln des Reiters nicht vorwärts gehen will. Jedoch muss man sich ihrer nur in dem Zeitpunktbedienen, wo das Pferd den Hilfen der Knie und der Waden zu gehorchen versagt.
 
Desgleichen, wenn man das Pferd lehren will, der Wendung der Hand zu folgen, so muss derjenige, der die Longe hält, in dem Zeitpunkt da der Reiter den inneren Trensenzügel anzieht und das Pferd darauf nicht wenden will, den Kopf an sich ziehen und es zum Wenden nötigen. Dieses ist demnach ein Mittel, ein Pferd zu lehren, dass es der Wendung der Hand folge, so wie die Peitsche, damit es den Schenkeln weiche, bis es zuletzt gewöhnt ist, der Hand zu folgen und den Schenkeln des Reiters zu weichen, welches in kurzer Zeit geschehen wird, wenn man die ersten Hilfen mit der im Anfang bei jungen Pferden nötigen Beuteilung und Behutsamkeit anwendet, denn größtenteils entstehen die Laster und Unordnungen, in welche Pferde in der Folge verfallen, daher, weil man bei diesem ersten Unterricht nicht die gehörige Vorsicht gebraucht hat.
 
Wenn das Pferd willig zu gehorchen anfängt und ohne Stocke sowohl der Wendung der hand als dem Druck der Schenkel zum Vorwärtsgehen und Wechseln , wie ich soeben angewiesen habe, folgt, so muss man alsdann untersuchen, von welcher Natur es ist, um seinen Trab nach seiner Anlage und seinen Mut einzurichten. Insgeheim findet man bei Pferden zweierlei Arten von Naturen: einige halten ihre Kräfte zurück und sind gemeiniglich leicht in der hand, andere gehen auseinander und schlendern nachlässig weg und sind größtenteils schwer in der Hand oder ziehen in die Hand und strecken die Nase weg.
 
Was diejenigen betrifft, die von Natur ihre Kräfte zurückhalten, so muss man solche in einen gestreckten und beherzigten Trab führen, um ihnen die Schultern und Hanken zu entbinden. In Ansehung der anderen, die von Natur schwer sind oder in die Hand ziehen, indem sie die Nase wegstrecken, so muss bei solchen der Trab erhabener und verkürzter sein, damit man sie vorbereite, sich beisammen zu halten. Die einen und die anderen indessen müssen in einem gleichförmigen und steten Trab erhalten werden, ohne dass sie die Hanken schleppten und in diesem Gang müssen sie von Anfang bis zu Ende, mit gleicher Kraft, unterhalten werden, jedoch ohne, dass man sie zu lange trabe.
 
Bei diesem ersten Unterricht in Trabe darf man aber weder den Endzweck haben, dem Pferd ein gutes Maul zu machen, noch einen Kopf in eine Stete Stellung zu bringen. Hiermit muss man warten, bis es entbunden ist und die Leichtigkeit erlangt hat, sich ohne Mühe auf beiden Händen zu wenden. Durch dieses Mittel wird man ihm die Empfindlichkeit des Mauls erhalten und deshalb ist der Gebrauch der Trense in dem Anfange vortrefflich, denn sie liegt sehr wenig auf dem Laden und gar nicht auf dem Kinn, einem sehr zarten Teil, und wo, wie der Herzog von Newcastle sehr richtig sagt, das wahre Gefühl des Mauls des Pferdes seinen Sitz hat.
 
Wenn das Pferd anfängt, der Hand und den Schenkeln ohne Hilfe der Longe und der Peitsche zu gehorchen, so muss man es alsdann - und nicht eher – weit aus, nämlich ohne Longe , auf einer geraden Linie, außer dem Kreise, führen um es gerade zu richten, oder vielmehr geradeaus gehen und die Reitbahn kennen zu lehren. Solbad es auf den vier Linien und in die vier Ecken des Viereckes, auf welchen man es führt, im Schritt gut geht, so muss man es darauf auf den nämlichen vier Linien, jederzeit mit geteilten Trensenzügeln in beiden Händen, im Trab führen. Von den vier Reprisen, die jeden Tag und jedes Mal, wenn man ein Pferd reitet, genug sind, muss man wechselweise zwei im Schritt und die andern zwei im Trab machen, mit dem Trab aber immer aufhören, weil nur dieses der Gang ist, der sie erste Beweglichkeit gibt.
 
Fährt das Pferd fort, im Schritt und Trab mit der Trense leicht zu gehorchen, so muss man ihm einen Zaum mit einem geschlossenen Mundstück und geradem Baum anlegen, welches sie erste Zäumung ist, die man jungen Pferden gibt, wie ich im ersten Teil erklärt habe.
 
 
 
Vom Schritt
 
Ob ich gleich den Trab als den ersten Grund der Freiheit ansehe, die man Pferden geben muss, so will ich deshalb doch den Schritt nicht ausschließen. Der auch sein besonderes Verdienst hat.
 
Man hat zweierlei Arten des Schrittes: den Feldschritt und den Schulschritt.
 
In dem Kapitel der natürlichen Bewegungen habe ich den Feldschritt beschrieben. Ich habe gesagt, dass er der niedrigste und der langsamste unter allen Gängen ist, welches diesen Gang sanft und bequem macht, weil das Pferd in dieser Bewegung nahe an der Erde mit seinen Schenkel vorgreift. So wird der Reiter nicht erschüttert wie in den übrigen Gängen, wo die Bewegungen erhaben und von der Erde entfernt sind und wo man unaufhörlich mit seiner Stellung beschäftigt ist, wenn man anders nicht eine starke Übung hat.
 
Der Schulschritt ist darin von dem Feldschritt verschieden, dass sie Bewegungen in dem ersten taktmäßiger, abgekürzter und vereinigter ist, wodurch er eine große Hilfe abgibt, dem Pferde ein gutes Maul zu machen, ihm das Gedächtnis zu stärken, es mit dem Reiter zu versöhnen und ihm das Unangenehme und die Furcht vor gewaltsamen Schulen, welche man zu dessen vermehrter Beweglichkeit anwenden muss, erträglich zu machen und es hierin in dem Masse zu befestigen, das es in dem Gehorsam vor der Hand und den Schenkelen weiterkommt. Dieses sind die Vorteile, die man aus dem Schulschritt zieht. Sie sind so groß. Dass es kein auch noch so gut gerittenes Pferd gibt, dem die Schule nicht sehr vorteilhaft sei.
 
Da indessen ein junges Pferd, wenn es aus dem Trab kommt, wobei es ausgestreckt ging, nicht sobald in einen vereinigten Gang, wie der Schulschritt ist, zusammengenommen werden kann, so verlange ich keineswegs, dass man es in diesem Zwang halte, bis es vorher durch Paraden und halbe Paraden, wovon ich in dem folgenden Kapitel reden werde, dazu vorbereitet ist. In einem langsamen und nicht sehr verkürzten Schritt muss man also ein Pferd führen, welches gut zu traben anfängt, um ihm Sicherheit und Gedächtnis zu geben. Damit es aber im Schritt die Schulterfreiheit behalte, so muss man es fleißig auf geraden Linien führen, wo man es bald rechts, bald links, auf einer neuen, mehr oder weniger langen Linie wendet, ja nachdem es sich zurückhält oder in der Hand liegt.
 
Man muss nicht den ganzen Körper des Pferdes auf diesen verschiednen Linien wenden, sondern nur die Schultern, indem man es nach der Wendung jederzeit vorwärts gehen lässt. Diese Art, die Schultern im Schritt öfters auf geraden Linien ohne Unterschied auf beiden Händen zu wenden und ohne einige Rücksicht auf das Ebenmaß des Bodens, sondern nur zu wenden und nach dem Willen des Reiters gerade zu gehen, ist ungleich besser, als das Pferd auf einen Zirkel zu führen, denn nach jeder Art hält man immer die Hinterhand auf der Linie. Jedoch muss man ein Pferd wieder in den Kreis nehmen, wenn es steif und hart wird oder sich auf einer Hand widersetzt. Dieses ist das beste Mittel, auch sehe ich es für eine Strafe an und rate deswegen, jedes Pferd, das bei der Abrichtung in den ersten Anweisungen sich widersetzt, wieder an die Longe zu tun. Diese Strafe wirkt und bessert mehr bei einem Pferd, als alle Züchtigungen, die man ihm in der Freiheit geben könnte.
 
So vortrefflich aber auch diese Übung ist, ein Pferd öfters geraden und verschienen Linien zu führen, damit es mit Leichtigkeit wenden lerne, so muss man es doch, wenn es herinnen folgsam ist und wenn man ein Pferd zum Spazieren reiten abrichten will, auf eine einzige gerade Linie führen, um ihm einen guten ausgestreckten Schritt zu verschaffen, wo man es nur von Zeit zu Zeit wendet, um es in dem Gehorsam der Hand und Schultern biegsam zu erhalten. Man muss es deswegen in das Feld reiten, weil der Raum einer Reitbahn zu begrenzt ist.
 
Wenn man merkt, dass das Schritt der Natur eines faulen und schläfrigen Pferdes nicht angemessen ist, weil es noch nicht Geleksamkeit genug   hat, so muss man es wieder in einen starken und beherzten Trab setzen und es selbst so lange mit Sporn und Rute züchtigen , bis es zuletzt einen empfindlichen und munteren Schritt annimmt.
 
 
 
Zehntes Kapitel
Von der Parade, der halben Parade und dem Rückwärtsrichten
 
Nachdem ich in dem vorhergehenden Kapitel deutlich bewiesen haben, dass der Trab das einzige Mittel ist, jungen Pferden die erste Biegsamkeit zu geben, deren sie, um zu dem Gehorsam zu kommen, bedürfen, so muss ich nunmehr zu einer anderen Übung schreiten, die nicht minder nützlich ist, weil sie darin besteht, dieselben vorzubereiten, sich auf die Hanken zu setzt, damit sie angenehm und leicht in der Hand werden. Man sagt von einem Pferd, es sein auf den Hanken, wenn es selbige unter sich senkt und biegt, indem es die Hinterfüße und Kniekehlen unter dem Bauch vorsetzt und auf den Hanken sich ein natürliches Gleichgewicht verschafft, das der Vorhand, als dem schwächsten Teil, dasGegengewicht hält und es angenehm und leicht in der Hand macht.
 
Es muss hier bemerkt werden, dass ein Pferd im Gehen von natur aus bewogen wird, sich der Stärke seines Rückens, seiner Hanken und seiner Kniekehlen zu beidienen, um seinen ganzen Körper vorwärts zu stoßen, dergestalt, dass , da seine Schultern und Arme diese Bewegung zu unterstützen beschäftigt sind, es notwendigerweise auf den Schultern liegen und folglich schwer in der Hand sein muss. Um ein Pferd auf die Hanken zu setzte und ihm den Fehler zu nehmen, auf den Schultern zu gehen, haben die Reiter ein Mittel in der Parade, der halben Parade und in dem Rückwärtsrichten gefunden.
 
Von der Parade
Die Parade ist die Wirkung der Bewegung der Zügelhand, wenn man damit den Kopf des Pferdes und die übrigen Teile der Vorhand verhält und zu gleicher Zeit die Hanken mit den Waden sanft vortreibt, so dass der ganze Körper des Pferdes sich in dem Gleichgewicht hält, indem es auf seinen Hinterschenkeln und Hinterfüßen bleibt. Diese Schule, die sehr nützlich ist, um ein Pferd leicht in der Hand und angenehm für den Reiter zu machen, ist für das Pferd bei weitem schwerer, als das demselben viel nützlichere Wenden.
 
Um eine Parade gut zu geben, muss das Pferd vorher etwas angefeuert werden und in dem Zeitpunkt, da man fühlt, dass es geschwinder geht, als die Kadenz seines Ganges ist, müssen, indem man ihm leise mit den Waden hilft, die Schultern ein wenig zurückgebracht und der Zaum je mehr und mehr feste gehalten werden, bis die Parade gemacht ist, nämlich bis das Pferd ganz stille steht. Die Ellenbogen müssen, da man den Oberleib zurückbringt, ein wenig nahe an den Leib gedrückt werden, um mehr Stetigkeit in der Zügelhand zu haben. Auch ist es nötig, dass sich das Pferd bei der Parade gerade halte, damit sie auf den Hanken gemacht werde, denn wenn einer von den beiden Hinterschenkeln aus der Linie der Schultern weicht, so steht das Pferd bei dieser Schule schief und kann nicht auf den Hanken sein.
 
Die Vorteile, die man aus seiner gut gemachten Parade zieht, sind : die Kräfte des Pferdes zu vereinigen, ihm Anlehnung zu verschaffen, den Kopf und die Hanken gehörig zu stellen und es leicht in der Hand zu machen. So nützlich aber auch die Paraden sind, wenn sie zur rechten Zeit gemacht werden, ebenso schädlich sind sie, wenn man sie zur Unzeit macht. Um sie gut anbringen zu wissen, muss man die natur des Pferdes zu Rate zeihen, denn die besten Schulen, die bloß diese natur zu vervollkommnen erfunden hat, würden eine verkehrte Wirkung hervorbringen, wenn man sie durch unzeitige Anwendung missbrauchte.
           
Bei dem ersten Anschein von Leichtigkeit und Gewandtheit im Trab und der Wendung auf beiden Händen fängt man an, das Pferd zu parieren. Jedoch muss dieses von Anfang selten und so geschehen, dass man es nach und nach sanft anhält. Durch eine plötzliche ungestüme Parade, gleichsam, als setzt man das Pferd auf einmal auf den Hinterteil, würde man den Rücken und die Kniekehlen schwächen, ja, man könnte ein junges Pferd, das noch nicht sein ganzes Vermögen hat, auf immer lähmen.
 
Außer den jungen Pferden, die man niemals zu sehr zusammentreiben noch zu stark parieren darf, gibt es andere, die man wegen eines fehlerhaften Baues oder wegen natürlicher Schwäche mit der Parade verschonen muss, welches ich hier noch näher untersuchen werde.
1. Da der Kopf der erste Teil ist, den man bei der Parade herbeibringen muss, so wird ein Pferd mit engen Kinnbacken diese Schule schwerlich aushalten. Desgleichen, wenn der Hals übel gemacht oder verletzt ist., was man Hirschhals nennt, so wird es den Kopf auf die Brust setzen und die Parade wird hart und gebogen werden. Wenn die Füße schwach oderschmerzhaft sind, so wird es die Parade meiden und es wird sich noch mehr auf die Vorhand und den Zaum legen, wenn die Schwäche von den Schenkeln, den Schultern oder den Hanken herrührt.
2. Lang geschlossene und empfindliche Pferde sind gemeiniglich schwach von Rücken und machen folglich üble Paraden, wegen der Schwierigkeit, die sie haben, Ihre Kräfte zu vereinigen, um sich auf die Hanken zurückzubringen. Dieses verursacht bei ihnen mehrere Unordnungen, denn entweder weigern sie sich, nach einer Parade wieder vorwärts zu gehen, oder sie gehen eine Art halben Paß oder Mittelgalopp oder aber, wenn sie gehorchen, so legen sie sich auf die hand, um den Zwang einer neuen Parade auszuweichen.
3. Senkrückige Pferde, die einen schwachen und gebogenen Rücken haben, bringen mit Mühe ihren Kopf bei der Parade in die gehörige Stellung, weil die Stellung des Halsgenickes von jener des Rückens abhängt, und wenn ein Pferd in diesen Teilen einige Schmerzen leidet, so bezeigt es solchen durch unangenehme Stellungen des Kopfes.
4. Zu empfindliche, ungeduldige und zornige Pferde sine Feinde von dem geringsten Zwang und folglich auch von der Parade. Gemeinhin haben sie ein hartes und schlechtes Maul, weil die Ungeduld und das Feuer ihnen das Gedächtnis und das Gefühl des Mauls nimmt und die Hilfen der Hand und der Schenkel unnütz manchen.
5. Endlich gibt es Pferde, die, obgleich sie schwach sind, doch ganz kurz parieren, um die Parade des Reiters zu vermeiden, und da sie den Betrug befürchten, wollen sie nachher nicht wieder fortgehen. Andere, von derselbigen Natur drängen auf die Hand, wenn sie merken, dass man sie parieren will. Die einen und die anderen müssen selten und dann pariert werden, wenn die es nicht erwarten.
 
Die Parade ist also nur für solche Pferde nützlich, die einen guten Rücken und die erforderliche Kraft in den Hanken und Kniekehlen haben, diese Bewegung auszuhalten. Die Parade muss im Trab in einem Zeitpunkt gemacht werden, wenn die Hinterfüße gerade stehen, so dass keiner dem anderen vor, noch das Pferd schief steht, welches des Pferd gleichförmig auf die Hanken setzt. Im Galopp aber, wo sich das Pferd gestreckter als im Trab bewegt, muss man es in zwei oder drei Zeitpunkten parieren, wenn sie Vorderfüße wieder zur Erde niederfallen, damit es aber, wenn es sich wieder hebt, auf den Hanken sei. Aus diesem Grunde hilft man ihm ein wenig mit den Knien oder Waden, indem man es mit der Hand verhält, damit es die Hanken biegt und unter sich nehme. Ich muss noch anführen, dass blinde Pferde aus Furcht, einen Fehltritt zu tun, viel leichter als andere parieren.
 
 
Von der halben Parade
Die halbe Parade wird gemacht, wenn man die Zügelhand mit etwas aufwärts gedrehten Nägeln nahe an sich hält, ohne jedoch das Pferd auf einmal zu parieren, sondern nur, indem man die Vorhand verhält, wenn es sich auf das Mundstück lehnt oder wenn man es herbeibringe oder zusammennehmen will.
 
Ich habe oben gesagt, dass die Parade nur für eine sehr geringe Anzahl Pferde nützlich ist, weil man sehr wenige unter ihnen findet, die Stärke genug in dem Rücken und den Kniekehlen haben, um sie auszuhalten. Der größte Beweis, den ein Pferd von seinem Gehorsam und Vermögen nur geben kann, ist eine stete und leichte Parade nch einem geschwinden Lauf. Selten aber findet man dieses, denn ein Pferd muss ein gutes Maul und vortreffliche Hanken haben, wenn es aus einem schnellen Gang plötzlich zur Ruhe übergehen soll und da solche heftigen Paraden ein Pferd verderben und abschrecken können, so wendet man sie auch nur an, um es auf die Probe zu setzen.
 
Eine ganz andere Beschaffenheit hat es mit der halben Parade, denn in derselben hält man das Pferd nur etwas schärfer mit der hand, ohne es auf einmal zu parieren. Das Pferd wird hierdurch nicht in solche Furcht gesetzt und man stellt ihm mit weniger Zwang als bei der Parade den Kopf und die Hanken stete. Sie ist deswegen weit nützlicher, um ihm ein gutes Maul und es leicht in der Hand zu machen. Man kann sie öfters wiederholen, ohne den Gang des Pferdes zu unterbrechen und da man es durch diese Hilfe herbeibringt und ihm die Vorhand verhält, so nötigt man es folglich zu gleicher Zeit, die Hanken zu senken, welches gerade dasjenige ist, was man verlangt.
 
Die halbe Parade ist also für alle Arten von Pferden dienlich. Jedoch gibt es einige, bei denen man sparsam damit sein muss. Z.B. wenn ein Pferd sich von selbst zurück hält, so gibt man ihm keine halben Paraden, als nur, wenn man ihm Anlehnung verschaffen will und damit es auf diese Bewegung nicht auf einmal stehen bleibe, muss man ihm mit den Knien oder Waden, oder nachdem es sich mehr oder weniger zurück hält, selbst mit den Sporen helfen. Legt es sich aber zu sehr auf die Hand, so muss man öfters halbe Paraden geben, aber nur bloß mit der Zügelhand, ohne einige Hilfe der Knie und der Waden. Gegenteilig muss man mit den Schenkeln nachgeben, weil es sich sonst noch mehr auf die Vorhand legen würde.
 
Wenn aber das Pferd ungeachtet einer Parade oder halben Parade fortfährt, sich auf das Mundstück zu legen, in die Hand zu drücken oder wohl gar in dieselbe zu drängen und gegen den Willen des Reiters fort zu gehen, so muss man es alsdann zur Strafe für seinen Ungehorsam nach der Parade Rückwärtsrichten lassen.
 
 
Vom Rückwärtsrichten
Bei dem Rückwärtsrichten eines Pferdes wird die Zügelhand ebenso gestellt, wie bei der Parade. Will man ein Pferd gewöhnen, leicht zurück zu gehen, so muss man, nachdem man es pariert hat, den Zaum mit aufwärts gewendeten Nägeln so anhalten, als ob man eine wiederholte Parade geben wollte. Gehorcht es hierauf, nämlich geht es ein oder zwei Schritte zurück, so muss man ihm nachgeben, damit das Gefühl wieder auf die Laden zurückkehrt, weil man sonst diesen Teil einschläfern und unempfindlich machen und das Pferd, anstatt zu gehorchen und zurück zu gehen, in die Hand drängen oder Sprünge machen würde.
 
Obgleich das Rückwärtsrichten bei einem Pferde, das in der Parade nicht gehörig Gehorsam leistet, als eine Strafe anzusehen ist, so ist es jedoch auch ein Mittel, um es dahin zu bringen, dass es sich auf die Hanken setzt , sie Hinterbeine richtig stelle, dem Kopf stete halte und leicht in der Hand werde.
 
Wenn ein Pferd Zurückgeht, so steht immer einer seiner Hinterschenkel unter dem Leib, es stößt die Kruppe zurück und ist bei jeder Bewegung bald auf der einen, bald auf der andern Hüfte. Ein Pferd kann indessen nicht gut Rückwärtsrichten und man darf es auch nicht verlangen, bis es anfängt, biegsam und in der Parade gehorsam zu werden, denn wenn die Schultern frei sind, so kann man die Vorhand leichter an sich ziehen, als wenn sie noch steif sind und da diese Übung an dem Rücken und an den Kniekehlen Schmerzen verursacht, so muss man sie anfänglich mäßig gebrauchten.
 
Wenn ein Pferd hartnäckig wird und nicht Rückwärtsrichten will, welches beinahe bei allen den Pferden der Fall ist, die herinnen noch nicht geübt sind, so muss ihm ein Mann zu Fuß einen leichten Schlag mit der Spitze der Rute auf die Knie und auf die Kötengelenke geben, welche die beiden Gelenke des Schenkels sind, die man zum Biegen bringen muss. Zu gleicher Zeit zieht der Reiter die Zügel an und sobald es gehorcht und nur einen einzigen Schritt zurück geht, muss man ihm schmeicheln, um zu erkennen zu geben, dass es dasjenige war, was man von ihm verlangt. Wenn man auf diese Art ein Pferd, das nicht gerne Rückwärtsrichten wollte, einige Schritte zum Rückwärtsrichten gebracht und ihm geschmeichelt hat, so muss man es darauf noch etwas scharf in der Hand halten, als wollte man es aufs neue Rückwärtsrichten lassen, und wenn man fühlt, dass es die Hanken senkt und sich zum Rückwärtsrichten anschickt, so muss man es still stehen lassen und es für diese Bewegung, wodurch es bewies, dass es bald nach dem Willen des Reiters Rückwärtsrichten wird, schmeicheln. Wenn ein Pferd regelmäßig Rückwärtsrichten soll, so muss man es auf die Art halten, dass es bei jedem Schritt, den es zurück tut, bereit ist, wieder vorwärts zu gehen, denn es ist ein großer Fehler, wenn es zu geschwind zurückgeht. Das Pferd stützt auf diese Weise seine Kräfte rückwärts, es könnte sich gegen die Mauer lehnen oder gar einen Sprung machen, der es in Gefahr setzt, umzuschlagen, besonders dann, wenn es einen schwachen Rücken hat. Ferner muss es auch auf gerader Linie Rückwärtsrichten, ohne dass es mit der Kruppe ausfalle, damit es bei dem Zurücktreten gleichförmig die beiden Hanken unter sich biege.
 
Wenn ein Pferd leicht zurückzugehen anfängt, so ist alsdann die Übung, um es leicht in der Hand zu machen, dass man nur die Schultern zurücktreten lässt, nämlich man bringt die Vorhand gelinde nach sich zu herbei, als wollte man es Rückwärtsrichten lassem. Fühlt man, dass es Rückwärtsrichten will, so muss man ihm nachgeben und es ein oder zwei Schritte wieder vorwärts gehen lassen.
 
Wenn man ein Pferd pariert oder zurück hat treten lassen, so muss man ihm gelinde den Kopf nach der inneren Seite ziehen, damit es mit dem Mundstück spiele, welches dem Pferd Vergnügen macht und es gewöhnt, sich nach der s Seite, wohin es geht, zu biegen. Diese Übung bereitet es auch zu jener der Schultern einwärts vor, welche ich in dem folgenden Kapitel reden werde.
 
 
Elftes Kapitel
Von der Schulter einwärts (Plie)
(Epaule en dedans)
 
Ich habe zuvor gesagt, dass der Trab der Grund der ersten Beweglichkeit und des ersten Gehorsams ist, den man jungen Pferden verschaffen muss. Dieser Satz ist auch durchgängig von allen geschickten Bereitern angenommen. Jedoch aber gibt eben dieser Trab auf einer geraden Linie der Schulter und dem Schenkel des Pferdes nur eine vorwärts gehende Bewegung. Etwas zirkelförmig ist die Bewegung des äußeren Schenkels und der äußeren Schulter, wenn es auf dem Zirkel geht, indessen bewirkt er doch nicht einen hinlänglich schränkenden Gang, wo ein Schenkel über den anderen schreitet, welches gleichwohl ein abgerichtetes Pferd, das den Schenkel kennt, nämlich welches frei auf beiden Händen zur Seite geht, tun muss. Zu näherer Erläuterung muss ich bemerken, dass die Schultern und Schenkel eines Pferdes vielerlei Bewegungen machen können. Die erste ist, wenn auf gerader Linie die Schulter vorwärts geht. Die zweite Bewegung ist, wenn die Schulter beim Rückwärtsrichten rückwärts geht. Die dritte, wenn es auf ein und derselben Stelle die Schulter und Schenkel hebt, ohne vorwärts oder rückwärts zu gehen, welches in dem stolzen Tritt geschieht. Die vierte ist eine zirkelförmige und schränkende Bewegung, welche die Schulter und der Schenkel des Pferdes machen muss, wenn es sich enge wendet oder wenn es seitwärts geht.
 
Die drei ersten Bewegungen erhält man leicht durch den Trab, die Parade (-l´arret im Original: vielleicht soll es Piaffe heißen) und das zurücktreten. Die letztere Bewegung aber ist die schwerste, weil das Pferd dabei genötigt ist, zu schränken und den äußeren Schenkel über den innern zu setzen. Wenn in dieser Bewegung das Übersetzen des Schenkels nicht vorwärts gehend und zirkelförmig ist, so tritt sich das Pferd auf den auf der Erde stehenden Schenkel, auf welchen es sich stößt und kann sich auf der Krone verletzen oder wenigstens dadurch eine falsche Stellung annehmen, welches sich dann auch öfters bei solchen Pferden ereignet, die noch nicht schulterfrei genug sind . Die Schwierigkeit, sichere Regeln zu finden, der Schulter und dem Schenkel die Leichtigkeit dieser zirkelförmigen schränkenden Bewegung zu geben, hat jederzeit die Bereiter in Verlegenheit gesetzt, weil ohne diese Vollkommenheit ein Pferd nicht mit Leichtigkeit wenden noch dem Schenkel mit Zierlichkeit weichen kann. Damit ich die Schule der Schulter einwärts , welche die schwerste, aber auch die nützlichste unter allen denen ist, die man, um Pferde beweglich zu machen, anwenden muss, gründlich abhandle, so muss ich dasjenige, was de la Boure und der Herzog von Newcastle in Rücksicht des Zirkels gesagt haben, welcher zufolge dem letzteren das einzige Mittel abgibt, um die Schultern eines Pferdes vollkommen zu entbinden, näher untersuchen .
 
De la Broue sagt, dass nicht alle Temperamente und Naturen der Pferde geschickt sein, sich dem außerordentlichen Zwang zu unterwerfen, wenn man , um sie gelenkig zu machen, sie immer auf zirkeln arbeitet und dass, da ihre Kräfte nicht hinreichen, so vielmal in einem Atem herum zu gehen, sie sich widersetzen und anstatt gelenkig, immer steifer werden.
 
Der Herzog von Newcastle erklärt sich folgendermaßen:
„Der Kopf einwärts, die Kruppe hinaus auf einen Zirkel, setzt ein Pferd auf die Vorhand, es nimmt Anlehnung und entbindet außerordentlich dessen Schultern. In dem Trab und Galopp, den Kopf einwärts und die Kruppe hinaus, steht die Vorhand nach dem Mittelpunkt des Zirkels, die Hinterhand aber ist davon entfernt, die Schultern sind also mehr im Zwang als die Kruppe.
 
Alles das, was auf einem großen Zirkel geht, arbeitet mehr als das, was auf einem kleinen Zirkel geht, weil es einen größeren Raum durchläuft. Da es mehr Bewegungen zu machen hat, so müssen auch die Schenkel freier sein. Die anderen sind in dem kleinen Zirkel gezwungener und gedrängter, weil sie die Last des ganzen Körpers tragen und diejenigen, die den größeren Zirkel machen, längere Zeit in der Luft sind. Die Schultern können nicht beweglich werden, wenn nicht der innere hinters Schenkel im Arbeiten dem äußeren hinteren Schenkel vorgeht und nahe ist.“ Man sieht aus dem eigenen Urteil dieser beiden großen Männer, dass der eine und der andere den Zirkel zugelassen haben, dass aber de la Broue sich seiner nicht allzeit bedient, sondern öfters das Viereck vorzieht.
 
Was der Herzog von Newcastle betrifft, dessen Lieblingsübung der Zirkel war, so gesteht er selbst die Hindernisse ein, die sich dabei finden, wenn er sagt, dass in einem Zirkel der Kopf einwärts, die Kruppe hinaus, die Teile der Vorhand mehr in Zwang sind als jene der Hinterhand und dass diese Übung ein Pferd auf die Vorhand bringt. Dieses Geständnis , dass die Erfahrung bestätigt, beweist klar, dass der Zirkel das wahre Mittel nicht ist, die Schultern vollkommen zu entbinden, denn ein gezwungenes und beschwertes Ding kann durch sein eigenes Gewicht nicht leicht sein. Eine große Wahrheit aber ist , was dieser berühmte Verfasser zugibt, dass die Schultern nicht entbunden werden können, wenn nicht im Stehen der hintere innere Schenkel dem äußeren Hinterschenkel vorgeht und ihm nahe ist. Diese scharfsinnige Bemerkung ist es auch, die mich auf die Erfindung der Schule Schulter einwärts, von der ich folglich eine nähere Erklärung geben werde, gebracht hat.
 
Wenn ein Pferd sowohl in dem Zirkel als auf gerader Linie auf beiden Händen frei fort trabt und auf den nämlichen Linien einen gelassenen gleichförmigen Schritt geht, wenn man es an Paraden, halbe Paraden und den Kopf nach innen zu biegen gewöhnt hat, so muss man es alsdann in einem langsamen, wenig abgekürzten Schritt längs der Mauer führen und es dergestalt stellen, dass die Hanken eine Linie beschreiben und die Schultern eine andere. Die Linie der Hanken muss nahe an der Mauer und die der schultern davon entfernt sein, wobei man es nach der Hand, worauf es geht gebogen hält, nämlich, um mich noch deutlicher zu erklären, anstatt ein Pferd auf der geraden Linie längs der Mauer mit Schultern und Hanken ganz gerade zu halten, so wendet man ihm den Kopf und die Schultern ein wenig einwärts nach dem Mittelpunkt der Bahn, so, als wolle man es wirklich ganz wenden und wenn es in dieser schiefen und zirkelförmigen Stellung ist, so muss man es vorwärts längs der Mauer gehen lassen, indem man ihm mit dem inneren Zügel und Schenkel hilft. Diese kann nun in dieser Stellung platterdings nicht anders geschehen, als dass es schränken und sowohl den inwendigen Vorder- wie inwendigen Hinterschenkel über die äußeren setzen muss. Man kann dieses leicht in der beigefügten Figur von der Schulter einwärts und in dem Grundriss derselbigen Schule ersehen, die die Sache begreiflicher machen werden. 
 
Diese Schule bringt auf einmal solche vortreffliche Wirkung hervor, dass ich sie als die erste und letzte von allen denen Schulen ansehe, in denen man ein Pferd unterrichten muss, um ihm seien Beweglichkeit und vollkommenen Freiheit in allen seinen Teilen zu verschaffen. Dieses ist so wahr, dass wenn ein nach diesem Grundsatz beweglich gemachtes Pferd nachher auf der Reitbahn oder durch sonst einen Unwissenden verdorben wird und ein Reiter dasselbe wieder einige Tage in diese Schule nimmt, er es ebenso biegsam und leicht finden wird wie vorher.
 
Erstens : diese Schule entbindet die Schulten, weil das Pferd in jedem Schritt, den es in dieser Stellung macht, mit dem innern Vorderschenkel vorwärts über den äußeren schränkt und den inneren Fuß über und auf die Linie des äußeren Fußes setzt. Es ist leicht zu begreifen, dass durch diese Bewegung, welche die Schultern in dieser Stellung zu machen genötigt sind, alle Treibfedern dieses Teils in Tätigkeit gesetzt werden.
 
Zweitens : die Schulter einwärts bereitet das Pferd vor, sich auf die Hanken zu setzen ,denn bei jedem Schritt, den es in dieser Stellung tut, bringt es den inneren Hinterschenkel unter den Leib und setzt ihn über den äußeren, welches es, ohne die Hanken zu senken, nicht verrichten kann. Es ist demnach immer auf einer Hand auf einer Hanke und auf der anderen Hand immer auf der anderen Hanke. Folglich lernt es die Kniekehlen unter sich biegen, welches man auf den Hanken sein nennt.
 
Drittens macht dieselbige Schule ein Pferd geschickt, dem Schenkel zu weichen, weil es bei jeder Bewegung genötigt ist, sowohl die inneren Vorder- als Hinterschenkel schränkend über die äußeren zu setzen, so erlangt es dadurch die Leichtigkeit, die Arme und Schenkel auf beiden Händen wohl übereinander zu setzen, welches notwendig geschehen muss, wenn es frei zur Seite gehen soll. Führt man demnach ein Pferd auf der rechten Hand in die Schule Schulter einwärts, so bereitet man es vor, dem Schenkel auf der linken Hand zu weichen, weil die rechte Schulter in dieser Stellung beweglich wird, und führt man es auf der linken Hand in die Schulter einwärts, so ist es die linke Schulter, die entbunden wird und das Pferd geschickt macht, den linken Schenkel überzusetzen, um auf der rechten Hand mit Leichtigkeit seitwärts gehen zu können. In der Wechselung der Schule, Schulter einwärts, z.B. von der rechten Hand auf die linke, muss man die Biegung des Kopfes und Halses (rechts) erhalten und wenn man von der Mauer abgeht, lässt man das Pferd auf einer schiefen, die Reitbahn durchschneidenden Linie mit schultern und Hanken gerade fortgehen, bis man in dieser Stellung auf der Linie der anderen Mauer angekommen ist. Da nun muss man ihm den Kopf links und die Schultern einwärts stellen und von der Linie der mauer entfernen, die Kruppe wird heraus getrieben und man macht, dass es nunmehr auf dieser Hand übertrete und die inwendigen Schenkel auf dieselbige Art über die auswärtigen setzt, wie ich soeben von der rechten hand erklärt habe.
 
Da aber das Pferd in der ersten Übung der Schulter einwärts Fehler machen und entweder mit der Kruppe zuviel herein oder gegenteilig die Schultern zu viel herein wenden und von der Linie an der Mauer abweichen wird, um dem Zwang zu entgehen, seine Schenkel in einer ‚Stellung, die alle Muskeln in einer beständigen Spannung erhält, schränkend über einander zu setzen , welches ihm beschwerlich wird, wenn es noch nicht daran gewöhnt ist, so ist alsdann der Zirkel das Mittel, das gegen diese Widersetzlichkeit dienen muss. Man führt es sodann auf einen weiten Zirkel in einem kurzen Schritte und sucht ihm daselbst von Zeit zu Zeit einige schränkende SChgritte des inneren Schenkels über den äußeren abzugewinnen, dergestalt, dass man immer mehr und mehr den Zirkel erweitert, wo sich das Pferd in Stellung der Schulter einwärts befindet. In dieser Stellung lässt man es einige Schritte vorwärts, längs der Mauer, machen ,worauf man es pariert, den kopf und Hals biegt, indem man durch den inneren Zügel das Mundstück in dem Maule spielend   macht , ihm schmeichelt und es fortschickt. Wenn es sich ereignet, dass sich ein Pferd zurückhält, aus Bosheit widersetzt und sich dem Zwang dieser Schule nicht unterwerfen will, so muss man auf einige Zeit davon abgehen und wieder auf die ersten Anfangsübungen zurückkommen und es gestreckt und beherzt sowohl auf gerader Linie als auf dem Zirkel wegtragen. Gehorcht es, so bringt man es im Schritt wieder in die Stellung der Schulter einwärts, längs der Mauer, und wenn es einige Schritte gut macht, so muss man es still halten, ihm schmeicheln und absteigen.
 
Wenn nun das Pferd anfängt auf beiden Händen in der Schule Schulter einwärts zu gehorchen, so lehrt man es, die Ecken wohl mitzunehmen, welches das schwerste in dieser Übung ist. Man muss demnach bei jeder Ecke, d.h. am Ende jeder geraden Linie, die schultern in die Ecke gehen lassen , den Kopf aber nach innen gebogen erhalten und in der Zeitpunkt, da man die Schultern auf die anderen Linie wendet, muss man die Hanken ebenfalls durch die Ecke gehen lasse, wodurch die Schultern gegangen sind. Durch Hilfe des inwendigen Zügels und inwendigen Schenkels führt man das Pferd vorwärts in die Ecken, in dem Zeitpunkt aber, da man es auf die andere Linie wieder wendet, muss dieses der äußere Zügel sein, indem man die Hand einwärts führt und den Zeitpunkt wahrnimmt, wenn es den inwendigen Schenkel in der Luft und zum Niedersetzen bereit hält, damit, wenn man in diesem Zeitpunkt wendet, die äußere Schulter über die innere gehen könne. Da aber die Wendung eine Art halber Parade ist, so muss man es bei der Wendung der Hand mit den Waden ein wenig vortreiben. Wenn das Pferd sich weigert, mit der Kruppe in die Ecken zu gehen und mit der Hinterhand von der Mauer abweicht und sich auf dem inneren Hinterschenkel festhält (die gewöhnlichste Gegenwehr der Pferde), so muss man ihm , wenn man die Schultern auf die andere Linie wendet, zugleich den inwendigen Sporen fühlen lasse. Dieses ist es ,was ich die Ecken mitnehmen nenne, und nicht wie es die meisten Reiter machen, die sich damit begnügen, den Kopf und die Schultern in die Ecke zu führen, aber nicht darauf achten, die Kruppe hinein zubringen, so, dass sich das Pferd ganz an einem Stück wendet, anstatt dass, wenn man die Hanken nach den Schultern hindurch gehen lässt, dem Pferde nicht allein diese beiden Teile beweglich werden, sondern es wird auch in den Rippen biegsam , deren Biegsamkeit die Behändigkeit der übrigen Teile seines Körpers sehr vermehrt. Wenn man den Bau und den künstlichen Zusammenhang der Teile des Pferdes untersucht, so wird man leicht von dem Nutzen der Schule Schulter einwärts überzeugt werden und man wird zugeben, dass die Gründe , die ich zur Bestärkung dieser Behauptung anführe, aus der Natur selbst gehoben sind, die sich niemals widerspricht, wenn man sie nicht über ihre Kräfte zwingt. Zu gleicher Zeit wird es leicht zu begreifen sein, wenn man seine Aufmerksamkeit auf die Bewegung der Schenkel eines Pferde richtet, das auf einem Zirkel, mit dem Kopf einwärts und mit der Kruppe hinaus geht, dass die Hanken jene Beweglichkeit erhalten, die man den Schultern mittels des Zirkels zu geben vermeint, denn es ist gewiss, dass derjenige Teil sich am meisten entbindet, der eine größere Bewegung macht.
 
Ich lasse demnach den Zirkel in solchen Fällen zu, wo man einem Pferd die erste Biegsamkeit geben oder wo man dasjenige bestrafen und verbessern will, das sich aus Bosheit widersetzt und gegen den Willen des Reiters die Kruppe einwärts wirft. Danach sehe ich die Schulter einwärts als eine unumgänglich notwendige Übung an, die Beweglichkeit der Schulter zu vollenden und ihnen die Leichtigkeit zu verschaffen, die Schenkel frei übereinander zu setzen, welche Vollkommenheit alle diejenigen Pferde haben müssen, die man wohl abgerichtet nennt.
 
 
Zwölftes Kapitel
Von der Kruppe an die Mauer (Croupe au Mur)
Diejenigen, die den Kopf eines Pferdes an die Mauer stellen, um es zur Seite gehen zu lehren, verfallen in einen Fehler, dessen nachteiligen Folgen sich leicht zeigen lassen. Auf diese Art lernt es eher aus Gewohnheit, als auf die Hilfen der Hand und Schenkel gehen und wenn man es von der Mauer wegnimmt und in der Mitte der Reitbahn zur Seite richten will, wo es keinen Gegenstand mehr hat, der ihm alsdann zum Gesichtspunkte dient, so gehorcht es nur unvollkommen der Hand und dem Schenkel, welches dann doch die einzigen Wegweise sind, denen man sich zur Führung eine Pferdes in allen seinen Gängen bedienen darf. Ein anderer Nachteil , der aus dieser Schule entspringt, ist, dass das Pferd , anstatt den äußeren Schenkel über den inneren zu setzen, öfters denselben aus Furcht, entweder den auf der Erde stehenden Schenkel mit dem Eisen zu treten, oder aber mit dem Knie in dem Zeitpunkt gegen die Mauer zu stoßen, wenn es den Schenkel hebt, und denselben über den anderen zu setzen ,vorwärts führt, darunter wegsetzt.  
  
Herr de la Broue ist dieser Meinung, wenn es den Rat gibt, dass man, um Pferde zum Schenkelweichen zu bringen, nur bei solchen von der mauer Gebrauch machen müsse, die in der Hand liegen oder hineinziehen. Weit entfernt aber, den Kopf so nahe an der Mauer zu stellen, sagt er, müsse man das Pferd zwei Schritte diesseits der Mauer halten, welches ungefähr eine Entfernung von fünf Schulen von dem kopf des Pferdes bis zur Mauer ausmacht. Ich sehe also nicht ein, warum so viele Reiter, um ein Pferd den Schenkel kennen zu lehren, es mit dem Kopf an die Mauer stellen und mittels des Schenkels, des Sporns und selbst der Peitsche, die sie durch einen Mann zu Fuß halten lassen, zur Seite zu gehen zwingen. Meines Erachtens ist es weit vernünftiger, ihm die Kruppe an die Mauer zu stellen, um die Schwierigkeiten und Fehler, die daraus entstehen können, zu vermeiden. Diese Schule ist aus jener der Schulter einwärts gezogen.
 
In dem vorhergehenden Kapitel habe ich gesagt, dass, wenn man ein Pferd in der Schulter einwärts auf der rechten hand führe, man ihm die rechte Schulter beweglich mache, welches dem rechten Schenkel die Leichtigkeit verschafft, über den linken zu schränken, wenn es auf der linken Hand seitwärts geht , desgleichen, wenn man es in der Schulter einwärts auf der linken Hand arbeitet, dass alsdann die Schulter dieser Seite beweglich werde, welches demselbigen Schenkel die erforderliche Beweglichkeit gebe, frei über den rechten Arm schränken zu können, wenn man ein Pferd auf der rechten Hand zur Seite führt.
 
Zufolge dieses Grundsatzes, der unwidersprechlich ist, lässt sich die Schule Schulter einwärts leicht in die der Kruppe an die Mauer verwandeln. Man benimmt sich dabei auf diese Weise:
Wenn ein Pferd auf beiden Händen in der Schule Schulter einwärts Gehorsam zeigt und dass es folglich seine inneren Schenkel frei über die äußeren zu setzen weiß, so muss man, wenn man es z.B. auf der rechten Hand arbeitet und in der Ecke an einem der Enden der Reitbahn gewendet hat, daselbst parieren, mit der Kruppe gegen die Mauer und ungefähr zwei Fuß davon entfernt, damit es sich den Schweif nicht gegen dieselbe reibe. Anstatt weiter fortzugehen, sucht man mittels des Verhaltens der Hand und des Druckes des linken Schenkels, ihm einige Tempos zur Seite gegen den rechten Schenkel abzugewinnen. Gehorcht es zwei oder drei Schritte, so pariert man es und schmeichelt ihm, um ihm zu erkennen zu geben, dass es das war, was man von ihm verlangte.
 
Da die Neuheit dieser Schule einem Pferde in den ersten Tagen Beschwerlichkeit verursacht, so muss man es bei den ersten Übungen mit geteilten Zügeln sehr sanft führen, damit man desto besser die Schulter verhalten könne. Man biegt es anfänglich nicht, sondern sucht ihm nur bloß einen Richtung, seitwärts zu gehen, zu geben, ohne Genauigkeit zu beobachten. Sobald es dem Schenkel zwei oder drei Schritte, ohne zu stocken, weicht, pariert man es ein wenig, schmeichelt ihm und lässt es darauf wieder weiter seitwärts gehen und fährt immer fort, seinen Gehorsam durch parieren und schmeicheln zu belohnen, bis man in dieser Stellung am Ende der Linie der Mauer ab der anderen Ecke der Reitbahn ankommt. Wenn man es einige Zeit an diesem Orte hat ausruhen lasen, so geht man darauf zur Linken auf derselben Linie zurück. Man bedient sich hierbei des rechten Schenkels und beobachtet dieselben regen, ihm, wenn es nur drei oder vier Schritte gutwillig geht, zu schmeicheln und fährt auf diese Art fort, bis es wieder an der Ecke anlangt, von der man anfänglich abging. Wenn das Pferd sich schlechterdings weigert, auf einer der beiden Hände dem Schenkel zu weichen, so ist es ein Beweis, dass es noch nicht hinlänglich beweglich auf der anderen Hand ist und alsdann muss man es wieder in die Schule Schulter einwärts nehmen. Wenn das Pferd z.B. in der Schule Kruppe an die Mauer dem linken Schenkel zu weichen sich weigert, welches die Hilfe ist, die man, um rechts zur Seite zu gehen, anwendet, so muss man es wieder so lange in der Schulter einwärts links üben, bis es lelicht den linken Schnkel über den rechten setzt. Damit es aber, ohne solches gewahr zu werden, in die Stellung der Schule Kruppe an die Mauer rechts komme, als der hand wo ich den Fall setze, dass es widerspenstig ist, so muss man es immer mehr und mehr mit dem Kopf und Schulter einwärts wenden, bis es damit der Kruppe gegenübersteht. Alsdann stellt man ihm den Kopf rechts, fährt aber fort, es dem linken Schenkel weichen zu lassen, als ob es noch immer in der Schulter einwärts links ginge und so wird es sich sann in der Stellung der Kruppe an der Mauer rechts befinden. Desgleichen, wenn es dem linken Schenkel zu weichen oder links seitwärts zu gehen sich weigert, so muss man es in die Schuler einwärts rechts führen und unmerklich die Schultern stark einwärts wenden, bis sie der Kruppe gegenüber stehen. Das Pferd wird alsdann dem rechten Schenkel weichen und folglich linke zu Seite gehen.
 
Nach der soeben begebenen Erklärung ist es leicht zu bemerken, dass diejenige Schulter, welche man in der Stellung der Schule Schulter einwärts die inwendige nennt, auf einer Hand die äußere Schulter wird, wenn man das Pferd in der Kruppe an die Mauer führt, weil dieselbige Schulter ihre Bewegung fortsetzt, ob es gleich auf der anderen Hand geht. Da aber das Pferd in der Stellung der Kruppe an die Mauer, wo es zur Seite geht, mit Schultern und Hanken beinahe gerade stehen muss, so ist die Bewegung der Schultern alsdann zirkelförmiger und für das Pferd folglich viel mühsamer und beschwerlicher zu machen, als jene in der Schulter einwärts. Ein wenig Aufmerksamkeit wird diesen Unterschied leicht begreiflich machen und zu gleicher Zeit klar beweisen, dass es einer von den Vorteilen der Schulter einwärts ist, ein Pferd frei mit seinen Schenkeln schränken und wohl übereinander setzen zu lehren und dass es sein Hilfsmittel gegen alle Fehler ist, die es begehen kann, wenn man es dem Schenkel weichen lehrt . Wenn das Pferd in der Kruppe an die Mauer zu gehorchen anfängt und auf beiden Händen frei zur Seite geht, so muss man es alsdann in diejenige Stellung bringen, worin es sein muss, um mit Zierlichkeit dem Schenkel weichen zu können.
 
Dieses geschieht durch die Beobachtung folgender drei wesentlicher Stücke:
Das erste ist, dass man die Schultern den Hanken vorgehen lasse; die zirkelförmige Bewegung des äußeren Schenkels und der äußeren Schulter, wodurch der schöne Anstand und die Beweglichkeit diese Teils anschaulich wird, würde sonst verloren gehen. Wenigstens muss die hälfte des Schultern vor der Kruppe gehen dass (vorausgesetzte, das Pferd gehe auf der rechten Hand) die Stellung des rechten Hinterfußes ist, wie man dieses in dem Grundriss sehen kann (Tab. XVI).Geht die Kruppe den Schultern vor, so kriecht das Pferd zurück und da der inneren Hinterschenkel dem vorderen derselbigen Seite vorgeht und vorgesetzt wird, so verursacht dieses, dass das Pferd mit der Hinterhand weiter als mit der Vorhand und folglich auf den Schultern geht, denn wenn das Pferd auf den Hanken sein soll, so muss es mit dem Hinterschenkel im Gehen nahe beisammen sein. Zweitens muss man darauf aufmerksam sein, wenn ein Pferd anfängt, mit der Kruppe an der Mauer frei zur Seite zu gehen, dass man es nach der Hand biegt, worauf es geht. Eine schöne Biegung gibt einem Pferd einen zierlichen Anstand und macht, dass sich die äußere Schulter frei und vorwärts gehend bewegt. Damit es lerne, frei nach der hand zu biegen, worauf es geht, muss man ihm am Ende jeder Linie in der Kruppe an die Mauer , wenn man es pariert hat, mit dem inneren Zügel spielend , den Kopf nach links zeihen und wenn es diesem Zuge nachgibt, schmeichelt man ihm mit der Hans derselben Seite, worauf man es gebogen hat. Das nämlich muss auch auf der anderen Hand gegen den anderen Schenkel beobachtet werden und durch dieses Mittel wird das Pferd nach und nach gewohnt werden, gebogen zu gehen und seinen Weg anzusehen, wenn es seitwärts geht.
Drittens hat man in dieser Schule zu beobachten, dass das Pferd die beiden Linien, nämlich die, welche es mit der Vorhand und die, welche es mit der Hinterhand beschreibt, so mache, dass es weder vor- noch zurückkomme, sondern dass sie parallel werden.
  
Da dieses zum Teil von der natur eines Pferdes abhängt, so ereignet es sich gewöhnlich, dass diejenigen, die schwer in der Hand liegen oder in die Hand ziehen, zu viel vorwärts aus der Linie weichen. Aus diesem Grunde muss man diese mit der Zügelhand verhalten, ohne ihnen mit den Schenkeln zu helfen. Im Gegenteil muss man diejenigen , die die üble Gewohnheit haben, sich zurück zu halten und zusammen zu kriechen, mit den Knien, den Waden und zuweilen selbst mit den Sporen, vor zu treiben, je nachdem sie sich mehr oder weniger zurückhalten. Durch diese Hilfen wird man die einen und die andern in der Ordnung und in den gehorsam für die Hand und den Schenkel erhalten. Zur Vorsorge, damit ein Pferd, wenn es zur Seite geht, nicht in den Fehler verfalle, mit der Kruppe auszuweichen, ungeachtet der Hilfen des Reiters gegen einen oder den anderen Schenkel zu drängen (se traverser), muss man es am Ende jeder Reprise zwischen beiden Schenkeln, auf gerader Linie, auf einem Fußtritt in der Mitte der Reitbahn führen. Auf derselbigen Linie lehrt man es auch, gerade zwischen beiden Schenkeln zurückzugehen.
 
So vortrefflich aber auch die Schulen der Schulter einwärts und die der Kruppe an die Mauer, die unzertrennlich sein müssen, sind, um einem Pferd Beweglichkeit, eine schöne Biegung und jene schöne Stellung zu geben, in der ein Pferd gehen muss, wenn es mit Anstand und Leichtigkeit arbeiten soll, so darf, man deswegen doch nicht aufhören, es sowohl auf gerader Linie als auf Zirkeln im trabe zu üben. Dieses sind die ersten Anfangsgründe, auf die man immer wieder zurückkommen muss, um die Schultern und Hanken in einer beherzten, entschlossenen Bewegung zu unterhalten und zu bestätigen. Man muntert dadurch ein Pferd auf und verschafft ihm Erholung von dem Zwang, in welchem man es in der Stellung der Schulter einwärts und der Kruppe an die Mauer zu halten genötigt war. Folgende Ordnung muss man beobachten, wenn man diese Schulen mit Nutzen anwenden will:
  
Von den drei kleinen Reprisen , die man jeden Tag und jedes Mal macht, wenn man ein Pferd reitet, welches schon so weit gekommen ist, dass es dasjenige ausüben kann, was ic in diesem Kapitel gesagt habe, muss die erste im Schritt in der Schulter einwärts gemacht werden. Wenn man zweimal die Hand gewechselt hat, welches aber auf einem Hufschlag geschehen muss (da es noch nicht zur Seite gehen darf), so stellt man ihm die Kruppe an die Mauer auf beiden Händen und hört auf einer geraden Linie von einem Hufschlag im schritt in der Mitte der Reitbahn auf.
 
Die zweite Reprise muss in einem beherzten entschlossenen Trab auf einem Hufschlag gemacht werden und man hört in demselbigen Gang auf der Linie in der Mitte des Platzes auf, ohne ihm die Kruppe an die Mauer zu stellen.
 
In der dritten und letzten Reprise muss man es wieder im Schritt in die Schulter einwärts führen, darauf in die Kruppe an die Mauer und immer gerade in der Mitte aufhören. Indem man solchermaßen diese drei Übungen der Schulter einwärts, die Kruppe an die Mauer und des Trabes miteinander verbindet, so wird man von tag zu tag das Pferd an Biegsamkeit und Gehorsam zunehmen sehen, welches, wie ich gesagt haben, die zwei ersten Eigenschaften sind, die ein abgerichtetes Pferd haben muss.
 
 
Dreizehntes Kapitel
Von dem Nutzen der Pilaren
 
Die Pilaren sind eine Erfindung des Herrn van Pluvinel, der die ehre hatte, Ludwig den Dreizehnten zu Pferde zu setzen. Er hat und eine Abhandlung über die Reiterei hinterlassen, worin die Kupferstiche von den Liebhabern in Anlehnung des Stiches und des Kostüms der Herren von dem Hofe dieses Prinzen geschätzt werden.
 
Der Herzog von Newcastle ist nicht für die Pilaren. Er sagt: „… dass man darinnen ein Pferd zur Unzeit quäle und martere, um seine Vorhand in die Höhe zu bringen, in der Hoffnung, es dadurch auf die Hanken zu setzen, dass diese Art , ein Pferd abzurichten, gegen die Ordnung wäre und alle Pferde abschrecke, dass die Pilaren ein Pferd auf die Kniekehlen setzen, weil es die Hanken, obgleich es die Kniekehlen biege, nicht unter sich hervorbrächte , um das Gleichgewicht zu erhalten, sondern seine Vorhand auf die Seile des Kapzaumes stütze.“
 
Der Grund, warum dieser berühmte Schriftsteller so sehr gegen den Gebrauch der Pilaren aufgebracht ist, liegt darin, dass sich größtenteils die bereiter zu seiner Zeit der Pilaren bedienten, um die Vorhand eines Pferdes sogleich in die Höhe zu bringen, ehe es durch den stolzen Tritt dazu gerichtet war. Ohne Zweifel brachten sie ein Pferd hierdurch auf die Kniekehlen und lehrten es eher steigen und Sprünge machen, als mit schönem anstand seien Vorhand zu heben. Wenn man aber glich Anfangs ein Pferd in den Pilaren, anstatt es zum Heben zu bringen, den spanischen Schritt, ohne vor- oder rückwärts zugehen noch sich schief zu stellen, lehrt, welches der stolze Tritt (piaffer) ist, so wird man sehen, diese taktmäßige Bewegung, die man es viel leichter in den Pilaren als im Freien lehren kann, das Pferd in eine schöne Stellung bringt, ihm einen edlen und erhabenen Gang verschafft, die Bewegung seiner Schultern frei, beherzt und alle Teile seiner Hinterhand beweglich und sanft macht. Alle diese Eigenschaften werden zu einem Paradepferd und zu einem schönen spanischen Schritt erfordert. Da indessen viel Kunst, viel Geduld und Zeit erfordert wird, um ein Pferd in diese stolze und erhabene Stellung des spanischen Schrittes zu bringen, welche die mit Vernunft angewendeten Pilaren verschaffen, so darf man sich nicht wundern, dass sie denen so viel Nachteil bringen, die seich derselben im anfange zu einem anderen Zweck als zu dem stolzen Schritt zu gelangen bedienen.
 
Ein geschickter Bereiter hat mit Recht gesagt, dass sie Pilaren den Pferden Geist geben, denn die Furcht vor der Peitsche weckt diejenigen aufm, die schläfrig und faul sind und erhält sie in einer glänzenden Tätigkeit. Die Pilaren haben aber noch den Vorteil, diejenigen zu besänftigen, die von Natur hitzig und zornig sind, denn der stolze Tritt, worin die Bewegung taktmäßig, entschlossen, erhaben und aufeinander folgend ist, nötigt sie, auf dasjenige, was sie tun, Aufmerksamkeit zu verwenden. Ich sehe deswegen die Pilaren nicht allein als ein Mittel an, die Stärke, die Kraft, die Zierlichkeit, Leichtigkeit und natürliche Anlage eines Pferdes zu entdecken, sondern ich betrachte sie auch als Mittel, diese letzteren Eigenschaften denjenigen zu geben, sie sie nicht haben.
 
Das erste, was man im Anfang, wenn man ein Pferd in die Pilaren spannt, zu beobachten hat, ist, dass man die Seile der Pilarenhalfter gleich lang und kurz anbindet, so dass sie Schultern des Pferdes mit den Pilaren in gleicher Linie und dass nur der Kopf und Hals aus denselben heraussteht. Hierdurch verhütet man, dass es mit der Kruppe unter die Seile der Halfter komme, welches sich zuweilen ereignet. Darauf stellt man sich mit der Peitsche hinter die Kruppe, in einer Entfernung, dass man nicht geschlagen werden kann. Man lässt es zur Rechten und Linken treten, indem man mit der Peitsche auf die Erde schlägt oder es zuweilen leicht trifft.
 
Diese Art, das Pferd von deiner auf die andere Seite treten zu lassen, lehrt es, die Schenkel übereinander setzten, sie bringt es in Ordnung und macht ihm Furcht vor der Peitsche. Gehorcht es dieser Hilfe, so treibt man es vorwärts und in dem Zeitpunkt, da es gegen die Seile geht, pariert man es und schmeichelt ihm, um ihm zu erkennen zu geben, das man dieses von ihm verlangte. Bis dahin darf man nicht von ihm fordern, bis es in dem Gehorsam befestigt ist, auf die Hilfe der Peitsche rechts, links und vorwärts zu gehen, je nachdem es der Reiter verlangt. Es gibt Pferde von einer feurigen und boshaften Natur, die, ehe sie vor der Peitsche zur Seite treten und gegen die Seite vorwärts gehen, alle möglichen Widersetztlicheiten anwenden, die ihre Bosheit ihnen nur geben kann. Einige, voller Ungeduld, trappeln, anstatt zu piaffieren, andere machen Sprünge und schießen auf einmal in die Seile, wieder andere schlagen in einem fort hinten aus, gehen zurück und werfen sich gegen die Pfeiler. Da indessen die meisten dieser Fehler öfters durch die Ungeduld dessen, der sie im Anfang zur Unzeit straft, verursacht werden, als aus der Natur des Pferdes entspringen, so ist es leicht zu verbessern, wenn man sich nur damit begnügt, dass man es, wie ich soeben gesagt haben, auf die Hilfe der Peitsche zur Seite und vorwärts treten lässt, welches der einzige Gehorsam ist, den man von einem Pferd die paar ersten Male, da man es in die Pilaren tut, fordern kann. Eine andere nötige Aufmerksamkeit hat man darauf zu wenden, dass man Pferde mit einer steifen Hinterhand und die keine Bewegung in den Hanken haben, zum Ausschlagen bringe. Diese Bewegung macht ihnen die Kniekehlen gelenkig und dehnt ihre Hanken aus, sie bringt die Kruppe in Tätigkeit und setzt alle Springfedern dieses Teils in Bewegung. Man ist durchgängig einer anderen Meinung. Die meisten sagen, dass man niemals ein Pferd das Ausschlagen lehren müsste. Die Erfahrung hingegen zeigt, dass ein Pferd, das man niemals hat ausschlagen lassen, steife Hanken hat uns sie im Gehen schleppt. Außerdem ist es ganz leicht, einem Pferd diesen Fehler zu benehmen, der es wirklich sein würde, wenn man es aus Bosheit auszuschlagen gewöhnte. Findet man die Hanken beweglich genug, so muss man das Pferd durch eine Strafe mit der Rute an den Vorderbeinen von dem Ausschlagen abhalten, wenn es dieses ohne das man es verlangt tut.
             
Sobald sich das Pferd in den Pilaren mit der Kruppe nicht mehrt schief stellt, wenn es vorwärts und gerade in die Seite tritt, so muss man es alsdann mit der Zunge und Peitsche anfeuern, um ihm einige Trabschritte auf einer Stelle, gerade und mitten in den Seilen, abzugewinnen, welches man den Stolzen Tritt (piaffieren) nennt. Alsdann aber schmeichelt man ihm und bindet es los, um ihm den Mut nicht zu nehmen. Wenn es einige Tage fortfährt in dieser Schule Gehorsam zu leisten, so muss man sie Seile der Pilarenhalfter verlängern, so dass sie Pilaren gegen die Mitte des Leibes des Pferdes stehen, damit es die Freiheit habe, besser in die Seele zu gehen und seine Schenkel mit mehr Anstand und Leichtigkeit heben zu können. Ob es gleich fortfährt, seine Sache gut zu machen, so darf man deswegen doch nicht lange Reprisen machen, bis es gewohnt ist, ohne Zorn zu gehorchen. Alsdann macht man sie so lange als es seine Anlage, seine Kräfte und sein Atem erlauben, und diese ohne Hilfe der Peitsche, sondern der Reiter hält sich nur hinter der Kruppe.
 
Damit man es gewöhne, ohne Hilfe der peitsche oder der Stimme zu piaffieren, lässt man es von selbst aufhören. Man bleibt, ohne einige Bewegungen zu machen oder einen Zungenschlag zu geben, still hinter ihm stehen, bis es ganz aufgehört hat, und gerade so, wie es zu gehen aufhört, muss man es nachdrücklich mit der Peitsche auf die Kruppe und Hanken treffen. Diese Züchtigung setzt den ganzen Körper in Bewegung und hält das Pferd in der Furcht, dergestalt, dass , wenn es an diese Übung gewöhnt ist, man so lange hinter ihm stehen bleiben kann, als man es für dienlich erachtet und es wird ohne Hilfe zu piaffieren fortfahren. Will man es parieren, so benachrichtigt man es durch die Stimme. indem man es an das Wort HOLA gewöhnt und sich hinter der Kruppe weg begibt, ihm schmeichelt und es fortschickt. Diese Schule darf man indessen bei einem Pferd nicht eher vornehmen, als bis es anfängt, wohl dasjenige zu kennen, was man von ihm verlangt, wenn es sich nicht mehr schief stellt noch widersetzt.
 
Ist das Pferd in der Schule des stolzen Trittes, der such den spanische Schritt zwischen den Pilaren hervorgebracht wird, befestigt, so muss man es alsdann und nicht früher von der Erde abzubringen anfangen. Man lässt es einige Male in Pesaden und Curbetten sich heben, indem man es leicht mit der Rute vorne trifft und mit der Peitsche hinten anfeuert. Die Curbette ist nicht allein an sich eine Schöne Schule, sondern sie bewirkt auch, dass das Pferd mit seiner Vorhand erhabener wird und eine taktmäßige Schulterbewegung zum stolzen Tritt bekommt. Sie hält es von jener unangenehmen Bewegung ab, wo das Pferd in übereilten Tempos trappelt (battre la poussière ) ,anstatt dass der stolze Tritt eine taktmäßige und erhabene Bewegung der Schultern ist, wo der Arm des in der Luft befindlichen Schenkels hoch, mit gebogenem Knie, gehalten wird, welches einem Pferd viel Zierlichkeit gibt.
 
Damit sich aber das Pferd nicht ohne den Willen des Reiters hebe, welches nicht als unordentliches Sprünge ohne Regel und Gehorsam hervor bringen würde, so muss man jede Reprise mit dem stolzen Tritt anfangen und auch damit aufhören, so , dass sich das Pferd hebt, wenn man will und ebenso auch piaffiert. Hierdurch wird man die Gewohnheit vermeiden, welches der Fehler auf schlecht eingerichteten Reitschulen ist. Da es mit Gefahr verbunden ist, ein Pferd zwischen den Pilaren zu reiten, wenn es noch nicht darinnen gewöhnt ist, so darf man einen Reiter derselben nicht aussetzen, bevor das Pferd nach den soeben angeführten Regelnabgerichtet und zum erforderliche Gehorsam gebracht ist. Selbst dann, wenn man anfängt, es zwischen den Pilaren zu reiten, fährt man mit denselbigen Übungen fort, deren man sich, ehe der Reiter darauf war, bediente, nämlich man lässt es zur Rechten und Linken treten, indem man ihm mit den Schultern hilft, um es in die Seile zu treiben. Unmerklich wird es sich daran gewöhnen, auf die Hilfe des Hand und Schenkel zu piaffieren, so wie es dieses vorher vor der Peitsche tat.
 
Die Liebhaber der Reiterei in Spanien haben hohe Begriffe von dem stolzen Tritt. Sie schätzen die Pferde, die diese Schule machen. Sehr und nennen sie Pissadores. Indessen aber geben sie ihren Pferden einen unbequemen und unsteten gang, denn sie machen sie nicht schulterfrei und lehren sie nicht den Schenkel kennen. Dieses ist sie Ursache, dass sie nur den Arm bewegen und keine stete und leichte Anlehnung im Maule haben. Sie sind nicht gerade zwischen die Schenkel gerichtet und folglich auch nicht in dem vollkommenen gehorsam für die Hand und den Schenkel, welches doch die Vollendung der Schule des stolzen Tritte ist.
 
 
  
Vierzehntes Kapitel
Von dem spanischen Schritt 
 
Wenn man einem Pferde durch den Trab auf einem Fußtritt auf gerader Linie und auf Zirkeln die erste Beweglichkeit verschafft hat, wenn man es in dem Kreis dahin gebracht hat, seine Schenkel in der zirkelförmigen Stellung der Schulter einwärts übereinander zu setzen, wenn man es in der Schule Kruppe an die Mauer den Schenkeln gehorsam gemacht und es zwischen den Pilaren durch den stolzen tritt seine Kräfte zu vereinigen gelehrt hat, die Beweglichkeit und Gehorsam vorausgesetzt, welches, wie ich gesagt habe, die zwei vornehmsten Eigenschaften sind, welche man einem abzurichtenden Pferd geben muss – alsdann sage ich: man muss darauf denken, es in derjenigen Schule vollkommen und genau anzurichten, die seine natürliche Anlage erlaubt. 
 
Der spanische Schritt ist der erste Gang, welcher Genauigkeit erfordert. In dem Kapitel von den künstlichen Gängen habe ich Beschreibungen davon gegeben. Ich habe gesagt, dass es ein verkürzter, abgemessener und taktmäßiger Gang sei, dass das Pferd in dieser Bewegung die in dieser Bewegung die in der Luft befindlichen Schenkel, den einen vorne und den anderen Hinten, ins Kreuz und einander entgengesetzt, wie bei dem Trabe, halten müsse, dass jedoch dieser Gang viel verkürzter, entschlossener und taktmäßiger sei, als der gewöhnliche Trab und dass es bei jedem Schritt, den es macht, nicht mehr als einen Fuß den in der Luft befindlichen Schenkel dem auf der Erde ruhenden vorsetzen müsse. Dieser sehr edle Gang, der einem Offizier am Tage seiner Revue oder bei einer Parade so viel Ansehen gibt, macht ein Pferd geduldig und stärkt ihm das Gedächtnis. Die Bewegung des Pferdes in dem spanischen Schritt ist dieselbige wie bei dem stolzen Tritt, so dass, wenn man einen genauen Begriff von dem einen und dem anderen haben will, man den stolzen Tritt als einen auf der Stelle bleibenden spanischen Schritt, wo das Pferd weder vorwärts noch rückwärts geht, ansehen muss, den spanischen Schritt aber als einen stolzen Tritt, worin das Pferd bei jeder Bewegung um ungefähr einen Fuß vorwärts kommt.
 
In dem stolzen Tritt muss das Knie des in die Höhe gehobenen Schenkels mit dem Einbogen desjenigen Schenkels in gleicher Linie stehen und der Schenkel muss so gebogen werden, dass die Zehe des Fußes sich bis zur Höhe der Mitte des Knies des auf die Erde stehenden Schenkels hebt. Der Hinterschenkel darf aber nicht so hoch gehoben werden, weil das Pferd sonst nicht auf den Hanken sein würde, sondern die Zehe des in die Höhe gehobenen Fußes muss nur bis zur Mitte des Schienbeins des anderen Schenkels gehen. In dem spanischen Schritt, worin sich das Pferd mehr vorwärts gehend bewegt, als im stolzen Tritt, darf der vordere Schenkel nicht so hoch gehoben werden. Die Zehe des aufgehobenen Fußes muss nur bis zur Höhe der Mitte des Schienbeins des auf der Erde stehenden Schenkels reichen und der Hinterschenkel muss etwas über das Kötengelenk des anderen Schenkels gehoben werden. In dem spanischen Schritt hat man noch mehrere Stücke zu beobachten, nämlich die Stellung, in welcher ein Pferd sein muss, das den spanischen Schritt, es sei auf einem oder zwei Fußtritten, geht; die Kadenz oder der Takt, in welchem ein Pferd den spanischen Schritt gehen muss und die Hilfe, die der Reiter, um es in dieser Schule abzurichten, anwenden muss.
 
Die geschicktesten Reiter kommen darin überein, dass eine schöne Biegung, die man einem Pferd im Arbeiten gibt, eines der vornehmsten Stücke ist, die es in eine schöne Stellung bringt. Indessen aber wird diese schöne Biegung von den geschicktesten Meistern verschiedentlich erklärt. Einige wollen, dass das Pferd nur bogenförmig gebogen sein solle, welches bloß eine halbe Biegung ist, in welcher das Pferd nur mit einem Auge in die Volte sieht, andere wollen, dass es einen halben Zirkel mache, nämlich, dass es beinahe mit beiden Augen inwendig in die Linie sehe. Man muss zugeben, dass in der einen und anderen Biegung das Pferd Anstand hat. Allein meines Erachtens ist doch die bogenförmige oder halbe Biegung nicht mit so vielem Zwang verbunden und erhält die Vorhand des Pferdes erhabener als in jener, wo es mehr gebogen ist. In der letzten Stellung bringen sich größtenteils die Pferde zu viel herbei, das heißt, die halten die Nase zu tief und krümmen den Hals.
 
Diejenigen, welche die halbe Biegung annehmen, führen ihre Pferde mit Schultern und Kruppe gerade oder halten nur die halbe Kruppe einwärts. Diejenigen aber, die eine größere Biegung wollen, halten die Kruppe ebensoviel einwärts wie den Kopf, welches von dem Kopf bis zum Schweif einen halben Zirkel bildet (les deux bouts de dedans). Durch diese Stellung scheint das Pferd mehr auf den Hanken zu sein, weil es mit der Hinterhand enger zusammen kommt. Man kann diese verschiedenen Stellungen annehmen und sie nach dem verschiedenen Bau jedes Pferdes auf unterschiedliche Art anwenden. Man findet wenige durchaus verhältnismäßig gewachsene Pferde. Einige sind zu kurz, andere wieder zu lang von Rücken. Verhältnismäßig gewachsene Pferde, nämlich solche, die weder zu lang noch zu kurz von Rücken sind, müssen mit halber Kruppe einwärts geführt werden. Man hält zu dem ende die äußere Hilfe etwas einwärts, so dass die Kruppe, anstatt gerade auf der Linie der Schultern fort zu gehen, etwas einwärts kommt und der äußere Hinterfuß sich auf die Stelle des inneren niedersetzt, wodurch die halbe Kruppe einwärts kommt. Diese nun ist es, was man eigentlich halbe Kruppe einwärts nennt (la demi hanche dedans). Diese Stellung ist sehr schön und steht wohlgebildeten Pferden und denen, die sich von selbst schön tragen, ungemein gut.
 
Pferde mit kurzem Rücken muss man mit Schultern und Kruppe gerade und nur halb gebogen halten, so dass sie mit einem Auge nach innen sehen, denn wollte man sie in eine kürzere Stellung bringen, sie zu sehr biegen und die Kruppe zu viel einwärts halten, so würden sie zu sehr gezwungen sein und ihre Schultern nicht schön bewegen. Der größere Teil der Pferde von diesem Bau hält gemeiniglich ihre Kräfte zurück und folglich muss man sie mehr vorwärts gehend im spanischen Schritt führen als jene, die von Natur aus ihre Kräfte hergeben.
 
In der halb zirkelförmigen Stellung des spanischen Schrittes wird der Kopf stark einwärts gebogen und die Kruppe wird ebenso sehr wie der Kopf nach innen gestellt, so dass der ganze Körper des Pferdes rund steht und einen halben Zirkel bildet. Diese Stellung ist für Pferde erfunden worden, die von Leib und Hals zu lang sind, denn sie kommen dadurch kürzer beisammen und scheinen auf den Hanken zu sein. Führt man solche ganz auf einem Hufschlag, so würden sie nicht so viel Anstand haben und könnten sich nicht wohl vereinigen. Diese Stellung ist nicht anders als die umgekehrte Schule Kruppe an die Mauer, nämlich anstatt dass man in der Schule Kruppe an die Mauer das Pferd mit den Schultern nach dem Innern der Reitbahn zur Seite gehen lässt, so stellt man in der halb zirkelförmigen Stellung die Schultern gegen die Mauer und die Kruppe gegen den Mittelpunkt der Reitbahn, so, dass es beinahe auf zwei Fußtritten geht.
 
Wenn man erwogen hat, welche von den obigen drei Stellungen sich für die Natur und den Bau des Pferdes am besten schicke, so muss man ihm alsdann eine glich taktmäßige Bewegung in dieser Schule zu geben suchen. Unter der taktmäßigen Bewegung eines Pferdes im spanischen Schritt versteht man eine abgekürzte, mit der Vorhand erhabene und in einen gleichen Takte fortgehende Bewegung des Trabes, wobei das Pferd weder zu sehr Rückwärtsrichten noch zu viel geeilt werden muss. Diese Bewegung, die sich ebenso schwer einem Pferde geben als dasselbe im Gang darinnen unterhalten lässt, hängt von der Übereinstimmung der Hilfen des Reiters und auch von der Beweglichkeit und dem Gehorsam des Pferdes ab. Deswegen darf man aber auch nie ein Pferd in seiner so gesuchten Genauigkeit in dem spanischen Schritt reiten wollen, ehe sein ganzer Körper beweglich und durch den stolzen Tritt in den Pilaren in Ordnung gebracht ist. Diese Übung ist das Muster des schönen spanischen Schrittes und wenn auch ein Pferd weit genug gekommen ist, dass man Schulen von Genauigkeit von ihnen fordern kann, so muss man doch niemals von den Arten Übungen abgehen, worin man es nicht genug befestigen kann. Man muss demnach von den drei Reprisen, welche man ein Pferd jedes Mal, wenn man es reitet, machen lässt, wenigstens eine in der Schule einwärts von ihm fordern, worauf die Schule Kruppe an die Mauer folgt, und zuweilen selbst, je nachdem es die Gelegenheit gibt, setzt man es wieder in den Trab.
 
Wenn man ein Pferd in dieser schönen Bewegung des spanischen Schrittes, welche durch eine freie, erhabene und gleichförmig vorwärts gehende Hebung der Schultern gebildet wird, unterhalten will, so muss man auf sein Temperament und Stärke seine Aufmerksamkeit richten. Pferde z.B. die ihre Kräfte zurückhalten, bewegen auch folglich ihre Schultern nicht gehörig. Diese müssen minder zusammen und in Zwang gehalten werden, selbst, wenn sie sich aus Bosheit oder sonst zu viel zurückhalten, so weicht man auf einige Zeit von der bestimmten Ordnung und Genauigkeit des spanischen Schrittes ab und treibt sie stark mit beiden Schenkeln und zuweilen mit beiden Sporen vor, um sie nur wieder in die Furcht und den Gehorsam, die sie vor den Hilfen und Strafen des Reiters haben müssen, zu bringen und zu erhalten. Diejenigen hingegen, die aus natürlicher Furchtsamkeit sich in die Hand legen, müssen in ihrem Gange kürzer, mehr beisammen gehalten und mehr mit der Hand verhalten als mit den Schenkeln und Knien vorgetrieben werden. Durch diese Hilfe wird man die einen und anderen in der wahren Stellung und Bewegung dieser Schule erhalten. Die Wechselung im spanischen Schritt muss auf einer schiefen Linie auf zwei Fußtritten gemacht werden. Die Schultern müssen dabei zur Hälfte der Kruppe vorgehen, so dass der äußere Vorderschenkel mit dem innern Hinterschenkel in einer Linie steht und damit es in dem Gleichgewicht und gerade zwischen beiden Schenkeln bleibe, so darf es, ohne dass der inwendige Schenkel solches zugibt, auch nicht einen einzigen Schritt aus Furcht vor dem äußeren Schenkel des Reiters tun. Aus diesem Grunde muss man sich seiner Hand und Schenkel wohl zu bedienen wissen.
 
In dem spanischen Schritt auf zwei Fußtritten muss das Pferd mit den Hinterfüßen ebenso viele Bewegungen als mit den vorderen machen. Öfters ereignet es sich, dass ein Pferd mit den Hinterfüßen auf einer Stelle stehen bleibt und mit den vorderen zwei bis drei Schritte macht, ohne dass sie von den hinten begleitet werden (devuider de l’épaule). Ein anderer noch größerer Fehler ist der, wenn es mit den Vorderfüßen stehen bleibt und mit den hinteren fortgeht (s’acculer, s’entabler). Für den Reiter ist es ungleich leichter, die Bewegungen, die ein Pferd mit den Vorderfüßen macht, verhältnismäßig einzurichten, als die Kruppe und Hinterfüße in einer genauen Gleichförmigkeit zu halten, da sein Gesichtspunkt mehr auf die Stellung des Kopfes und Halses und auf die Bewegung der Schultern gerichtet ist. Indessen muss man, um diesem Fehler zur rechten Zeit und mit Fertigkeit abhelfen zu können, die Leichtigkeit von dem einen und andern zu erhalten suchen, welches von der Geschwindigkeit der Hand und der Feinheit des Schenkels abhängt.
Man muss sich erinnern, dass es, wenn man ein Pferd auf zwei Fußtritten im spanischen Schritt führt, eine der gelindesten Hilfen ist, wenn man macht, dass die äußere Schulter und der äußere Arm des Pferdes frei über den inneren schränkt. Der geschickte Herr de la Broue sagt, dass wenn man diesen Zeitpunkt wohl treffen wolle, man fühlen müsse, welcher Fuß auf die Erde gesetzt werde und welcher in der Höhe sei, und dass man in dem Zeitpunkt, da der Vorderfuß der Seite, wohin es geht oder sich wendet, in der Höhe und zum Niedersetzten bereit sei, die Zügelhand wenden müsse, damit es bei dem drauf folgenden Heben des anderen Vorderfußes genötigt werde, mit dem äußeren Arm und Schulter vorzugreifen und über die inneren zu schränken. Es gehört, fügt er hinzu, eine große Leichtigkeit in der Anwendung der Hilfen dazu, um diesen Zeitpunkt wohl zu treffen, denn wendet man in dem Zeitpunkt mit der Hand, wo der inwendige Fuß noch zu hoch ist, so wird man, anstatt des äußeren Schultern und Schenkel, den inwendigen erweitern und wendet man mit der Hand, wenn es den Fuß zur Erde setzt, so fehlt es ihm an Zeit, um frei mit der äußeren Schulter und dem Schenkel schränken zu können.
 
Bei dem Schluss diese Kapitels bemerke ich noch, dass es unter den dreien soeben erwähnten ‚Stellungen, in denen man ein Pferd im spanischen Schritt führen kann, zwei gibt, die nur innerhalb der Grenzen einer Reitbahn und zum Vergnügen der Schulreiterei zugelassen werden können. Es ist die Stellung mit halber Kruppe einwärts und die halbzirkelförmige. Wenn man aber an der Spitze eines Trupps oder bei Revuen, bei Feierlichkeiten oder Aufzügen ein Pferd in einem ebenen und erhabenen Schritt hält, so muss man es, um seiner Vorhand mehr Anstand zu geben, nur nach der Seite, wohin es geht, halb gebogen und mit Schultern und Kruppe gerade halten.
 
 
Fünfzehntes Kapitel
Von dem Handwechsel und von der Art zu verdoppeln, duplieren und wenden (doubler)
 
Unter Handwechselung versteht man gemeiniglich die Linie, welche das Pferd beschreibt, wenn es von der rechten auf die linke oder von der linken auf die rechte Hand geht. Da diese Schule zum Teil auf die Art zu duplieren gegründet ist, so werde ich zuvorderst das, was duplieren ist, erklären.
 
Die Reitbahn als der Ort betrachtet, wo man Pferde übt, muss ein längliches Viereck sein. Die Abteilung dieses Viereckes in mehrere größere oder kleinere, bildet dasjenige, was man weit oder enge dulpieren (kleine Volten) nennt. Dies Art, die Reitbahn in größere und kleinere Vierecke, je nachdem der Reiter will, abzuteilen, macht das Pferd aufmerksam, den Hilfen der Hand und der Schenkel geschwind zu gehorchen. Das Schwere in dieser Übung aber besteht darin, die Schultern des Pferdes am Ende der Linie des Viereckes zu wenden, ohne dass die Kruppe ausfalle. Man muss daher, wenn man an dem Ende jeder Linie des Viereckes wendet, mit den Schultern den vierten Teil eines Zirkels beschreiben, die Kruppe aber auf derselbigen Stelle halten. Der inwendige Hinterschenkel muss in dieser Bewegung auf einer Stelle stehen bleiben, die drei anderen Schenkel aber, nämlich die beiden vordern und der äußere Hinterschenkel, drehen sich zirkelförmig um den inwendigen Hinterschenkel wie um eine Achse herum. Wenn die Schultern wieder auf der Linie der ‚Kruppe stehen, so geht man bis zur anderen Ecke des Viereckes, das Pferd gerade zwischen beiden Schenkeln haltend, fort. Diese Übung wird am Ende jeder Linie wiederholt, ausgenommen in den Ecken, wo die Winkel des Vierecke durch des Zusammenstoßen der Mauern gebildet werden. Alsdann muss die Kruppe den Schultern durch den Winkel der Ecke folgen und dies in demselben Zeitpunkt, wenn man die Schultern auf die andere Linie wendet.
 
Eben aus dem Viereck in den vier Ecken und in der Mitte der Reitbahn zieht man das richtige Ebenmaß, welches auf wohl eingerichteten Reitbahnen beobachtet wird und dass zur Erhaltung der Ordnung, die man in den weiten und engen Wechselungen, in ganzen und halben Volten halten muss, gereicht. Obgleich einige Reiter diese Regelmäßigkeiten vernachlässigen, so ist es doch nicht ratsam, ihnen in einer gegen die Genauigkeit streitenden Ausübung nachzuahmen. Man hat weite und enge Wechselungen, Gegenwechselungen (conte-changemens) und die Wechselung durch Umkehrung der Schultern (changement de main reversée). Die weite Wechselung ist der Weg, den ein Pferd beschreibt, wenn es auf einer schiefen Linie, entweder auf einem oder auf zwei Fußtritten von einer Mauer zur anderen geht. Die in dem Grundriß befindlichen zwei Linien der weiten Wechselung auf zwei Fußtritten werden einen Begriff von dem Ebenmaß geben, welches man bei dem weiten Wechseln beachten muss.
 
Ich bemerke hierbei, dass , wenn man seitwärts oder auf zwei Fußtritten wechselt, der Kopf und die Schultern vor und in derselben Stellung wie in der Schule Kruppe an der Mauer gehen müssen, jedoch mit dem Unterschied, dass das Pferd bei dem Wechseln mit jedem Schritt vorwärts kommen muss, wodurch die äußere Schulter viel Freiheit erhält und das Pferd in einem beständigen Gehorsam für der Hand und den Schenkeln gehalten wird. Die enge Handwechselung fängt bei d. als der ersten Linie des engen Duplieren an und endet durch eine mit der weiten Handwechselung parallel laufenden Linie an der Mauer, wie man in dem Grundriss bei 1 ersehen kann. Einige Reiter verwechseln sehr unrichtig die halbe Volte mit der engen Handwechselung. 
 
An dem Ende jeder Handwechslung, sie sei weit oder eng, müssen die Schultern und Hanken zugleich ankommen, welches man die Wechselung schließen nennt (fermer la changement de main) . Die vier Schenkel des Pferdes müssen auf der Linie an der Mauer sein, ehe man auf der anderen Hand weiter geht. In dem Grundriß hat man diese Schulen nur auf der rechten Hand abgebildet, weil man sich dieselbigen Linien auch leicht auf der linken Hand vorstellen kann. Die Gegenwechselung besteht aus zwei Linien. Die erste ist der Anfang einer weiten Handwechslung und wenn man mit dem Pferd in der Mitte der Reitbahn bei F angekommen ist, so geht man, anstatt auf derselben Linie fortzureiten , zwei bis drei Schritte gerade vorwärts, stellt ihm den Kopf auf die andere Hand (links) , führt es auf einer schiefen Linie wieder auf die soeben verlassenen Linie an der Mauer nach G zurück und geht auf derselben Hand, auf der man vor dem Wechseln war, weiter.
 
Die Wechselung durch Umkehrung der Schultern fängt wie die Gegenwechselung an. Anstatt aber bis nach G an die Mauer zurück zu gehen, wendet man in der Mitte der schiefen Linie bei H die Vorhand des Pferdes um und geht auf die andere Hand. In dem Grundriss kann man die Umkehrung der Schultern bei H ersehen, wo das Pferd auf die linke Hand kommt, wenn es an der auf der rechten Hand verlassenen Mauer anlangt.
 
Alle diese verschiedenen Schulen der Handwechselungen, Gegenwechselungen und Umkehrungen der Schultern haben den Endzweck, Pferde abzuhalten, aus Gewohnheit zu gehen, welches der Fehler derjenigen ist, die mehr aus Gedächtnis als aus Gehorsam vor der Hand und den Schenkeln gehen.
  
Sechzehntes Kapitel
Von dem Galopp
  
In dem Kapitel von den natürlichen Gängen habe ich schon eine Beschreibung von den verschiedenen Bewegungen gegeben, die ein Pferd macht, wenn es rechts, links oder falsch galoppiert. Es bleibt mir also hier noch von den Eigenschaften des Galopps zu reden übrig, von der Art, ihn zu führen und von den zu beobachtenden Regeln, wenn man ein Pferd gut galoppieren will. Drei wichtige Vorteile erhält man durch den Galopp. Sie sind: einem empfindlichem Maule sichere Anlehnung zu geben, den Atem zu vermehren und die überflüssige Stärke eines Pferdes, das einen zu starken Rücken hat, zu vermindern.
 
Alle Reiter stimmen darin überein, dass der Galopp empfindlichen Mäulern sichere Anlehnung verschafft, denn in der Bewegung des Galopps hebt das Pferd die beiden Schultern und beiden Arme in die Höhe und da hierauf die beiden Vorderfüße zugleich wieder auf die Erde fallen, so wird das Pferd natürlicherweise bewogen, sich auf das Mundstück zu lehnen und der Reiter kann den Zeitpunkt benutzen, ihm in diesem Augenblick die Wirkung der Stange fühlen zu lassen.
Der Galopp vermehrt den Atem, denn da das Pferd, um seine Kräfte besser verteilen zu können, genötigt ist, alle Teile seines Körpers auszudehnen, so erweitern sich die Muskeln der Brust und die Lunge füllt sich mit einer größeren Menge Luft an, welches ein freieres Atemholen verschafft.
 
Der Galopp vermindert das überflüssige Vermögen mancher Pferde, welche die Stärke ihres Rückens zu unordentlichen Sprüngen und Stößen anwenden, die für den Reiter unbequem sind und ihn aus dem Sitz bringen. In der Bewegung des Galopps sind die Vorderschenkel des Pferdes von den hinteren entfernt, der Rücken, als der obere Teil des Leibes, wird notwendigerweise gezwungen, sich in dieser Bewegung zu senken, welches folglich die Stärke dieses Teils vermindert. Dies muss man jedoch nur von dem gestreckten Galopp verstehen, der für Pferde dieser Art schicklich ist, denn der vereinigte Galopp würde ihnen Gelegenheit geben, ihre Unordnungen fortzusetzen.
 
Eine Regel, die von allen geschickten Reitern beobachte wird, ist, dass man niemals eher ein Pferd in Galopp setzen darf, bis es durch den Trab so beweglich gemacht ist, dass es sich v selbst, ohne in die Hand zu drücken oder zu ziehen, z um Galopp zeigt. Man muss demnach warten, bis sein ganzer Körper biegsam ist, bis es in der Schule Schulter einwärts seine Schenkel zirkelförmig zu bewegen gelernt hat, bis es der Schule Kruppe an die Mauer den Schenkeln folgt und bis es durch den stolzen Tritt in den Pilaren leicht geworden ist. Sobald es zu diesem Grad von Gehorsam gekommen ist, so bedarf es nur der geringsten Hilfe, um es in Galopp zu bringen und es wird dieses mit Vergnügen tun. Um es aber nicht allein freier und gehorsamer zu machen , sondern um ihm auch jene böse Gewohnheit zu nehmen, die beinahe alle Pferde haben, mit dem inwendigen Hinterschenkel weit zu galoppieren und damit von der Linie des inwendigen Vorderschenkels abzuweichen, muss man es in der Stellung der Schulter einwärts galoppieren. Dieser Fehler ist umso wichtiger, da es für den Reiter sehr beschwerlich ist und ihm einen unbequemen Sitz verursacht, wie man dieses bei den meisten im Galopp leicht bemerken kann. Z.B. galoppiert das Pferd rechts, welches bei Jagd- und Campagnepferden die Art zu galoppieren ist, so wird man sehen, dass bei allen die linke Schulter zurücksteht und dass sie nach der linken Seite hängen. Der Grund hierfür ist natürlich, denn galoppiert ein Pferd mit dem rechten Hinterschenkel weit und von dem linken entfernt, so stößt und wirft notwendigerweise das Hüftbein in dieser Lage den Reiter auf die äußere Seite und gibt ihm eine schiefe Stellung. Zur Verbesserung dieses Fehlers also und um das Pferd den inwendigen Hinterschenkel nahe an den äußeren setzen und die Hanken senken zu lehren, muss man dasselbe in der Stellung Schulter einwärts galoppieren. Wenn es in dieser Stellung fleißig geübt und beweglich gemacht ist, so wird es ihm leicht werden, mit vereinigten Hanken und auf der Linie der Schultern zu galoppieren, so dass die Hinterhand die Vorhand forttreibt, welches der wahre und schöne Galopp ist.
 
Ein anderer Fehler, den viele Reiter begehen, ist, dass sie sich im Anfang nicht befleißigen, den Galopp zu fühlen, welches doch ein wesentliches Stück ist. Aus dem Grunde habe ich es für nötig erachtet, ein Mittel hier anzugeben, wodurch man ihn in kurzer Zeit fühlen kann. Ich habe dieses einem alten Bereiter zu danken, der in der Abrichtung der Pferde zum Laufen in großem Rufe stand. Dieses Mittel ist : man nimmt eine Campagnepferd, das einen ausgestreckten, vorgreifenden Schritt geht und befleißigt sich, das Aufsetzen der Vorderfüße zu fühlen. Im Anfang ist es nötig, dass man, um dieses Aufsetzen zu fühlen. Nach der Bewegung der Schultern sieht, damit man wahrnehmen könne, welcher Fuß auf die Erde gesetzt und welcher gehoben wird. Man zahlt diese Bewegung bei sich selbst und spricht : eins, zwei. Z.B. wenn der linke Vorderfuß auf die Erde gesetzt wird, so muss man ein bei sich selbst sagen, und wenn der rechte Vorderfuß darauf niedergesetzt wird, so muss man zwei sagen. Auf diese Weise zählt man immer eine, zwei, fort.
 
Dasa ist nun eben keine schwere Sache, nach dem Gesicht die Setzung der Füße zu zählen, das Wesentliches aber besteht darin, dass man dieses Gefühl in der Dickbeine übergehen lasse, dergestalt, dass der Eindruck, den z.B. der linke Fuß macht, wenn er aufgesetzt wird, in das linke Knie übergehe, ohne dass man nach der Bewegung der Schultern mehr sehe. Man zählt immer eine, so wie man es tat, da man hinsah; desgleichen, wenn der rechte Fuß aufgesetzt wird, muss man zwei sagen, ohne nach der Bewegung des Schenkels zu sehen. Mit einiger Aufmerksamkeit wird man bei Beobachtung dieser Methode in kurzer Zeit in seinen Knien fühlen, welcher Fuß aufsetzt und welcher gehoben wird. Wenn man dieser Bewegung im Schritt ziemlich sicher ist, so muss man dasselbige im Trab versuchen, welches eine erhabenere, geschwindere und folglich schwerer zu fühlende Bewegung ist. Aus dem Grunde muss man auch in diesem Gang wieder anfangen, nach der Bewegung der Schultern zu sehen, um von dem Aufsetzen der Füße sicher zu werden und dieses Gefühl in die Knie übergehen zu lassen, wie man es im Schritt machte. Fühlt man im Trab des Aufsetzen der Vorderfüße wohl, ohne nach der Schulter zu sehen, so wird man es in kurzer Zeit auch im Galopp fühlen, denn das Aufsetzen der Vorderfüße im Galopp geschieht, wie im Trab, in zwei Zeitpunkten, eins, zwei.
 
Wenn man in dem Galopp sicher ist, so wird es leicht sein, ihn zu fühlen, wenn es falsch wird. Ein Pferd, das falsch galoppiert, hat einen solchen unbequemen Gang, dass man, wenn man nur einigermaßen gut im Sattel sitzt, alles Gefühls beraubt sein müsste, wenn man nicht die Unordnung fühlte, die diese unregelmäßige Wechselung in dem Sitze verursacht.
 
Ob nun gleich das Galoppfühlen eine Sache ist, die mehr Aufmerksamkeit als Kunst erheischt, so ist es jedoch schlechterdings notwendig, zu wissen, damit man ein Pferd regelmäßig führen könne. Jeder Reiter, der den Galopp seines Pferdes nicht fühlt, kann nie für einen Reiter gelten.
Herr de la Broue sagt, dass der schöne Galopp mit der Vorhand kurz und mit den Hanken geschwind sein müsse. Diese Beschreibung betrifft indessen den Bahngalopp, von dem ich hier rede. Der Jagd- oder Feldgalopp, von dem ich in dem Kapitel von Jagdpferden reden werde, muss gestreckt sein. Diese Geschwindigkeit der Hinterhand, welche die wahre taktmäßige Bewegung in dem Galopp bildet, wird nur durch den Eifer des Pferdes zum Gehen, durch halbe Paraden und durch öfteres Senken der hand erlangt. Durch den Eifer zum Gehen wird das Pferd bewogen, eine geschwindere als seine gewöhnliche Bewegung anzunehmen. Durch die halben Paraden wird die Vorhand des Pferdes verhalten und das Senken der Hand ist die Belohnung, die unmittelbar auf den Gehorsam des Pferdes folgen muss und die zugleich das Pferd verhindert, die böse Gewohnheit anzunehmen, sich auf das Mundstück zu legen. Wenn das Pferd leicht Luft zum Galopp bekommt, wenn es bei der halben Parade stäte und der Hand gehorsam ist, wenn es bei dem Senken der Hand den Kopf nicht aus der gehörigen Stellung bringt, so muss man es alsdann in einen vereinigten, gleichen Galopp setzten, in welchem die Hinterhand die Vorhand forttreibt und ihr, ohne das die Hanken geschleppt werden, in gleichförmigen abgemessenen Sätzen folgt und dass der Eifer zum Gehen und die halben Paraden gleichsam unmerklich und nur dem Pferde fühlbar sind. Wenn man einem Pferde diesen abgemessenen und vereinigten Galopp verschaffen will, so muss man sorgfältig dessen Natur zu erforschen suchen, um ihm eine angemessene Unterweisung geben zu können.
Pferde, die ihre Kräfte zurückhalten, müssen auf langen, geraden Linien geführt und gestreckt geritten werden, ehe man ihren Galopp bestimmt. Diejenigen hingegen, welche zu hitzig sind, müssen in einem langsameren und kurzen Galopp gehalten werden, welcher ihnen die Neigung, sich zu übereilen, nimmt und zugleich den Atem verstärkt.
 
Diejenigen Pferde, welche einen zu starken Rücken haben, muss man nicht immer auf graden Linien, sondern öfters auf Zirkeln galoppieren, denn bei dem Wenden sind sie genötigt, sich mehr beisammen zu halten als bei dem Geradeausgehen, wodurch die Stärke des Rückens vermindert, das Gedächtnis und Gesicht beschäftigt, ihre Hitze und die Neigung, in die Hand zu drücken, ihnen bekommen wird. Es gibt andere Pferde, die bei hinlänglich starkem Rücken doch eine Schwäche haben oder einen Schmerz empfinden, die entweder durch Zufall oder von Natur in den Schultern, den Schenkeln, den Kötengelenken oder in den Füßen entstanden sein kann. Da diese Art Pferde in ihre Kräfte ein Misstrauen setzen, so zeigen die sich gewöhnlich im Galopp in einem sehr üblen Anstande. Lange Reprisen darf man mit diesen nicht machen, damit man ihnen den Mut erhalte und ihre wenige Stärke schone.
 
Zwei andere Arten von Pferden findet man noch, die von Natur aus verschieden galoppieren. Einige schwimmen im Galopp, d.h. sie strecken ihre Vorderschenkel aus und heben sie zu hoch; andere hingegen galoppieren zu nahe an der Erde. Zur Verbesserung des ersten Fehlers muss man die Hand in dem Zeitpunkt, da die Vorderschenkel auf die Erde gesetzt werden, tief stellen, den Absatz tief halten   und stark auf die Steigbügel treten. Denen, die zu nahe an der Erde galoppieren und sich auf das Mundstück legen, muss man mit der hand, wenn die Vorhand in der Höhe ist, nachgeben und mit beiden Waden helfen. In dem Zeitpunkt aber, wenn die Vorderfüße wider auf die Erde fallen, hält man die Hand nahe an sich, ohne zu sehr auf die Steigbügel zu treten. Man muss ein Pferd immer so lange auf einem Hufschlag reiten, bis es auf beiden Händen leicht galoppiert, denn wollte man es zu bald seitwärts zu galoppieren zwingen, d.i. ehe es die erforderliche Biegsamkeit und Freiheit im Galopp erhalten hat, so würde es eine harte Anlehnung im Maul bekommen, seine Vorhand würde steif werden und man würde ihm dadurch Gelegenheit zum Widersetzen geben. Man wird leicht erkennen, wann es im Stande ist, mit einwärts gestellten Hanken zu galoppieren: dann fühlt es sich beweglich und g frei genug und man bringt es in die Stellung der Schule Kruppe gegen die Mauer, so braucht man es nur ein wenig mit der Zunge anzufeuern und mit dem äußern Schenkel anzutreiben und es wird von selbst in Galopp fallen , worin man aber nur wenige Schritte fortgeht, es darauf pariert und ihm schmeichelt. Man übt es hierinnen von Zeit zu zeit, bis man fühlt, dass es im Stande ist, eine ganze Reprise zu machen.
 
Alle diese Übungen , wenn sie gut ausgeführt, der Natur des Pferdes angemessen und durch die Schulen Schultern einwärts und Kruppe an die Mauer vollkommener gemacht und mit der geraden Linie in die Mitte der Reitbahn, auf der man jede Reprise immer endigen muss, damit man die Kruppe gleich und wieder gerade richt, verbunden werden, machen mit der Zeit ein Pferd im Galopp frei , leicht und gehorsam. Ein Gang, der de, Zuschauer, wenn ein Pferd mit schönem Anstand galoppiert, ebenso viel Vergnügen macht als er dem Reiter Bequemlichkeit und Annehmlichkeit gewährt.
 
Siebzehntes Kapitel
Von Volten, halben Volten, Passaden, Piruetten und von Terre à terre
 
Die alten Bereiter erfanden die Volte, um ihre Pferde in den Gefechten mit dem Degen oder der Pistole, die ehe die Zweikämpfe verboten wurden, sehr gewöhnlich waren, geschickter zu machen. Man befleißigte sich, den Pferden auf dem Zirkel viel Gehorsam und Geschwindigkeit zu verschaffen, damit sie in dem geschwinden und oftmaligen Umringender Kruppe gewandeter und behänder wurden, um entweder die Kruppe seines Feindes zu erreichen oder zu verhüten, dass die seinige erreicht werde, um immer der seines Gegners die Spitze bieten zu können. In der Folge machte man aus dieser Übung eine Schule für die Reitbahn, in der man aber, um die Kunst des Reitens und die Geschicklichkeit des Pferdes anschaulicher zu machen, die Hanken mehr in die Enge brachte. Aus dem Grunde kann man auch zweierlei Arten von Volten annehmen: diejenigen, welche zu Kriegsschulen dienen und solche, die zum Vergnügen der Schulreiterei gemacht werden. In den Volten, die ein Gefecht vorstellen, darf das Pferd weder auf einem Viereck noch auf zwei Fußtritten geführt werden, denn in dieser Stellung würde man nicht auf die Kruppe seines Feindes stoßen können. Diese Müssen vielmehr in der Runde gemacht und die halbe Kruppe nur einwärts gehalten werden, damit das Pferd fester auf seiner Hinterhand stehe.
 
Da man die Waffen in der rechten Hand hält, die aus der Ursache auch die Degenhand (la main de l’épée) genannt wird, so muss ein Soldatenpferd sehr biegsam auf der rechten Hand sein, weil man selten die Hand wechselt, wenn man anders nicht mit einem zu tun hat, der links ist. Die Volten, welche die Schulreiterei betreffen, müssen auf zwei Fußtritten und in einem Viereck gemacht werden, dessen vier Ecken mit der Vorhand gegründet (abgeschnitten) werden (embrasser la Volte). Diese Schule auf zwei Fußtritten ist von jener der Kruppe an die Mauer genommen, welches eine Übung ist, nach der man ein Pferd auf umgekehrten Volten ( Voltes renversées) zu führen anfängt, die dann wieder als der Grund zur guten Ausführung der gewöhnlichen Volten angesehen werden können.
 
Wenn demnach ein Pferd auf beiden Händen in der Schule Kruppe an der Mauer längs einer Mauer Gehorsam leistet, so fährt man fort, es in dieser Stellung längs den vier Mauern durch eine Wendung der Vorhand an jeder Ecke der Reitbahn so lange zu erhalten, bis es auf jeder Hand willig folgt. Darauf verwandelt man das durch die vier Mauern gebildete lange Rechteck der Reitbahn in ein enges, wie es in dem Grundriss vorgestellt ist. Der Kopf und die Schultern werden gegen den Mittelpunkt der Volte gehalten und an dem Ende jeder Linie des Vierecks, d.h. an jeder Ecke, wird die Vorhand umgewendet oder vielmehr angehalten, damit die Kruppe auf die andere Linie kommen kann.
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Obgleich der Kopf und die Schultern eines Pferdes, das man an der Longe trabt oder welches man auf Zirkeln mit der Kruppe hinaus arbeitet, gegen den Mittelpunkt gerichtet sind, so muss man dieses deswegen doch nicht für umgekehrte Volten halten, wie es einige Reiter verwechseln. Der Unterschied ist sehr groß, denn wenn man ein Pferd auf einem Zirkel mit dem Kopfe herein und der Kruppe hinaus führt, so werden die inwendigen Schenkel über die äußeren gesetzt, welche die Übung ist, die ich zur Vorbereitung eines Pferdes zu der Schule Schulter einwärts angegeben habe. In den umgekehrten Volten aber sind es die äußeren Schenkel, die über die innern schränken müssen, gleich wie in der Schule Kruppe an die Mauer, welches dem Pferd ungleich schwerer wird, weil es in dieser letzten Stellung kürzer beisammen und mehr auf den Hanken gehen muss.
 
Aus der Ursache darf man auch von einem Pferd diese Schule nicht eher verlangen als bis es die Hand und Schenkel wohl zu kennen anfängt und leicht seitwärts geht. Die ganze Schwierigkeit in den umgekehrten Volten besteht darin, dass man das Pferd nach der Hand, worin es geht, biegt, die Schultern vorgehen lässt und solche in den vier Ecken des Vierecks auszuhalten weiß, damit die Hanken auf die andere Linie gerichtet werden. Das Pferd wird dieses leicht und in kurzer Zeit ausführen, wenn es nur vorher in der Schule Kruppe an der Mauer biegsam und gehorsam gemacht ist, auf welche Schule man auch wieder zurückkommen muss, wenn es sich in dem engen Viereck widersetzen sollte, in welches doch ein Pferd gebracht werden muss, wenn es dasjenige, was man umgekehrte Volten nennt, machen soll.
 
Sobald das Pferd auf beiden Händen auf zwei Fußtritten, auf großen und kleinen Vierecken, in den umgekehrten Volten willig gehorcht, so muss man es auf die gewöhnliche Volte ( Volte ordinaire ) bringen, auf der man ihm die Kruppe gegen den Mittelpunkt und die Vorhand in einer Entfernung von zwei bis drei Schuhen diesseits gegen die Mauer stellt, so dass die Schultern das größte, die gegen den Mittelpunkt der Volte gestellten Hanken aber das kleinste Viereck beschreiben. (Tab.XXII.lit.c.f) Jede Ecke muss mit der Vorhand geründet werden, indem man die Hand hurtig auf die andere Linie führt und damit wendet. Die Hanken aber müssen bei der Wendung der Vorhand in einer steten Stellung gehalten werden, denn der Hufschlag der Hanken muss durchaus ein Viereck bilden. Wenn man ein Pferd auf dieses Weise von einer Ecke zur anderen seitwärts führt, so wird es sich niemals in die Volte legen oder zurückkriechen und mit der Kruppe vor die Vorhand kommen. Dieser letztere Fehler ist in Rücksicht, dass einem Pferd die Hanken dadurch gelähmt und die Kniekehlen verdorben werden, sehr wichtig. Einige Reiter geben zwar diese Fehler von Volten überhaupt Schuld, ohne Zweifel aber sind es nur diejenigen, worin das Pferd zurückkriecht und mit der Hinterhand vor die Vorhand kommt, von denen sie reden hören, denn ich glaube nicht, dass ein vernünftiger Reiter eine solche Sprache in Absicht einer Schule führen kann, in der die Zierlichkeit und der Gehorsam des Pferdes so anschaulich wird, die seine Bewegung verschönert und die dem Reiter, wenn er diese Schule gut ausführt, einen außerordentliche schönen Anstand gibt.
 
Der geschickte Herr de la Broue, der zuerst die Genauigkeit und das schöne Verhältnis der Volten gefunden hat, gibt noch eine vortreffliche Anweisung, um ein Pferd zu dieser Schule vorzubereiten. Man führt es nämlich anfänglich gerade auf einem Hufschlag und mit einwärts gebogenem Kopf in einem Schulschritt auf die vier Linien des Vierecke. An dem Ende jeder Linie, wenn die Kruppe in dem durch das Zusammenstoßen der anderen Linien gebildeten Winkel angekommen ist, wird die Vorhand so lange gewendet, bis sie auf derselben Linie der Kruppe steht, wie man dieses in dem Grundriss sehen kann. Diese Übung ist umso nützlicher, da sie ein Pferd gerade auf seinen Schenkeln erhält und ihm eine große Beweglichkeit der Schultern verschafft. Die Schritte, welche es geradeaus macht, nehmen ihm die Gelegenheit, sich zurückzuhalten und mit der Kruppe vor zu kommen und durch die Rundung, welche das Pferd am Ende jeder Linie mit seinen Schultern beschreibt, lernt es, sich mit Leichtigkeit zu wenden. Die Hanken bleiben hierbei stete und gebogen und sind beschäftigt, die Bewegung der äußeren Schulter und des Arms zu unterstützen. Die Ausübung dieser Regeln in dem Viereck, wenn sie der Natur des Pferdes wohl angemessen werden, wenn dasjenige, welches sich auf der geraden Linie in die Hand legt oder hineinzieht, zurückgehalten wird, wenn man jenes, welches sich zurückhält, vorteibt und die Schritte der Vorhand bei dem einem und dem anderen in jeder Ecke beschleunigt, wird nach und nach, ohne Gewalt, den Kopf, Hals, die Schultern und Hanken eines Pferdes so richten, dass es kaum des Zwange gewahr wird, in welchem es doch in dieser Schule gehalten wird. Damit man aber die Vorhand leichter wenden könne und die Hinterhand an dem Ende jeder Linie des Vierecke nicht ausfalle, so muss man, ehe die Vorhand gewendet wird, eine halbe Parade geben und nach der halben Parade die Hand hurtig wenden, damit die freie Bewegung der Schultern im geringsten nicht gehindert werde. Ebenso muss auch das Pferd nach der Hand, worauf es geht, gebogen sein, damit es zugleich den Kopf, das Gesicht und seine Bewegung auf dem Fußtritt und die Rundung jeder Ecke der Volte hinrichte.
 
Wenn das Pferd auf dem Viereck in einem kurzen Schulschritt gehorsam leistet, so bringt man es alsdann in einen lebhaften und erhabenen spanischen Schritt, damit in man es solches darauf auch um Galopp und immer in derselbigen Stellung kann machen lassen, d.h. mit Schultern und Hanken gerade und nach der Hand, worauf es geht, gebogen. Jede Reprise, sie sei in dem spanischen Schritt oder im Galopp, muss in dem Mittelpunkt der Volten geendigt werden. In der Mitte einer der Linie des Vierecks wendet man das Pferd und geht bis zum Mittelpunkt vorwärts; man pariert es gerade zwischen den Schenkel haltend und steigt darauf ab.
 
Geht das Pferd auf einem Hufschlag auf den vier Linien des Vierecks frei im spanischen Schritt fort und hat es die Leichtigkeit erlangt, in derselbigen Stellung vereinigt und in einer schönen Biegung auf beiden Händen zu galoppieren, so muss man es alsdann auf zwei Fußtritten im spanischen Schritt führen, wobei man aber , wie ich schon mehrmals gesagt habe und wie man es nicht genug wiederholen kann, genau beobachten muss, dass die Vorhand der Kruppe vorgehe, damit man der äußeren Schulter die Leichtigkeit verschafft, den äußeren Arm über den innern zu setzen, welches hierbei die größte Schwierigkeit ausmacht. erhindert man die Schulter an der freien Bewegung, so würde sich das Pferd in die Volte legen und die Kruppe würde vorgehen. Die Hanken müssen jedoch bei Pferden, die sich in die Hand legen und in die Hand ziehen, etwas mehr im Zwang und einwärts gehalten werden, damit man die Vorhand ihnen erleichtere. Deswegen aber darf die Kruppe der Vorhand doch nicht vorgehen. Bei den Pferden hingegen, die von der Natur mehr Leichtigkeit als Stärke erhalten haben, müssen die Hanken nicht so in die enge gebracht erden, damit sie freier gehen können. Man sucht sie deswegen immer in einer freien vorwärts gehenden Bewegung zu erhalten.
 
Man darf bei einem Pferde, dass man auf Volten arbeitet, in den ersten Unterweisungen nicht zu viel Genauigkeit beobachten, denn es könnte sich ereignen, dass ein von Natur ungeduldiges Pferd in einen Unruhe verfiele, die viele Unordnungen verursachte und einem faulen Pferde von phlegmatischer Natur würde man seine Kraft und seinen Mut unterdrücken. Ebenso wenig darf man auch ein Pferd, dass einige Tage geruht hat, gleich auf Volten zusammen nehmen, denn es könnte aus zu großer Munterkeit sich seines Rückens bedienen und sich widersetzen. Diese Art von Pferden muss man in einem gestreckten Galopp auf einem Hufschlag führen, bis ihre Munterkeit vorüber ist und sie ihren Rücken senken. Aus dem Grunde ist es Klugheit von einem geschickten Reiter, wenn es von der Ordnung, die sich auf die Genauigkeit der Verhältnisse bezieht, abweicht und auf die ersten Regeln wieder zurückkommt, sobald sie geringste Unordnung entsteht. Auf den Volten zu zwei Fußtritten muss man ein Pferd lange im spanischen Schritt üben, ehe man es in derselben Stellung galoppieren lässt und wenn man es biegsam und leicht fühlt, so braucht man es nur ein wenig anzufeuern und es wird von selbst in einen kurzen, fleißigen Galopp, mit untergebrachten Hanken, fallen, welches der wahre Galopp der Volten ist.
 
Doppelte Volten nennt man diejenigen, die auf derselben Hand mehrmals hintereinander gemacht werden. Ein Pferd muss jedoch schon viel Freiheit erlangt haben, in Atem gesetzt sein und die richtigen Verhältnisse in dieser Übung wohl verstehen, ehe man es die Volten verdoppeln lässt, denn eine zu starke Anstrengung würde es verwirt machen. Man muss deswegen im Anfang an jedem Ende der Volte parieren und ihm ein wenig schmeicheln, damit es sich in seinem Gedächtnis erhole, wieder Kräfte sammle und Zeit habe, sich verschnauben zu können. Man wechselt auch die Hand und den Platz, auf dass man ihm die Furcht nehme, welche ihm dieser Zwang verursachen könnte. Die Wechselung auf Volten wird auf zweierlei Art gemacht: bald außerhalb und bald innerhalb der Volte. Will man außerhalb der Volte wechseln, so stellt man dem Pferd lediglich den Kopf und biegt es auf die andere Hand. Man legt ihm den inwendigen Schenkel, der alsdann der Äußere wird, an und so hat man auf die andere Hand gewechselt.
 
Die Wechselung in der Volte wird gemacht, wenn man das Pferd in der Mitte eine der vier Linien des Vierecks wendet und es auf einer geraden Linie vorwärts gegen den Mittelpunkt der Volte führt, worauf man es bis zur anderen Linie der Seite gehen lässt und ihm da den Kopf auf die andere Hand stellt und weiter geht. Wenn man diese letztere Wechselung mit einwärts gestellter Kruppe anfängt und Schließt, so heißt man es eine halbe Volte in der Volte (demi-volte dans la volte). Die Größe einer Volte muss mit dem Leiste und der Länge eines Pferdes im Verhältnis stehen. Ein kleines Pferd auf einem großen Viereck und ein großes Pferd auf einem kleinen Viereck würde übel aussehen. Die Reiter haben ein richtiges Verhältnis gefunden, wenn sie den Raum von einem Hufschlag der Hinterfüße bis zum anderen zweimal Pferdelängen geben, so dass der Durchmesser einer regelmäßigen Volte viermal Pferdelänge haben muss.
 
Zweiter Abschnitt
Von halben Volten
 
Die halbe Volte ist eine enge Handwechselung mit einwärts stehender Kruppe, die entweder in der Volte, wie ich soeben gesagt habe, oder am Ende einer geraden Linie gemacht wird. Eine halbe Volte muss aus drei Linien bestehen. In der ersten führt man das Pferd zweimal seiner Länge seitwärts, ohne weder vorwärts noch rückwärts zu gehen. Darauf wendet man die Schultern auf eine zweite Linie von gleicher Länge und wenn man es auf die dritte Linie gewendet hat, so führt man das Pferd etwas vorwärts und schließt die halbe Volte, indem es mit den vier Schenkeln auf der Linie an der Mauer ankommen muss, um auf der anderen Hand weiter zu gehen. Die Ursache, warum das Pferd beim Schluss der halben Volte mit den vier Füßen auf derselbigen Linie ankommen muss, ist, weil sonst die halbe Volte offen bleiben würde und da in der Fall die Hinterhand von der Mauer abstünde und von der Linie der vorderen Fußtritte abwiche, so würde das Pferd nur mit der inwendigen, und nicht mit beiden Hanken, wieder vorwärts zu gehen anfangen, wodurch es veranlasst würde, sich auf die Schultern zu legen. Das Pferd muss demnach bei dem Schluss jeder Wechselung oder halben Parade gerade ankommen, damit es sich seiner beiden Hanken bedienen könne, die Vorhand fortzutreiben und sie zu erleichtern. Ehe man die halbe Volte anfängt, muss man eine halbe Parade geben und den Oberleib etwas zurückbringen, damit sich das Pferd auf die Hanken setze. Die Parade darf aber weder schwach noch ungleich sein, sondern so viel es die Natur des Pferdes erlaubt, stark und schön, damit die halbe Volte mit gleichem Anstand, Genauigkeit und Kraft vollendet werde.
 
Man darf ein Pferd nicht eher halbe Volten machen lassen, bis es auf einer ganzen Volte frei in dem spanischen Schritt fortgeht, denn es könnte in einem beschränkten Raum zusammenkriechen und mit der Kruppe vor die Vorhand kommen, welches aber nicht geschehen wird, wenn es in einem lebhaften und erhabenen spanischen Schritt auf einem Hufschlag auf den vier Linie des Vierecks der Volte gehörig befestigt ist. Legt es sich in die Volte oder bleibt es zurück, so muss es vorgetrieben werden und ebenso muss man es, wenn es sich zu viel in die Hand oder auf die Schultern legt, Rückwärtsrichten lassen. Wenn es nun in dem spanischen Schritt auf einer halben Volte gehorcht, so feuert man es am Ende auf der dritten Linie an und lässt es vier bis fünf Tempos in einem kurzen, niedrigen und fleißigem Galopp machen, worauf man ihm schmeichelt. Fühlt man, dass es dazu aufgelegt ist, so muss man die halbe Volte im Galopp anfangen und schließen. Sowohl in den ganzen als halben Volten muss man öfters die Ordnung der Schulen verändern und sowohl sie Hand als den platz wechseln, denn wollte man die halben Volten immer an demselben Ort machen, so würde das Pferd dem Willen des Reiters zuvorkommen und sie von selbst machen.
 
Sollte sich das Pferd den Regeln, in Ansehung des Ebenmaßes und der Genauigkeit der Volten und halben Volten, widersetzen, so muss man es wieder in der Schule Schultern einwärts und Kruppe an die Mauer reiten. Hierdurch wird sein Zorn vorübergehen und seine Hitze sich vermindern.Diese Unordnungen ereignen sich jedoch nur bei den Reitern, die sich von der Natur entfernen und Pferde zu sehr zusammendrängen und zu geschwind abrichten wollen.
 
Nicht durch die Gewalt, sondern im Gegenteil durch Gewandtheit und Biegsamkeit muss man sie dahin bringen, denn in dem Maß, als ein Pferd biegsam wird und den Willen des Reiters begreift, verlangt es nur zu gehorchen, wenn es anders nicht von einer schlechterdings widerspenstigen Natur ist und in dem Fall muss man keine ordentlichen Schulen von ihm verlangen, sondern nur schlechtweg einen Gehorsam, von dem man doch den Dienst ziehen kann, zu dem man es bestimmt und der seinem Vermögen und seiner Anlage angemessen ist.
 
 
Dritter Abschnitt
Von den Passaden
 
Die Passade ist, wie ich in dem Kapitel der künstlichen Bewegungen erklärt haben, eine gerade Linie, auf der ein Pferd hin und her geht, woher sie auch den Namen Passade erhalten hat. An den beiden Enden dieser Linie wechselt man oder macht eine halbe Volte.
 
Die Linie der Passade muss ungefähr fünfmal Pferdelänge haben, die beiden halben Volten aber müssen nur eine Pferdlänge breit sein, so dass sie im die Hälfte enger als eine gewöhnliche halbe Volte sein, denn je eher ein Reiter in dieser Schule, welche für ein Gefecht erfunden ist, seinem Feind einen Degenstoß angebracht hat, umso eher ist er im Stande, aufs neue wieder auf ihn loszugehen und einen neuen Stoß anzubringen. Diese Art von halben Volten für ein Gefecht werden auch in drei Tempos gemacht, von denen das letztere die halbe Volten schließen muss. Ein Pferd muss bei der Wendung kurz beisammen und auf den Hanken sein, damit es fester auf den Hinterfüßen steht und nicht ausglitsche. Der Reiter sitzt dadurch auch bequemer und besser im Sattel.
 
Man hat zweierlei Arten von Passaden: solche, die in einem kurzen Galopp, sowohl auf der Linie der Passade, als in den halben Volten gemacht werden und diejenigen, welche man flüchtige Passaden nennt. In den letzteren geht man von der Mitte der geraden Linie in einem flüchtigen Galopp bis zu dem Ort, wo man die halbe Parade gibt, um die halbe Volte anzufangen. Wenn man also in den flüchtigen Passaden die halbe Volte geschlossen hat, so reitet man in einem kurzen Galopp bis in die Mitte der geraden Linie fort, sowohl um sich fester in den Sattel zu setzen, als auch um die Bewegungen seines Feindes zu erforschen. Von da sprengt man das Pferd in einen gestreckten Galopp und nimmt des darauf wieder zusammen, um auf die andere Hand zu kommen.
 
Wenn das Pferd in dem Passaden längs der Mauer folgsam ist und wenn es bei dem Schluss jeder halben Volte leicht und ohne im Galopp falsch zu werden mit den Schenkeln wechselt, so muss man es die Passaden au der Linie in der Mitte der Reitbahn machen lassen. Denn da diese Übung für ein Gefecht erfunden ist, so muss sie im Freien gemacht werden, damit man seinem Feinde entgegen gehen können.
 
Auf der Reitbahn macht man auch Passaden, deren halbe Volten aber die Größe der gewöhnlichen halben Volten haben und alsdann ist es keine Kriegsschule mehr, sondern sie gehört zur Schulreiterei, die zum Vergnügen gemacht wird oder aber um ein Pferd, das sich zu sehr zurück und zusammen hält, mehr vorwärts zu bringen.Desgleichen macht man auch die Linie der Passade mehr oder weniger lang , je nachdem sich das Pferd auf die Schultern legt oder zurückhält und man hat nur immer den Zweck, das Pferd auf die Hilfen der Hand und der Schenkel aufmerksam zu machen.
 
Obgleich diese Schule ebenso schön als in der Ausführung schwer ist, so lasse ich mich dessen ungeachtet doch in keine nähere Erklärung darüber ein, weil die nämlichen Regeln wie bei den Volten von denen ich soeben geredet habe, auch hierbei angewendet werden. Will das Pferd entweder aus Bösartigkeit oder aus Mangel an Biegsamkeit und Gehorsam nicht folgen, so muss man in dem Fall seine Zuflucht wieder zu den ersten von mir festgesetzten Anfangsgründen nehmen.
 
 
Vierter Abschnitt
Von der Piruette  
 
Eine Piruette ist nicht anderes als ein Volte von Pferdelänge auf einer Stelle. Die Kruppe bleibt in dem Mittelpunkt und die Vorhand macht den Zirkel. In dieser Schule kommt der inwendige Hinterfuß nicht von der Erde, sondern dreht sich auf einer Stelle und dient gleichsam zur Achse, um die sich die übrigen Schenkel und der ganze Körper des Pferdes herumdrehen.
 
Die halbe Piruette ist sein halbe Voltes auf einer Stelle von Pferdelänge. Es ist eine Art Wechselung, welche durch eine Wendung des Pferdes mit dem Kopf nach dem Schweif und auf derselbigen Stelle beliebenden Hanken gemacht wird.
 
Passaden und Piruetten , so wie auch Volten und halbe Volten, sind Kriegsschulen, die zum hurtigen Umwenden , damit man nicht überrumpelt werde oder seinem Feinde zuvorkommen uns seinen Angriff auszuweichen oder ihn mit mehrer Behändigkeit selbst auszuweichen dienen.Man findet wenige Pferde, die mehrere Piruetten hintereinander und mit derselbigen Gleichheit, worin die Schönheit dieser Schule besteht, zumachen im Stande sind, weil es wenige gibt, welche die zu dieser Schule erforderlichen Eigenschaften haben, in der ein Pferd außerordentlich schulterfrei, sehr fest und sicher auf seinen Hanken sein muss. Diejenigen z.B. die einen zu starken Hals und mit Fleisch beladenen Schultern haben, sein zu dieser Schule nicht tauglich.
 
Ehe man ein Pferd zu Piruetten im Galopp anhält, muss man es erst einige halbe Piruetten im Schritt und auf jeder Hand und bald hier bald dort machen lehren. In dem Maß, als es , ohne in Unordnung zu kommen, gehorsam wird, nimmt man es in des spanischen Schritt zusammen und verlangt in diesem Gang ganz Piruetten von ihm, so, dass Kopf und Schultern beim Schluss der Piruette wieder an den Ort kommen, wo sie weggingen, ohne dass dabei die Kruppe aus ihrer Richtung komme. Hierdurch wird es bald die Leichtigkeit erlangen, sie auch im Galopp zu machen.
 
Wenn sich ein Pferd, nachdem man es hinlänglich biegsam und gehorsam gemacht hat, in dieser Schule widersetzt, so gibt es einen Beweis ab, dass seine Hanken nicht die erforderliche Güte haben, die Teile der Vorhand und die Schwere des Reiters zu halten. Hat es aber die nötigen Eigenschaften, so wird es mit der Zeit so viel Piruetten machen, als ein kluger Reiter fordern wird.
 
Bei der Wechselung in der Piruette muss der Kopf geschwind auf die andere Hand gestellt und das Ausfallen der Kruppe aus dem Mittelpunkt durch den äußeren Schenkel verhütet werden. Das Pferd darf indessen in dieser Schule nicht so stark als wie in der gewöhnlichen Volte gebogen werden, denn wenn man den Kopf zu viel einwärts stellt, so würde die Kruppe in der Piruette aus dem Mittelpunkt weichen.
 
Nach der Anlage des Pferdes wechselt man mit den Piruetten ab. Zuweilen macht man sie in der Mitte eines Wechselels, ohne dass die Ordnung der Schule unterbrochen wird, in der man gewöhnlich fortfährt. Am schönsten aber zeigt sich der Gehorsam und die Genauigkeit eines Pferdes, wenn man es auf einer Volte immer mehr und mehr ins Enge bringt, bis es in dem Mittelpunkt der Volte angekommen ist, wo man es alsdann so viel Piruetten in einem Atem machen lässt, als sein Vermögen und sein Atem erlaubt.
 
 
Fünfter Abschnitt
 
Vom Terre à terre
 
Terre à terre ist nach der sehr richtigen Beschreibung des Herzogs von Newcastle ein Galopp in zwei Zeitpunkten auf zwei Hufschlägen und viel kürzer und vereinigter als der gewöhnlichen Galopp, von dem es sich auch durch das Aufsetzen der Füße darin unterscheidet, dass ein Pferd in Terre á Terre die beiden Vorderschenkel zugleich hebt und ebenso niedersetzt. Die Hinterfüße folgen den vorderen in derselbigen Bewegung, welches einen kurzen, geschwinden und niedrigen Gang bildet, indem es alle Zeitpunkte mit einem Triller der Hanken, der wie von einer Art Federkraft entsteht, bemerkbar macht. Man muss sich diese Schule, um einen noch deutlicheren Begriff davon zu bekommen, wie eine Reihe kleiner, sehr niedriger nahe bei der Erde gehender Sprünge vorstellen, in denen das Pferd immer etwas vorwärts und zur Seite geht. Da die Hanken in dieser Stellung nicht so sehr wie bei dem Galopp unter dem Bauch hervorgebracht werden, so wird dadurch ihre Biegung kürzer, geschwinder und entschlossener.
 
Beim Terre à Terre bemerke man darüberhinaus, dass sich das Pferd darin mehr auf die äußeren als inneren Schenkel stützt, welche etwas mehr vorstehen und vorgreifen, jedoch nicht so viel wie im Galopp. Da die Kruppe in dieser Schule, die mit so viel Anstrengung verbunden ist und wo sich die Hanken so kurz und geschwind bewegen, sehr im Zwang gehalten wird, so steht das Pferd mit der Vorhand weiter auseinander, als mit der Hinterhand, wodurch die äußere Schulter etwas zurückkommt und die innere Schulter Freiheit erhält.
 
Es ist leicht einzusehen, dass diese Schule durch den Zwang, in welchem sie ein Pferd hält, gewaltsam ist und dass wenige Pferde im Stande sind, sie mit der ganzen Genauigkeit und der nötigen Sauberkeit zu machen. Ein Pferd muss sehr nervig und äußerst biegsam sein, wenn man diese Schule von ihm fordern will. Diejenigen, die weniger Kräfte und Übung als Leichtigkeit und Mut haben fürchten den Zwang dieser so gekünstelten Regeln. Aus dem Grunde sehen aber auch echte Reiter diese -sehr selten gewordenen- Schule als einen Probierstein an, auf dem sich die Kunst des Reiters und die Geschicklichkeit des Pferdes zeigen.
 
Man muss nicht in den Irrtum derjenigen verfallen, die ohne Unterschied den Namen Terre à Terre dem Gand solcher Pferde beilegen, die einen niedrigen, nahe an der Erde hergehenden elenden Galopp wegschlendern, der ohne eine kurze und geschwinde Bewegung ist, die ihre Hanken anstrengt und zu jenen geschlossnen hurtigen Gang antriebt, dessen Triller allein schon den Unterschied zwischen Terre à Terre und dem schlechten Galopp zeigt.
 
Öfters ist man, wegen der Unwissenheit, jede Schule genau zu kennen, nicht im Stande, weder die Geschicklichkeit eines Pferdes zu beurteilen noch es folglich in einer seiner Anlagen angemessenen Schule abzurichten. Dieser Irrtum, die Schulen ,welche die Zierde guter Reitbahnen ausmachen, auf die Weise miteinander zu verwechseln, macht, dass man eineigen Reitern, deren größte Geschicklichkeit in einer maschinenähnlichen Ausübung besteht, eine anmaßende Kenntnis beimisst, die doch nur in ihrem seichten Grosstun und in der blinden Bewunderung derer ihr Dasein hat, die ohne die mindeste Kenntnis in der Reitkunst sie übertrieben rühmen.
Zu einem vollkommenen Terre à Terre gehört, dass das Pferd die äußere Hanke geschlossen halte, das Viereck in den Volten dieser Schule muss daher noch vollkommener sein als in jenen, die in dem gewöhnlichen Galopp auf zwei Hufschlägen gemacht werden, in den Ecken aber muss man Acht geben, dass der innere Hinterschenkel nicht vor die Schultern komme, das Pferd käme alsdann mit den Hanken zu weit auseinander, die Kruppe würde vor die Vorhand kommen und es könnte, indem es in die Hand des Reiters drängt, einen Sprung machen, um sich aus dieser falschen Stellung zu helfen. Ebenso muss man sich auch in Acht nehmen, dass man die Hand nicht zu hoch halte, denn es würde nicht so niedrig, kurz und geschwind gehen, noch in einer gleichen Geschwindigkeit die Hanken untersetzen können.
 
Die gewöhnlichen Fehler, welche ein Pferd in Terre à terre macht, sind ,wenn es zurückbleibt und mit der Kruppe vor die Vorhand kommt, wenn es die Vorhand zu hoch hebt oder die Hanken schleppt. Ereignet sich einer von diesen Fehlern, so muss man das Pferd zur Strafe mit beiden Sporen vorwärts treiben und ihm zu verstehen geben, dass es sich mehr beisammen halte und seine Sätze geschwinder einrichte. Da die Teile des Pferdes in dieser Übung außerordentlich angestrengt werden, so muss man immer fühlen, wie es sich mit seinen Kräften uns seinem Mut verhalte, auf dass man die Reprise endige, ehe es durch Müdigkeit veranlasst wird, sich zu widersetzen.
 
Die Regeln zur Abrichtung eines Pferdes in Terre à terre beziehen sich auf die Kenntnis, die man von seinem Temperament hat und von der Anlage, die man bei ihm zu dieser Schule findet. Ist es nach den Regeln der Kunst beweglich gemacht, so erkennt man diese leicht daran, wenn man es zusammen nimmt und vortreibt und es nimmt von selbst den oben erwähnten Triller der Hanken an, ohne Zweifel hat es alsdann Anlage zu dieser Schule. Jedoch muss man hauptsächlich im Anfang seine Kräfte sehr schonen, aufs höchste darf man ihm nur vier halbe Volten hintereinander abfordern, die es leicht machen wird, wenn es durch diejenigen Anfangsgründe, die es zu diese Schule führen müssen, dazu vorbereitet worden ist. In dem Maße, als es an Kräften und Atem zunimmt und biegsamer und behänder wird, kann man es, wenn es vier halbe Volten gemacht hat, d.h. zwei auf jeder Hand, in einen kurzen, langsamen Galopp sich erholen lassen, darauf nimmt man es auf dem Viereck in der Mitte des Platzes zusammen und lässt es zwei bis drei Volten in seiner Schule machen, pariert es und steigt ab.
 
  
Achtzehntes Kapitel
Von den Schulen über der Erde
Ich habe gesagt, dass man alle Sprünge, die höher von der Erde als Terre à terre sind und die auf guten Reitschulen ausgeübt werden, erhaben oder Schulen über der Erde nennt. Man zählt ihrer sieben: Die Pesade, Mezair, Coubrette, Coupade, Balotade, Capriole und der Schritt und Sprung.
 
Ehe ich mich in eine genaue Erklärung der für jede dieser Schulen gehörigen Regeln einlasse, halte ich es für dienlich, zu untersuchen, welche Natur von Pferden man zu diesem Gebrauch wählen muss, welche Eigenschaften bei einem Pferd erfordert werden, dass die Gewalt der Sprünge aushalten soll und welche hierzu keine Anlage haben.
 
Ein Pferd muss eine natürliche Anlage haben und sich von selbst zu einer dieser Schulen zeigen, wenn man einen guten Springer aus ihm machen will, denn sonst würde man seine Zeit unnütz anwenden. Man würde es abschrecken und , statt abzurichten, verderben. Ein nur zu gewöhnlicher Irrtum ist der, dass man glaubt, große Stärke wäre zu einem Springer schlechterdings notwendig. Diese außerordentliche Stärke, die einige Pferde haben, macht sie steif, ungeschickt und veranlasst sie, unordentliche, sie erschöpfende Sprünge zu machen uns zu stoßen, welches für einen Reiter außerordentlich unbequem ist, weil diese ungleichen und unregelmäßigen Sprünge gewöhnlich mit einer gewaltigen Anstrengung verbunden sind, die ihren ihre Bosheit eingibt. Pferde von dieser Art müssen in die Pilaren verwiesen werden, wo eine fortdauernde Gewohnheit ordentlicher Sprünge sie hinlänglich für ihre Bosheit züchtigt. Ein Pferd , welches mit einer mittelmäßigen Stärke viel Mut und Leichtigkeit verbindet, ist ungleich besser, weil es gutwillig dasjenige tut, was es nur kann und lange Zeit in einer Schule ausdauert, anstatt dass dasjenige, welches viel Stärke hat, aber alles mit Unwillen tut, durch die gewaltsamen Mittel, die man zur Bezähmung seiner Bösartigkeit anwenden muss, abgenutzt ist, ehe man es abgerichtet hat. Ferner findet man einige, die mit etwas schwachen Hanken doch ziemlich gute Springer werden, weil sie lieber in die Höhe gehen und sich heben, als sich auf die Hanken zu setzen.
 
Ein Pferd von einer guten Stärke nennt man dasjenige, welches nervig und leicht ist, welches seine Kräfte von Natur gleich und mit gutem Anstand verteilt , welches eine leichte und stete Anlehnung im Maul hat, welches starke Glieder , freie Schultern, gute Kötengelenke, Fesseln und Füße hat und welches gutwillig ist.
 
Diejenigen Pferde, welche keine Anlagen zu Schulen über der Erde haben, sind : die zu empfindlichen, die ungeduldigen, die zornigen, die leicht in Feuer und Unruhe geraten, sich zusammendrängen, trappeln und sich zu heben weigern. Andere gibt es, die aus Bosheit und aus Zaghaftigkeit schreien ,wenn man sie zusammentreibt, welche unordentliche Sprünge machen, die ein Zeuge ihres Lasters und der Lust sind, ihren Reiter abzuwerfen. Noch andere gibt es, welche schmerzhafte und fehlerhafte Füße haben und die, wenn sie wieder zur Erde fallen, durch die Empfindung des Schmerzes gehindert werden, einen frischen Sprung zu tun. Solche, die ein schlechtes Maul und eine schwache Anlehnung haben, kommen beinahe bei jedem Sprung, beim Herunterlassen mit dem Kopf, Aus der Stellung, welches sehr unangenehm ist. Findet man demnach bei einem Pferde einen dieser Mängel, so muss man nicht daran denken, einen Springer daraus zu machen.
 
Ein Punkt ist noch zu untersuchen übrig, wenn man ein Pferd antrifft, dass eine gehörige Stärke und gute Anlage hat. Man muss nämlich zu beurteilen wissen, welche Art von Sprung ihm eigen sei, damit man es nicht zu einer Schule zwinge, die Weder mit seiner Natur noch mit seiner Anlage übereinstimmt und ehe es in dieser Schule abgerichtet wird, muss es erst durch die Schulen, deren Regeln ich schon angegeben habe, beweglich und gehorsam gemacht sein. Ich werde nunmehr jede Schule einzeln durchgehen.
 
 
Erster Abschnitt
Von der Pesade
 
Die Pesade ist, wie ich schon beschrieben habe, eine Schule, in der das Pferd auf einer Stelle bleiben die Vorderhand sehr hoch hebt und die Hinterfüße fest auf die Erde hält, ohne damit weder vorzugreifen noch sie zu bewegen. Im eigentlichen Verstande ist die Pesade keine Schule über der Erde, weil die Hinterhand der Vorhand nicht wie in den übrigen Schulen folgt und von der Erde kommt. Allein, da man durch diese Schule ein Pferd die Vorhand mit Leichtigkeit heben, die Arme mit Zierlichkeit biege und auf seinen Hankes fester zu werden lehrt, so setzt man sie gleichsam als den ersten Anfangsgrund an die Spitze aller Schulen über der Erde. Die Pesade hat ferner den Nutzen, den Fehler derjenigen zu verbessern, die im Mezair und in der Courbette sich nicht genügend heben und mit den Vorderfüßen in Unordnung kommen. Aus der Ursache pflegt man auch am Ende einer Reihe von Courbetten die letzte hoch und auf einer Stelle bleibend zu machen, welches nichts anderes als eine Pesade ist, und man macht diese nicht nur zur Verschönerung der Parade, sondern auch, um die Vorhand leicht zu erhalten.
 
Man muss die Pesade nicht mit jenen unregelmäßigen Sprüngen verwechseln, welche Pferde im Steigen machen, obgleich diese die Vorhand auch sehr hoch heben und mit der Hinterhand auf der Erde bleiben. Der Unterschied ist sehr groß. Wenn sich das Pferd in einer Pesade hebt, so muss es in der Hand sein, die Hanken liegen und die Kniekehlen unter sich bringen, wodurch verhindert wird, die Vorhand höher zu heben als es soll. In dem Sprung aber, den ein sich bäumendes Pferd macht, sind die Kniekehlen steif ausgestreckt, es ist nicht in der Hand und läuft Gefahr, umzuschlagen.
 
Ein Pferd darf nicht eher zu Pesaden angehalten werden, bis es schulterfrei, der hand und den Schenkeln gehorsam und in dem stolzen tritt befestigt ist. Hat es diesen Grad von Gehorsam erreicht, so feuert man es mit der Peitsche in den Pilaren an und trifft es leicht mit der Rute in dem Zeitpunkt auf die Vorderschenkel, wenn es in die Seile tritt und die Hanken unter sich hervorbringt. Hebt es sich auch nur wenig, so muss man es parieren und ihm schmeicheln. In dem Maß, wie es gehorcht, trifft man es nachdrücklicher, damit es die Vorhand höher hebe. Da ein Pferd in allen Schulen über der Erde die Arme dergestalt biegen muss, dass die Füße beinahe bis zum Ellenbogen kommen, welches ihm viel Anstand gibt, so muss man die hässliche Bewegung derer verbessern, die, anstatt die Knie zu biegen, die Schenkel vorwärts strecken und die Füße kreuzweise übereinander werfen (jouer de l’épinette) .
 
Dieser Fehler lässt sich leicht durch eine Züchtigung mit der Rute oder Peitsche verbessern, wenn man es stark auf den Knien oder auf den Kötengelenken trifft. Ein anderer Fehler ist der, wenn sich ein Pferd von selbst, ohne dass man es verlangt, hebt. Für diese ist die Strafe, dass man diese zum Ausschlagen bringt und auf diese Weise verbessert man einen Fehler durch den Entgegengesetzten. Damit es aber in dieser Unordnung nicht fortfahre, so muss man immer mit dem stolzer Tritt anfangen, darauf einige Pesaden fordern und durch den stolzern Tritt wieder aufhören. Diese Abwechselung in dem Schulen wird ein Pferd aufmerksam auf den Willen des Reiters machen.
 
Wenn das Pferd zwischen den Pilaren in der Pesade folgsam ist, so muss man es alsdann reiten und währen man es im spanischen Schritt weit ausführt, fordert man eine oder zwei auf der Stelle, ohne dass se mit der Kruppe ausfalle, von ihm und nach der letzten lässt man es zwei bis drei Schritte vorwärts gehen. Wenn es bei dem Niederfallen der Vorderfüße auf die Erde in die Hand drückt, so lässt man es zurücktreten und darauf noch eine Pesade machen, und wenn es gehorcht, so muss man ihm schmeicheln. Wenn es aber im Gegenteil, anstatt die Vorhand zu heben, zurückkriecht und mit der Kruppe vor die Vorhand kommt, so muss es vorgetrieben werden und wenn es die Hilfe der Schenkel gut annimmt, so pariert man, lässt es eine Pesade machen und ist mit wenigem zufrieden.
 
Selbst die frömmsten Pferde verraten im Anfang, wenn man sie in erhabenen Schulen abrichtet, ein Gefühl von Zorn und man darf nicht mehr verlangen, als sie leisten können, denn sie könnten widerspenstig werden und sich nicht leicht mehr wenden wollen, sie könnten sich selbst ihrer Schulen zum Widersetzen bedienen in die Höhe gehen, wenn man es nicht verlangt. Man muss sie daher am Anfang sehr schonen und sich in Acht nehmen, dass sie nicht in ein einziges der Laster verfallen, die sie stete machen können.
  
 
 
Zweiter Abschnitt
Vom Mezair 
 
Mezair ist nach der sehr richtigen Beschreibung einiger Bereiter nichts anderes als eine halbe Corbettte, in der sich das Pferd nicht so hoch von der Erde hebt und vorwärts gehender und taktmäßiger als in Terre`à terre geht.
Man kann leicht in den Pilaren sehen, ob ein Pferd mehr Neigung zu Mezair als zu einem anderen Sprung habe, denn hat es natürliche Anlage zu dieser Schule, so wird es sich von selbst, wenn man es zusammen treibt, höher heben, als in Terre à terre und kürzer und geschwinder nachsetzen als in einer Curbette. Wenn man durch mehrere wiederholte Anweisungen seiner Anlage zu dieser Schule erkannt hat, so muss es darinnen befestigt werden und man wendet hierbei dieselbigen Regen wie bei der Pesade an, nämlich: jede Reprise wird mit dem stolzen Tritt angefangen, worauf einige Tempos in Mezair folgen müssen. Die dienlichen Hilfen hierzu sind: an die Vorhand die Rute und hinten die Peitsche und so eine um die andere. Wenn man es für dienlich erachtet, das F Pferd diese Schule im Freien machen zu lassen, so nimmt man solches, nachdem man es im spanischen Schritt auf einem Fußtritt geführt hat, zusammen und lässt es seine Schule, entweder in einer Handwechselung oder in einer halben Volte, immer aber auf zwei Fußtritten, machen, denn es ist ni9cht gebräuchlich, weder in Mezair noch in Terrre à terre, ein Pferd auf einem Hufschlag zu führen.
Die nützlichen und artigsten Hilfen, um ein Pferd in Mezair zu reiten, sind , wenn man es leicht und mit schönem Anstande an der äußeren Schulter mit der Rute trifft und mit beiden Waden hilft. Setzt aber die Kruppe der Vorhand nicht genug nach, so nimmt man die Rute abwärts und kreuzweise unter den Arm und trifft es auf der Kruppe, wodurch die Hinterhand kürzer und geschwinder nachzusetzen bewogen wird.
Nimmt das Pferd einen der Fehler an, die beinahe bei allen Pferden, welche man zu Schulen über der ‚Erde abrichtet, gewöhnlich sind, nämlich, dass sie entweder ihre Kräfte zurückhalten oder sich in die Hand legen oder ihre Schultern, ohne die Hilfen des Reiters dazu abzuwarten, von selbst machen, so muss man die oben erwähnten Mittel dagegen gebrauchen und sie mit der einem Bereiter nötigen Beuteilung, Klugheit und Geduld anwenden.
Ferner muss man auch in dieser Schule dasselbe Verhältnis des Bodens wie in Terre à terre beobachten, nämlich : man muss das Pferd in den Volten und halben Volten, in einem gleichen und gehörigen Raum erhalten, denn da diese Schulen viele Ähnlichkeit miteinander haben und eine gedrängte, kurze und geschwinde Schule darstellen, so muss die Stellung des Pferdes in diesen beiden Schulen auch gleich sein.
 
 
Dritter Abschnitt
Von den Curbetten
Die Curbette ist ein Sprung  , in welchem das Pferd die Vorhand höher und taktmäßiger hebt und längere Zeit in der Luft hält als in Mezair. Die Hanken müssen der Vorhand in dem Augenblick, da die Vorderschenkel wieder auf die Erde fallen, in gleichmäßigen, kurzen, geschwinden und niedrigen Sätzen folgen. Mezair und die Curbette untersceiden sich demnach darin, dass das Pferd in der ersten Schule die Vorhand nicht so hoch hebt und dass seine Sprünge geschwinder und vorwärts gehender sind als in der Curbette, in der es sich höher hebt, längere Zeit in der Luft bleibt und aus dem Grunde mit den Hanken gezwungener nachsetzt. Ich bemerke hierbei, dass ein Pferd sowohl im Galopp als in Terre à terre und in Piruetten seine Schenkel vorne und hinten einen vor den anderen setzt. In Mezair, in Curbetten und in allen übrigen erhabenen Schulen aber müssen sie gleich und keiner darf dem anderen im niedersetzen vorgehen. Dies würde ein großer Fehler sein, den man die Hinterhand schleppen nennt (trainer les hanches).
 
Neben der natürlichen Anlage, die ein Pferd haben muss, wenn es gut curbettieren soll, gehört auch noch außerdem viel Kunst dazu, um es in dieser Schule, die unter allen den so genannten „erhabenen“ den meisten Beifall findet und am gebräuchlichsten ist, abzurichten und zu befestigen. Es ist ein artiger Sprung auf einer Reitbahn, der, ohne hart zu sein, von den kraftvollen Hanken des Pferdes einen Beweis gibt und der den Reiter in einer schönen Stellung zeigt. Ehemals war diese Schule bei den Offizieren der Reiterei sehr gewöhnlich. Sie machten sich eine Ehre daraus, an der Spitze ihres Trupps oder an Paradetagen abgerichtetes Pferd zu reiten. Von Zeit zu Zeit ließen sie solche einige schöne Curbetten machen, die ebenso sehr zu Aufmunterung eines Pferdes gereichten, wenn es in seinem edlen gang nachlässt, als sie es auch in dem Gehorsam erhalten und darauf einen erhabeneren, stolzeren und leichteren Schritt bei ihm bewirken. Man darf von einem Pferd keine Curbetten verlangen, wenn es in Terre à terre und in Mezair noch nicht gehorsam ist. Ein gehöriges Terre à terre und richtiges Mezair bereiten ein Pferd mehr als zur Hälfte zu der Curbette vor, wenn es wirkliche Anlage zu dieser Schule hat.
 
Faule, schwere und solche Pferde, die ihre Kräfte aus Bosheit zurückhalten, schicken sich nicht zu dieser Schule, so wie auch diejenigen, welche ungeduldig, unruhig, voll Feuer und Hitze sind, denn alle erhabenen Schulen vermehren den natürlichen Zorn dieser Art von Pferden, sie verlieren das Gedächtnis dadurch und benehmen ihnen den Gehorsam. Dasjenige also, was man zu dieser Schule bestimmt, muss nervig, leicht, kraftvoll und dabei fromm, gelehrig und gehorsam sein.
 
Wenn man, bei diesen Eigenschaften, eine besondere Neigung zu Curbetten an einem Pferde wahrnimmt und wenn man es durch Pesaden die Vorhand wohl zu heben gelehrt hat, so muss man ihm darauf mit der Peitsche die Hanken anfeuern, damit es mit der Kruppe nachsetze, die Vorhand niedriger bringe und den richtigen Takt und die wahre Stellung dieser Schule annehme. Ist es einigermaßen hierinnen gerichtet und macht es vier bis fünf hintereinander ohne Fehler und regelmäßig, so muss man anfangen, es einige im Freien auf der Linie, in der Mitte der Reitbahn und nicht an der Mauer, machen zu lassen. Diejenigen, welche man längs der Mauer sich zu heben gewöhnt, gehen nur aus Gewohnheit und geraten in Unordnung, wenn man dasselbige von ihnen anderswo verlangt. Zu Anfang darf man nicht mehrere Curbetten hintereinander von dem Pferd fordern, sondern wenn man es auf der geraden Linie den spanische oder stolzen Tritt gehen lässt und man fühlt, dass es wohl beisammen und in einer guten Anlehnung ist, so sucht man ihm zwei bis drei wohl von der Erde erhabene und taktmäßige abzugewinnen. Man reitet darauf einige Schritte im spanischen Schritte weiter und lässt es durch zwei bis drei Tempos im stolzen Tritt aufhören. Wollte man durch eine Curbette aufhören, so könnte sich das Pferd dieser Schule zum Widersetzen bedienen.
 
Damit man einem Pferd in Curbetten gut helfe, so muss der Zeitpunkt, da es die Vorhand heben soll, genau getroffen und die Hilfen dazu mit der Hand geschwind gegeben werden. Die Schenkel des Reiters müssen der Bewegung in den Curbetten folgen, ohne das Pferd zu viel damit antreiben zu wollen, denn ein Pferd nimmt von Natur, wenn es sich zu richten anfängt, sein Tempo seine eigene taktmäßige Bewegung an. Hauptsächlich aber dürfen die Knie nicht steif gehalten werden, denn wenn man zu starke Hilfen gäbe, so würde sich das Pferd übereilen. Die Schenkel müssen im Gegenteil von den Knien bis an den Steigbügeln biegsam sein und die Spitze des Fußes muss etwas tief gehalten werden, wodurch die Sehnen nachgeben. Wenn man in einer aufrechten und ungezwungenen Stellung des Gleichgewicht erhält, so macht die Bewegung des Pferdes allein. Dass man dem Pferd mit den Waden hilft, ohne sie näher zu bringen, wenn es sich anders nicht zurückhält, in welchem Fall man stärkere Hilfen anwenden ,darauf aber wieder nachgeben muss.
 
Die Curbetten müssen nach der natur des Pferdes eingerichtet werden. Dasjenige, welches sich in die Hand legt, muss sie kürzer und mehr auf den Hanken, und das, welches sich zurückhält, muss sie vorwärts gehender machen. Das erster würde sonst schwer in der Hand werden und hinein drängen und das letztere könnte stete werden. Zur Verbesserung dieser Fehler reitet man sie öfters im spanischen Schnitt, in der Stellung der Schulter einwärts. Durch diese Übung werden sie in derjenigen Freiheit erhalten, der sie zum leichten Gehorsam in dieser Schule bedürfen.
 
Wenn das Pferd in Curbetten auf einer geraden Linie ohne mit der Kruppe auszufallen, willig gehorcht, so muss man es auf das Viereck führen, welches sich zu Volten im Galopp vorgeschrieben habe, damit es vorbereitet werde, seine Schulen auf Volten zu machen. Fühlt man, dass es auf den vier Linie des Vierecks gerade zwischen beiden Schenkeln in dem Spanischen Schritt fortgeht, so lässt man es von Zeit zu Zeit einige Curbetten machen. In den Ecken des Vierecks aber darf man es nicht in die Höhe gehen lassen, sondern man wendet daselbst die Vorhand frei auf die andere Linie, ohne dass die Kruppe ausweiche. Wenn man es in der Wendung wollte heben lassen, so würde es hart werden, zurückkriechen und mit der Kruppe vor die Vorhand kommen.
 
Macht es diese Schulen auf den vier Linien gut und hat man es weit genug gebracht und hinlänglich in Atem gesetzt, durch das ganze Viereck zu curbettieren, so kann man anfangen, es die Curbetten mit einwärts gestellter Kruppe machen zu lassen. In dieser Absicht reitet man es im spanischen Schritt, in der Stellung mit der Kruppe an die Mauer und sucht in dieser Stellung ein bis zwei Curbetten auf zwei Fußtritten von ihm zu erhalten. In dem Augenblick, wenn es mit den Vorderfüßen wieder auf die Erde fällt und nicht, wenn es noch in der Luft ist, hilft man ihm mit dem äußeren Schenkel, damit man es einen Schritt zur Seite bringe. Darauf lässt man es wieder durch die Hilfe beider Waden und des Verhaltens der Hand eine Curbette machen und so nach einander einen Schritt seitwärts, worauf wieder eine Curbette folgt. Wenn es in der Stellung der Kruppe an die Mauer gut geht, so führt man es auf das Viereck in der Mitte der Reitbahn. Mann hält es auf zwei Fußtritten und gewöhnt es in dieser Stellung seine Schule zu machen, richtet aber den Zwang dieser Übung verhältnismäßig mit seinem Gehorsam und seiner Anlage ein.
In Curbetten auf Volten darf man die Hanken nicht so viel einwärts halten wie in Terre à terre und in Mezair, denn wenn die Kruppe zu viel in Zwang gehalten wird, so kann das Pferd nicht frei genug mit den Hanken nachsetzen und aus dem Grunde muss man es nur etwas mehr als mit halber Kruppe einwärts halten. Ebenso darf man auch ein Pferd , wenn man es auf Volten curbettiert, nicht so stark biegen wie im Galopp und in Terre à terre. Mit einem Auge nur muss es in die Volte sehen .Lässt man es aber geradeaus auf einem Fußtritt curbettieren , so darf es gar nicht gebogen, sonder es muss mit dem Kopf, schultern und Kruppe gerade gehalten werden.
 
Außer den Curbetten auf Volten werden auch noch auf zwei andere Arten gemacht, nämlich das Kreuz in Curbetten und die Sarabande in Curbetten.Wenn man das Pferd lehren will, das Kreuz in Curbetten zu machen, so führt man es im spanischen Schritt auf einem Fußtritt auf eine gerade ungefähr viermal Pferdelänge lange Linie, lässt es sodann auf derselbigen Linie Rückwärtsrichten und reitet darauf wieder bis in die Mitte der geraden Linie vorwärts. Alsdann lässt man es ungefähr zweimal Pferdelänge seitwärts gegen den rechten Schenkel rechts traversieren und darauf wieder seitwärts zweimal Pferdelängen über die Mitte der geraden Linie gegen den linken SChnekel gehen – links traversieren – und kommt endlich wieder seitwärts gegen den rechten Schenkel in der Mitte der Linie, wo man es still hält und ihm schmeichelt. Wenn das Pferd auf diesen vier Linien, ohne mit der Kruppe auszufallen, vorwärts, zurück und seitwärts im spanischen Schritt zu gehen gelsernt hat, so lässt man es am Anfang, in der Mitte und am Ende jeder Linie eine Curbette machen und wenn es sich nach mehreren Übungen nicht widersetzt, so ,äßt man es das ganze Kreuz in Curbetten machen. Wenn man es beim Rückwärtsrichten sich heben lässt. So muss der Oberleib des Reiters nicht zurück, sondern gerade und selbst unmerklich etwas vorwärts gehalten werden, damit die Kruppe mehr Freiheit bekomme. Wenn die Vorderfüße wieder auf die Erde fallen und nicht, wenn es noch in der Luft ist, muss man ihm helfen und es mit der Hand anhalten, damit es einen Schritt ohne sich zu heben zurückgehe. Darauf lässt man es wieder eine Curbette machen und so wechselweise.
In der Sarabande in Curbetten macht man zwei Curbetten vorwärts, ebenso viele zurück, zwei rechts und zwei links zur Seite und so ohne Unterschied nacheinander fort, vorwärts, seitwärts und zurück, ohne dass man, wie in den Curbetten im Kreuz, ein   Ebenmaß des Bodens beobachtet. Man lässt es in einem Atem so viele machen, als seine Anlage und seine Kräfte erlauben. Ein Reiter muss aber seine Hilfen gut in seiner Gewalt haben und das Pferd muss wohl abgerichtet und sehr nervig sein, wenn die beiden Schulen der Curbetten in das Kreuz und in der Sarabande, die aber auch in unsren Zeiten verloren gegangen sind, mit dem erforderlichen Anstand der nötigen Freiheit gemacht werden sollen.
 
  
Vierter Abschnitt
Von der Croupade und Balotade
 
Die Croupade und Balotade sind zwei nur durch die Stellung der Hinterschenkel voneinander verschieden Schulen.
In der Croupades zeiht das Pferd, wenn es mit den vier Schenkeln in der Luft ist, die Hinterschenkel und Füße an sich und unter den Bauch, ohne das es die Eisen zeigt. In der Balotade aber zeigt es die Hinterfüße, wenn es in der Höhe ist, als wollte es ausschlagen, ohne jedoch zu streichen, wie es in der Kapriole tut. Ich habe bereits gesagt, dass den zu erhabenen Schulen bestimmten Pferden diese verschiedenen Stellungen der Schenkel in den Sprüngen durch die Kunst nicht verschafft werden können. Nur die Natur in Verbindung mit der Kunst und die natürlichen Anlage schreibt die Regeln vor, welche man bei ihrer Abrichtung befolgen muss, damit sie diese verschiedenen Schulen mit gutem Anstande machen.
 
Den Anfang der Abrichtung eines Pferdes zu diesen Schulen muss man jederzeit in den Pilaren machen. Diejenigen irren, welche im Freien anfangen wollen, einen Springer abzurichten, ohne dass es vorher durch den stolzen Tritt gelenkig gemacht und gehörig gerichtet ist und ohne dass man seine Schule in den Pilaren auszuforschen gesucht hat.
 
Jeder Springer muss, außer der natürlichen Anlage, in die Höhe zu gehen, die Hand und Schenkel vollkommen kennen, damit es leicht und in der Hand springen kann, wenn es der Reiter verlangt und nicht nach Launen und aus Gewohnheit.
 
Wenn das Pferd leicht und ohne Bosheit einige Crupaden oder Balotaden nicht dem Willen des Reiters in den Pilaren macht, so muss man darauf einige im Freien von ihm fordern. Man beobachtet dabei die nämliche Ordnung wie in den oben erwähnten Schulen, hauptsächlich aber wie in den Curbetten. Ich bemerke nur noch, dass je höher diese Schulen von der Erde gemacht werden, umso mehr Kraft ein Pferd dabei anwendet und dass die große Kunst, seinen Mut und seine Leichtigkeit zu erhalten darin besteht, dass man vorzüglich nur im Anfang weinige Sprünge von ihm verlangt und wenn es diese gutwillig gemacht hat, ihm schmeichelt und absteigt.
 
Hat man das Pferd so weit gebracht, dass es mehrere Crupaden oder Baltoaden hintereinander und ohne mit der Kruppe auszufallen im Freien macht, so muss man es vorbereiten, seine Schule auf den vier Linie zu machen, die eine Volte bilden. Man führt es in dieser Absicht in dem spanischen Schritt darauf und sucht ihm von Zeit zu Zeit einige abzugewinnen. Merkt man, dass es zum Gehorsam aufgelegt ist, so muss man seine Gutwilligkeit benutzen und es auf den vier Linien springen lassen, nur in der Ecke ausgenommen. Wo man es in der Wendung, wie ich schon angemerkt habe, nicht darf in die Höhe gehen lassen. Ich muss ferner hierbei bemerken, dass man niemals ein Pferd in der Balotade, Crupade oder in der Capriole auf zwei Fußtritten gehen lässt, sondern nur mit der halben Kruppe einwärts, und könnte der Bewegung der Vorhand nicht so leicht folgen. Ebenso muss man such Achtung geben, dass die Kruppe in den vier Ecken der Volte, wenn man die Vorhand auf die andere Linie wendet, nicht ausweiche. Durch die Hilfe des äußeren Schenkels muss sie stete und in der Richtung gehalten werden.
  
Die Hilfen, welche man bei erhabenen Schulen anwendet, sind: an der Vorhand die Rute; man trifft es damit leicht und mehrmals nacheinander an der äußeren Schulter, jedoch nicht ungestüm und mit so starken Hieben, wie es einige Reiter machen, welche die Schulter eines Pferdes durchhauen. Wenn man mit Zierlichkeit einem Pferde mit der Rute helfen will, so muss man den Arm biegen und den Ellenbogen bis zur Schulter in die Höhe heben. Auch bedient man sich der Rute, wie ich schon erklärt habe, abwärts und kreuzweise über die Kruppe , um die Hanken anzufeuern. Die Hilfe des gelinden Sporenstoßes ist in erhabenen Schulen, wenn sich das Pferd nicht genug hebt, ebenfalls vortrefflich, denn diese immer etwas nachdrückliche Hilfe bringt das Pferd mehr in die Höhe als vorwärts.
  
Ob man zwar ein Pferd in erhabenen Schulen nicht auf zwei Fußtritten führen darf, so muss man es deswegen doch in dieser Stellung sowohl in dem spanischen Schritt als auch im Galopp unterhalten. In dieser Stellung sind die Hanken mehr beisammen, niedriger und gezwungener, wodurch die Vorhand leichter und das Pferd zum besseren Springen vorbereitet wird. Man darf aber ebenso wenig in den Fehler derer verfallen, die ihre Pferde nur abzurichten scheinen, im sie alle ihrer Kräfte anwenden zu lassen, wodurch die entkräftet werden. Dies ist nicht die Absicht der guten Reitschule, vielmehr muss man ein Pferd in der Biegsamkeit, in dem Gehorsam und in der Genauigkeit erhalten, die aus den Wahren Grundsätzen der Kunst fließen. Die Reitkunst würde sonst immer verworrener sein und die Gleichheit des Taktes, welche jede erhabene Schule haben muss, würde gestört werden, welches eine Vollkommenheit ist, die man nicht vernachlässigen darf.
 
 
Fünfter Abschnitt
Von den Capriolen
  
Die Capriole ist, wie ich bei der Beschreibung dieser Schule gesagt habe, die höchste und vollkommenste von allen Sprüngen. Wenn das Pferd mit Vor- und Hinterhand gleichhoch in der Luft ist, so streicht es stark hinten aus und die Hinterschenkel sind in diesem Augenblick nahe beisammen und es streckt sie so viel als möglich us. Die Hinterfüße werden in dieser Bewegung bis zur Höhe der Kruppe gehoben und öfters krachen sie Sprunggelenke wegen der heftigen und gewaltsamen Ausdehnung dieses Teils. Das Wort Capriole ist ein italienischer Ausdruck, den die Neapolitanischen Bereiter dieser Schule wegen der Ähnlichkeit gegeben haben, die sie mit dem Sprung eines Rehbockes hat, welcher im Italienischen Caprio heißt.
 
Ein Pferd , das man zu Capriolen bestimmt, muss sensibel und leicht sein und eine gute Anlehnung haben. Es muss ein sehr gutes Maul, breite, sensible Schenkel und Kniekehlen haben und seine Füße müssen vollkommen gut und tüchtig sein, diese Schule auszuhalten. Hat es von der Natur Keine Behändigkeit und Leichtigkeit erhalten, so wird alle Arbeit vergebens sein. Nie wird es weder das Angenehme noch das Gewandte bekommen, welches zu einem guten Springer gehört.
 
In einer vollkommenen Capriole muss das Pferd die Vor- und Hinterhand in gleicher Höhe heben, nämlich, wenn es hoch in der Luft ist, so muss das Kreuz und der Widerrist in horizontaler Linie stehen, der Kopf muss gerade und stete sein und bei jedem Sprung darf das Pferd nicht mehr als einen Schuh vorwärts kommen. Es gibt Springer, die in der Capriole mit den vier Füßen zugleich auf der nämlichen Stelle wieder niederfallen, sich mit derselbigen Kraft und in dem nämlichen Takt wieder heben und so lange fortfahren, als es ihre Stärke erlaubt. Diese Schule ist sehr selten und ein Pferd hält sie nicht lange aus. Man nennt sie den Sprung in einem Zeitpunkt oder Freme à freme.
 
Wenn man bei einem Pferd, welches man in Carpiolen abrichten will, die soeben angeführten Eigenschaften und eine natürliche Anlage findet und wenn man es durch die Schulter einwärts beweglich gemacht und in dem spanischen Schritt und in dem Galopp die Schenkel kennen gelehrt hat, so lässt man es darauf in den Pilaren in Pesaden sich heben, die aber im Anfang langsam und sehr hoch mit der Vorhand gemacht werden müssen, damit es Zeit gewinne, seine Füße gehörig zu stellen und sich ohne Bosheit hebe. Wenn es die Vorhand leicht und hoch hebt und die Arme dabei wohl biegt, so lehrt man es durch Hilfen der Peitsche das Streichen, man wendet solche in den Zeitpunkten an, wenn es mit der Vorhand in der Höhe und damit wieder niederzufallen im Begriff ist, dann wollte man es in dem Zeitpunkt, da es sich hebt, damit treffen, so würde es vorwärts springen und sich widersetzen. Wenn man es, während die Vorhand in der Höhe ist, stark ausstreichen gelehrt hat , welches die Capriole bildet, so muss man es nach und nach weniger Pesaden und mehr Capriolen machen lassen und sobald man merkt, dass es müde zu werden anfängt, lässt man es nicht mehr springen. Bei gesunkenem Mut würde es in Unordnung geraten und seine Sprünge würden nichts als Stöße und Widersetzlichkeit sein.
 
Gehorcht es in dieser Schule zwischen den Pilaren, so reitet man es im spanischen Schritt im Freien und sucht ihm auf gerader Linie einige Sprünge abzugewinnen. In dem Zeitpunkt, da es die Vorhand zu senken anfängt, hilft man ihm mit der Rute an der Schulter, nicht aber, wenn es sich hebt, denn dadurch würde man es hindern, mit der Kruppe zu folgen.
  
Bei dem Gebrauch des Stachels hat man dasselbige zu beachten: man drückt ihn nämlich aus derselben Ursache, wenn das Pferd wieder mit der Vorhand niederzufallen im Begriff ist, mitten aufs Kreuz. Was die Schenkel des Reiters betrifft, so dürfen solche auf keine Weise steif gehalten oder zu sehr ausgestreckt werden, sondern sie müssen ungezwungen und nahe am Pferd herunter hängen. Hält sich das Pferd zurück, so treibt man es mit den Waden vor. Durch diese Hilfe erhält die Kruppe viel Freiheit. Zuweilen muss man die Sporen gelinde brauchen, wenn es sich noch mehr zurück hält. Desgleichen muss man ahuc das Pferd bei jedem Sprung, wenn es in der Höhe ist, einen Augenblick mit der Hand anhalten, als wenn es schwebend wäre, welches man verhalten nennt (soutenir).
 
Unter allen Schulen sind die Capriolen auf Volten, nämlich auf dem Viereck, welches ich bei den übrigen Schulen vorgeschrieben habe, eine der schönsten. Die Schwierigkeit aber, ein genaues Verhältnis des Bodens dabei zu beobachten und das Pferd in einem gleichen Takte zu erhalten, ohne dass es sich weder mit der Vor- noch Hinterhand übereile, welches am gewöhnlichsten geschieht, macht sie auch zur schwersten.
 
Da die Bewegung in der Capriole unter allen übrigen Schulen die gestreckteste und beschwerlichste ist, so muss man, damit die Sprünge mit mehr Kraft und Leichtigkeit gemacht werden können, einen weiteren und minder beschränkten Raum haben. Wie ich schon bemerkt habe, so darf man nur die halbe Kruppe in der Volte halten, wodurch diese Schule genauer und vollkommener und der Sitz des Reiters fester und schöner wird. Der Leib des Reiters darf den Bewegungen bei jedem Sprung nicht folgen, sondern man muss sich stete und so halten, dass die Bewegungen, die man macht, ebenso sehr zur Verschönerung seines Sitzes als zur Hilfe des Pferdes gereichen können.
 
 
Von dem Schritt und Sprung ( le pas et le saut)        und
Von dem munteren oder mit Sprüngen untermischen Galopp ( galopp gaillard)
 
Wenn die zu Carpiolen abgerichteten Pferd abgenutzt zu werden anfangen, so nehmen sie von sich selbst zu ihrer Erleichterung eine Schule an, der man den Namen Schritt und Sprung gegeben hat und die in drei Zeitpunkten gemacht wird. Der erste ist ein kurzer Galopp, oder Terre à terre, den zweiten Zeitpunkt macht eine Curbette und den dritten eine Capriole. Pferde, die mehr Leichtigkeit als Stärke haben, kann man auch zu dieser Schule abrichten, um ihnen Zeit zu geben, Ihre Kräfte zu vereinigen und sich durch die beiden ersten Bewegungen zum besseren Heben in der Kapriole vorzubereiten.
Man hat eine Art Pferde, die ihren Galopp durch einige luftige Sprünge unterbrechen, entweder, weil die zu stark vom Rücken sind oder zu viel Ruhe haben, oder aber weil sie der Reiter zu viel verhält. Man nennt ihn den munteren Galopp (galop gaillard).
 
Man muss indessen diesen Gang nicht als eine besondere Schule annehmen, da es aus dem Eigensinn und der Laune des Pferdes entsteht, das nur dadurch seine natürlichen Anlage zum Springen zeigt, wenn anders diese Munterkeit gewöhnlich und nicht eine Folge zu vieler Ruhe ist.
 
Ende Teil 2
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